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Ob und wie der Schulunterricht nach der langen Pause fortgesetzt werden kann, ist derzeit unklar.

Schulen

Verunsichert und am Limit

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Eltern, Schüler und Lehrer fragen sich, wie es nach dem langen Unterrichtsausfall in den Schulen weitergehen soll. Vieles ist ungeklärt.

Stephan Wassmuth hat fünf Kinder, von denen drei noch in die Schule gehen – an drei verschiedene Schulen. „In der Corona-Krise läuft es bei zwei Schulen gut: Die Kinder und Jugendlichen bekommen E-Mails mit Aufgaben und Hinweisen, wo es sinnvolles Material im Internet gibt“, sagt er. „An der dritten Schule läuft gar nichts.“ Er fände es schwer erträglich, dass die Unterschiede so groß seien.

Wassmuth ist Vorsitzender des Bundeselternrats. Viele Eltern sind derzeit am Limit: Während sie im Homeoffice arbeiten oder um ihren Job bangen, müssen sie gleichzeitig zu Hause die Kinder betreuen.

Und es herrscht Unsicherheit unter Eltern, Schülern und Lehrern. Wie soll es weitergehen, wenn der Unterricht noch lange Zeit ausfallen sollte? Könnte vielleicht sogar das ganze Schuljahr annulliert werden?

Nein, verspricht die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig. „Das Schuljahr 2019/2020 wird auf jeden Fall gewertet“, sagt die SPD-Politikerin, die zugleich Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz ist. Auch Lehrer weisen darauf hin, dass es etwa durch den Ausfall von Klassenfahrten im Rest des Schuljahres auch zeitlichen Spielraum gebe, Unterrichtsinhalte nachzuholen.

Knifflig ist der Fall beim Abitur. Während es in manchen Bundesländern schon Abiturprüfungen gibt, steht in Frage, ob überhaupt in allen Bundesländern Prüfungen stattfinden können oder werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält ein Notabitur ohne eigene Prüfungen für denkbar. „Entscheidend ist, dass die Schülerinnen und Schüler keine Nachteile haben und die Schulzeit nicht verlängert wird“, sagt Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied für den Bereich Schule. „Ein sogenanntes ‚Notabitur‘ ist dabei eine Lösung.“

Hoffmann erläutert: „Der Großteil der Punkte, die in die Abiturnote einfließen, wurde ja schon in den Kursen in der Oberstufe erworben.“ Diese Noten könnten – wenn keine Prüfungen möglich seien – auch allein die Grundlage für die Abiturnote sein, sagt sie. Eine andere Möglichkeit sei, die Prüfungen zu verschieben, soweit das möglich sei.

Zwei Hamburger Schüler wollen, dass nicht mehr länger Ungewissheit herrscht, und haben eine Online-Petition zur Absage aller Abiturprüfungen gestartet. „Viele von uns haben Angst“, schreiben sie in der Petition auf der Internetplattform „change.org“. „Unsere Familien geraten in Existenznot und wir mit unseren Prüfungsvorbereitungen mittendrin. Nichts ist wie zuvor.“ Ihr Ziel, ein Abitur auf Grundlage des vorherigen Notenschnitts, hat bereits Zehntausende Unterstützer gefunden.

Im Bundeselternrat hofft man insbesondere, dass aus der Krise auch für die Zukunft gelernt wird. „Als Eltern beobachten wir entsetzt, dass es für eine Situation wie jetzt in der Corona-Krise überhaupt keinen vorbereiteten Notfallplan gibt“, sagt der Vorsitzende Stephan Wassmuth. „Daraus müssen die Kultusminister lernen und das Bildungssystem auch auf solche außergewöhnlichen Situationen besser vorbereiten.“ Was den Schülern jetzt in Sachen digitales Lernen geboten werde – oder nicht –, hänge auch davon ab, ob eine gute Schulleitung das Thema früh vorangetrieben habe.

Und was sagen Lehrkräfte zum Stand der Digitalisierung an den Schulen? Kathrin Staniek, die seit 15 Jahren am Werner-von-Siemens-Gymnasium in Bad Harzburg unterrichtet, sagt, der Digitalpakt starte gerade erst. „Welche Schule ist wie weit, wer macht was? Das ist ein Flickenteppich.“

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