Verstimmung in Ankara hält an

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USA lassen türkische Soldaten frei / Kommission prüft Vorfall

ATHEN, 7. Juli. Die elf in Nordirak festgenommenen Offiziere und Unteroffiziere wurden am Montag von den US-Streitkräften aus Bagdad zu ihrem Standort in die nordirakische Stadt Suleimanijah zurückgebracht. Nach US-Darstellung hatten sie die Nacht in einem "Gästehaus" verbracht. Ihre Festnahme hatte in Ankara Verärgerung ausgelöst. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Sonntag in einem Telefonat mit US-Vizepräsident Dick Cheney die Freilassung der Soldaten gefordert. Hürriyet berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, Erdogan habe Cheney gewarnt, die USA seien dabei, "einen sehr wertvollen Verbündeten zu verlieren". Istanbuler Presseberichten zufolge zog der türkische Generalstab als Reaktion zwei Verbindungsoffiziere aus dem Nahost-Koordinationszentrum der US-Streitkräfte in Florida ab. Erdogan und Cheney vereinbarten die Bildung einer gemeinsamen Untersuchungskommission.

Die Hintergründe des Vorfalls blieben undurchsichtig. Die USA bestätigten die Festnahme erst am Sonntag, nannten aber keine Gründe. Aus diplomatischen Kreisen in Ankara war zu erfahren, die elf Soldaten und 13 mit ihnen festgenommenen irakischen Turkmenen stünden im Verdacht, einen Anschlag auf den kurdischen Gouverneur der nordirakischen Provinz Kirkuk geplant zu haben. Der türkische Außenminister Abdullah Gül wies dies als "Unsinn" zurück. Beobachter in Ankara interpretieren die Festnahme als "Warnung" an die Türkei, sich mit militärischen Aktivitäten in Nordirak zurückzuhalten.

In Irak wurden laut Agenturberichten erneut drei US-Soldaten getötet. Am Montag wurde nördlich von Bagdad ein Sprengsatz auf einen Militärkonvoi geworfen, dabei kam ein Soldat ums Leben. Am Sonntag eröffneten zwei Männer das Feuer auf einen anderen Konvoi und töteten einen Soldaten. Erst Stunden zuvor war der Tod eines weiteren Angehörigen der Ersten Panzerdivision in Bagdad bekannt geworden.

In Bagdad trat am Montag in Anwesenheit von US-Zivilverwalter Paul Bremer erstmals der neue Stadtrat zusammen.

Ägyptens Präsident Husni Mubarak und sein syrischer Amtskollege Baschar al-Assad forderten laut Agenturberichten ein rasches Ende der Besatzung in Irak. Nach einem Treffen in Kairo sagten die Politiker, eine gewählte Regierung müsse so schnell wie möglich die Arbeit aufnehmen.

Der US-Geheimdienst CIA hält das kürzlich vom arabischen Sender Al Dschasira veröffentlichte Tonband mit der vermeintlichen Stimme von Ex-Diktator Saddam Hussein für authentisch. Weil die Qualität schlecht sei, könne die Echtheit aber nicht mit absoluter Sicherheit nachgewiesen werden, sagte ein CIA-Sprecher.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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