Verstörende Momente

Der Anschlag in Bagdad versetzt den Helfern zu Beginn des Ramadan einen Schock

Von GREGOR MAYER (DPA)

Die Straße vor dem Hauptquartier des Roten Kreuzes in Bagdad bietet ein Bild der Verwüstung: brennende Autowracks, Staubwolken, Trümmer, dicker schwarzer Rauch, verstörte Verletzte. Eine apokalyptische Szene, die vergessen lässt, dass der Fastenmonat Ramadan begonnen hat, für die gläubigen Moslems eine Zeit der Besinnung, der Einkehr.

"Ich stand etwa 200 Meter entfernt, die Straße war noch ziemlich leer", berichtet der 31-jährige Hilfsarbeiter Selim Raschid, der um 8.30 Uhr auf ein Sammeltaxi wartete, das ihn zur Arbeit bringen sollte. "Ich sah einen Krankenwagen in Richtung Rotes Kreuz fahren, er begann einen Passat zu überholen. Dann wurde der Krankenwagen schneller und explodierte plötzlich." Er zeigte auf eine hohe Dattelpalme, etwa 20 Meter vom Gebäude entfernt, wo der Krankenwagen detoniert sei. Ein Selbstmordanschlag. Zwölf Menschen starben, zehn wurden verletzt, alle irakische Staatsbürger. Die internationalen Organisationen sind schon längst dazu übergegangen, die meisten ihrer ausländischen Mitarbeiter aus dem gefährlichen Land abzuziehen. Die Arbeit wird zumeist von Irakern gemacht, die zum Teil schon jahrelang für diese Organisationen tätig sind.

Viele der irakischen Rot-Kreuz-Mitarbeiter stehen mit einer Mischung aus Trauer und Schock vor der ramponierten Fassade ihrer Arbeitsstelle. "Ich war im Bus unterwegs, der mich zur Arbeit bringen sollte", erzählt Nadia Hamdan, seit vier Jahren Angestellte der Kommunikationsabteilung. "Ich hörte die Detonation. Ich bin schockiert." Zu diesem Zeitpunkt weiß sie sicher, dass ein irakischer Wachmann, den sie täglich grüßte, unter den Toten ist. "Wer tut so etwas?" fragt sie bitter. "Wir tun nichts anderes, als den Irakern zu helfen. Wem nützt so etwas?" Der Anschlag hätte noch verheerender ausfallen können. Viele Bedienstete waren wegen des Ramadan-Beginns zur Zeit der Explosion noch nicht zur Arbeit erschienen. Dass der Wagen mit der Sprengladung nicht weiter zum Gebäude vordringen konnte, war ebenfalls Glück.

Anders als die Einrichtungen der Amerikaner umstellen das Rot-Kreuz-Gebäude keine Betonsperrwände. Lediglich mit Sand gefüllte Ölfässer sollen Schutz bieten. Das Rote Kreuz empfinde sich als neutrale Organisation, die sich nicht von der Bevölkerung abkapseln will, betont Nadia Hamdan.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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