Tunesien

Verurteilte tunesische Bloggerin nach Deutschland ausgereist

Eine tunesische Bloggerin, die im Juli zu sechs Monaten Haft und einer Geldstrafe verurteilt wurde, ist nach Deutschland geflohen. Dies schrieb Emna Chargui am Sonntagabend auf ihrem Facebook-Profil, wo sie auch Fotos aus Hamburg und Berlin veröffentlichte. Sie habe gedacht, dass Tunesien ein Land sei, in dem Gesetz und Meinungsfreiheit respektiert würden. „Aber ich musste feststellen, dass es immer noch eine Diktatur ist“, schrieb Chargui. „Deshalb habe ich es für Länder verlassen, in denen die Bürger, die Presse- und Meinungsfreiheit und in denen ich respektiert werde.“

Chargui hatte Anfang Mai auf ihrem Profil ein Foto einer „Corona-Sure“ geteilt, eine Persiflage einer Koran-Sure, welche die aktuelle Pandemie thematisiert. Dieses kursiert den Berichten verschiedener Medien zufolge bereits seit März auf den sozialen Netzwerken. Wegen des „Aufrufs zu Hass zwischen den Religionen“ wurde sie am 14. Juli in erster Instanz zu sechs Monaten Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet rund 600 Euro verurteilt. Ihre Anwältin hatte damals angekündigt, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International hatten das Urteil scharf kritisiert und zu einer Revision aufgerufen. (epd)

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