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Souveränität geht anders: Sean Spicer.
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Souveränität geht anders: Sean Spicer.

Sean Spicers Holocaust-Vergleich

Versprecher auf Abwegen

  • Karl Doemens
    VonKarl Doemens
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Sean Spicer, offizieller Verlautbarer des Weißen Hauses und von Trump ungeliebter PR-Mann, versteigt sich zu einem bizarren Holocaust-Vergleich.

Der demokratische Kongressabgeordnete Adam Schiff konterte mit beißendem Spott: „Ich hätte nie gedacht, dass ich das sagen würde. Aber Sean Spicer sollte besser wieder über die Zuschauerzahlen bei der Amtseinführung fabulieren.“ Andere Reaktionen fielen drastischer aus. „Sean Spicer sollte rausgeschmissen werden“, forderte die Schauspielerin Barbra Streisand. Auch Steven Goldstein, der Chef des Anne Frank Centers, verlangte von US-Präsident Donald Trump: „Feuern Sie Ihren nationalen Schandfleck!“

Trumps oft angespannt und unsicher wirkender Sprecher hatte in der Pressekonferenz des Weißen Hauses am Dienstag ungeheuerliche Behauptungen aufgestellt. Spürbar bemüht, die Gräueltaten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad herauszustreichen, sagte er: „Selbst eine so verabscheuungswürdige Person wie Hitler ist nicht so tief gesunken, chemische Waffen zu benutzen.“

Die anwesenden Korrespondenten reagierten verwundert. „Er hat das Gas nicht gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt, wie es Assad tut“, stammelte Spicer auf Nachfragen: „Er brachte sie in die Holocaust-Center.“ Augenzeugen berichten, den Mitarbeitern der Pressestelle im Briefing Room seien die Kinnladen heruntergefallen. Schnell wurde eine schriftliche Erklärung vorbereitet: „In keiner Weise wollte ich die grauenhafte Natur des Holocaust kleinreden“, versicherte der PR-Mann. Kurz darauf verschickte Spicer eine zweite Version – dieses Mal mit dem Zusatz: „Jeder Angriff auf unschuldige Menschen ist verwerflich und unentschuldbar.“ Eine politische Plattitüde.

Tatsächlich hatte Spicer mit seinem wirren Vergleich mindestens vier Fehler gemacht. Bereits die These, Assad sei schlimmer als Hitler, klingt einigermaßen gewagt. Dann vergaß Trumps Sprecher im ersten Anlauf schlichtweg die Gaskammern der Nazis. Später fiel ihm die Bezeichnung „Konzentrationslager“ nicht ein, und er flüchtete sich in die euphemistische Umschreibung „Holocaust-Center“. Vor allem aber unterstellt sein Verweis auf die „eigene Bevölkerung“, dass die Ermordung von sechs Millionen europäischen Juden weniger schwer wiegt – ganz abgesehen davon, dass auch deutsche Juden, Schwule und Behinderte ermordet wurden.

Der missratene historische Rückgriff ausgerechnet am Passah-Fest, dem höchsten jüdischen Feiertag in den USA, ließ die Empörungswogen im Netz hochschlagen. Das Holocaust Memorial Museum in Washington twitterte ein Video mit Aufnahmen von der Befreiung des KZ Buchenwald durch amerikanische Truppen. Zahlreiche Rücktrittsforderungen wurden erhoben. Allerdings ist unklar, ob Spicers Äußerungen auf einer latenten Judenfeindlichkeit oder auf schlichter Dummheit beruhen. Zwar gibt es in Trumps Umgebung offensichtlich eine mangelnde Sensibilität für antisemitische Tendenzen. Dennoch neigt die Mehrzahl der Beobachter zu der Auffassung, dass Spicers Äußerungen eher aus seiner Ignoranz und Überforderung entsprungen sind.

So sprach Spicer in derselben Pressekonferenz den Namen von Assad falsch aus und nannte Iran, dessen politische Ordnung intakt ist, einen „gefallenen Staat“. Nachdem die öffentliche Kritik immer lauter wurde, entschuldigte sich Spicer am Abend im Sender CNN: „Ich habe fälschlicherweise einen unangebrachten und unsensiblen Bezug zum Holocaust hergestellt.“ Mit einem peinlichen Versprecher schoss er kurz darauf den nächsten Bock: „Ich will in keiner Weise von den Bemühungen des Präsidenten ablenken, die Region zu destabilisieren“, sagte Spicer, ohne die brisante Silbe zu bemerken.

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