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Welcher Drink ist für welches Geschlecht?

#Metoo-Debatte

Der verunsicherte Mann ist verschmerzbar

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Die #Metoo-Debatte hat scheinbar den Mann zum eigentlichen Opfer gemacht. Dabei ist ein Mimimi unangebracht. Ein Kommentar.

Der Mann ist verunsichert. Die Knaben wissen nicht wohin mit ihren Händen und ihren Stammtischsprüchen. Denn mit Ersteren dürfen sie nicht mehr grabschen, und wenn sie die zweiten raushauen, bekommen sie nicht mehr jederzeit Beifall dafür.

Und es wird nur schlimmer. Die #Metoo-Bewegung hat scheinbar den Mann zum eigentlichen Opfer gemacht, da ist man sich allseits einig. Die Süddeutsche sieht den Mann schon 2017 „in der Krise“, der Spiegel widmete seiner Verunsicherung eine Titelseite, und bei der Zeit beschäftigt man sich mit dem „geschwächten Geschlecht“.

Wer dieser reaktionären Taktik zur Machterhaltung Glauben schenkt und in einer Bewegung ein Mittel der Unterdrückung des Mannes sieht, die nicht viel mehr hervorgebracht hat, als den Umstand, dass ein paar Prominente für ihr strafrechtlich relevantes Verhalten zur Verantwortung gezogen werden, der könnte sich zum Beispiel die Wahl von Donald Trump ins Gedächtnis rufen. Der hatte damit geprahlt, Frauen am Geschlechtsteil packen zu können. Er oder sie könnte einen Blick auf die nach wie vor eklatanten Unterschiede in den Gehältern von Männern und Frauen werfen. Oder in die Statistik der Gewaltverbrechen.

Rosa-hellblaue Erziehung und äußerliche Überformung

Und selbst falls es denn so ist und sich manch emanzipierter Mann verunsichert fühlt, ist das verschmerzbar. Wenn eine unterdrückte Gruppe an den Säulen einer Herrschaftsstruktur rüttelt, dann wird den Herrschenden auch mal schwindlig. Das ist das Mindeste. Sollen Strukturen der Herrschaft aufgelöst werden, dann muss das nicht unbedingt zu Enthauptungen führen, aber um ein wenig Tumult kommen wir Herren und Damen nicht herum.

Menschen unterscheiden sich bekanntlich und sind gleichzeitig zu 99,9 Prozent identisch. So auch Frauen und Männer. Doch Männer machen sie zu einem polaren Paar. Durch tradierte Geschichten, pseudo-wissenschaftliche Studien, rosa-hellblaue Erziehung und äußerliche Überformung.

Und selbst vorhandene Unterschiede müssen gar nicht aufgelöst werden, dürfen aber de facto keine Rolle spielen. Manche Menschen sind größer und stärker als andere, manche klüger. Aber jeder versteht, dass wir erst dann in einer gerechten Gesellschaft leben, wenn diese Faktoren nicht Chancen determinieren, Würde oder rechtlichen Status.

Keiner verlangt männliche Herrlichkeit

Die #Metoo-Debatte als Anstoß auf dem Weg zu einer emanzipierten Gesellschaft hat Fragen aufgeworfen, die nicht jeder Mann auf Anhieb beantworten kann. Wann ist was Belästigung, wann bin ich witzig und wann übergriffig, wann bin ich freundlich und wann sexistisch? Es ist wichtig, darüber zu reden und die Verunsicherung, die dadurch entstehen mag, ist ein sehr kleiner Preis dafür. Ein Mimimi ist unangebracht.

Und bei all der Macht, die wir Männer im Zuge dieser Entwicklung wohl verlieren werden, es gibt auch einiges zu gewinnen. In einer emanzipierteren Welt muss nicht jeder ein hetero-harter Kerl mit Hang zu Technik und Fußball sein. Er kann Gefühle zeigen, ohne zum Schwächling abgestempelt zu werden. Der Mann muss nicht jede Antwort parat haben, hatte er vorher ja auch nicht. Die Bürde des Versorgers der Familie bleibt ihm erspart. Keiner verlangt von ihm diese Herrlichkeit, die superkraft-artig aus dem Besitz eines Hodensacks entsteht.

Und wie verunsichert der eine oder andere sich auch fühlen mag, wir sind längst nicht am Ende der Arbeit. Es ist sicherlich anstrengend und manchmal mühsam. Aber es gibt keinen Grund, Angst zu haben.

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