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Auf dem Schleudersitz: Pistorius löst Lambrecht ab – doch wer ist der neue Verteidigungsminister?

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Von: Katja Thorwarth

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Boris Pistorius tritt die Nachfolge von Verteidigungsministerin Lambrecht (beide SPD) an. Was zeichnet den niedersächsischen Innenminister aus? Und wer ist er?

Berlin – Am gestrigen Montag erst hatte die viel kritisierte SPD-Politikerin Christine Lambrecht ihren Rücktritt als Verteidigungsministerin schriftlich verkündet. Bundeskanzler Olaf Scholz versprach die rasche Ernennung eines Nachfolgers – und löste die Ankündigung bereits einen Tag später ein. Am Dienstag, um 10 Uhr, vermeldeten die ersten Agenturen, dass der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius neuer Verteidigungsminister wird. Das ist insofern überraschend, als dass Scholz stets die Bedeutung der Parität im Kabinett betont hatte.

Neuer Verteidigungsminister: Boris Pistorius aus Niedersachsen wird Nachfolger von Christine Lambrecht

Bislang waren mit Christine Lambrecht in der Ampel-Regierung acht Ministerposten mit Frauen besetzt und acht mit Männern. Hinzu kommt Kanzler Scholz. Nun liegt die Mehrheit mit 9 zu 7 bei den männlichen Ministern. Als heiße Kandidatin war die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Eva Högl, gehandelt worden, doch nun hat sich Genosse Pistorius, der im Vorfeld als Kandidat nicht diskutiert wurde, entgegen der Parität durchgesetzt, berichtet kreiszeitung.de.

Boris Pistorius (SPD) soll auf Lambrecht als Verteidigungsminister folgen.
Boris Pistorius (SPD) soll auf Lambrecht als Verteidigungsminister folgen. © Julian Stratenschulte/dpa

Boris Pistorius (SPD): Freundin, Familie, Trennung von Doris Schröder-Köpf – wer ist der Minister privat?

Der 62-jährige Boris Pistorius ist seit 2013 niedersächsischer Innenminister und wurde nach der Landtagswahl 2022 im Amt bestätigt. Der gebürtige Niedersachse, der bereits mit 16 in die SPD eintrat und durch seine sozialdemokratische Mutter geprägt sein dürfte, leistete zunächst den Wehrdienst ab, bevor er in Westfalen Jura studierte. Von 2006 bis 2013 war er Oberbürgermeister in Osnabrück. Pistorius war verheiratet mit der SPD-Landtagsabgeordneten Ursula Pistorius und hat mit ihr zwei Töchter. Seine Frau starb 2015 an den Folgen von Krebs. Zuletzt war Pistorius mit der früheren Kanzlergattin von Gerhard Schröder, Doris Schröder-Köpf, liiert. Doch das Paar trennte sich im vergangenen Herbst, wie die Politikerin bestätigte.

Von Niedersachsen in die Bundespolitik: Boris Pistorius gilt als durchsetzungsstark

Auf Bundesebene trat Pistorius politisch immer wieder in Erscheinung. 2017 zeichnete er im Bundestagswahlkampf für die Innenpolitik der SPD verantwortlich und erlangte dadurch große Aufmerksamkeit, als er eine Abschiebeanordnung gegen zwei in Deutschland geborene „islamistische Gefährder“ verhängte – obwohl diese noch gar keine Straftat begangen hatten.

Aus Beobachterkreisen heißt es, der als pragmatisch und durchsetzungsstark geltende Pistorius habe sich bei den Innenministerkonferenzen gerne mit Konservativen wie dem früheren Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) gestritten. Ihm wird nachgesagt, schlagfertig, aber nie respektlos zu sein. An anderer Stelle vertrat er aber teils auch eine Politik, die ihm durchaus Applaus von der konservativen Gegenseite einbrachte.

Boris Pistorius wird Verteidigungsminister: Der Posten gilt als Karrierekiller

Immer wieder wurden Pistorius Ambitionen für ein politisches Amt auf Bundesebene nachgesagt. Es gab beispielsweise Gerüchte, er könnte Bundesinnenminister werden, sollte Nancy Faeser bei der Landtagswahl in Hessen als SPD-Spitzenkandidatin antreten. Nun wurde der Posten des Verteidigungsministers früher vakant, und sicherlich spricht für Boris Pistorius auch sein Alter. Mit 62 Jahren kann ein Politiker schließlich entspannt das Chefbüro im Bendlerblock beziehen, das gemeinhin als Schleudersitz und damit als potenzieller Karrierekiller gilt. (ktho/dpa)  

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