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Verschwörungstheorien: Deutsche werden anfälliger für russische Propaganda

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Von: Moritz Serif

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Pia Lamberty bei der Bundespressekonferenz zur Jahresbilanz rechte Gewalt 2021 und Coronaleugner-Gewalt im Haus der Bun
Pia Lamberty, Sozialpsychologin, ist Co-Autorin der Studie. © IMAGO/Frederic Kern

Bereits im August warnte der Verfassungsschutz vor russischen Verschwörungstheorien. Nun zeigt eine Studie, dass die Warnungen berechtigt sind.

Berlin/Moskau – Die Menschen in Deutschland werden empfänglicher für russische Propaganda. Die Aussage, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sei eine alternativlose Reaktion Russlands auf Provokationen der Nato, erhielt in der repräsentativen Studie des Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) einen Zuspruch von 19 Prozent. 21 Prozent der Befragten stimmten der Aussage demnach teilweise zu. Zum Vergleich: Im April lagen die Werte noch bei 12 Prozent Zustimmung und 17 Prozent partieller Bejahung.

Co-Autorin Pia Lamberty stellte einige Ergebnisse der Erhebung in einer Online-Schalte mit Opferberatungsstellen aus Sachsen und Thüringen vor. Dabei zeigte sich, dass die russische Propaganda in Ostdeutschland offenbar stärker verfängt als im Westen. So stimmten der Aussage, die Nato habe Russland provoziert, im Osten etwa ein Drittel der Befragten zu, während der Wert im Westen nur bei 16 Prozent lag.

Russische Propaganda: Menschen im Osten stimmen Verschwörungstheorien häufiger zu

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der Verschwörungsaussage, der russische Präsident Wladimir Putin gehe gegen eine globale Elite vor, die im Hintergrund die Fäden ziehe: 27 Prozent im Osten stimmten dem zu, aber nur 16 Prozent im Westen. Die Befragung wurde vom 3. bis 11. Oktober vom Marktforschungsinstitut Bilendi & respondi durchgeführt. An der Studie nahmen insgesamt 2228 Menschen zwischen 18 und 90 Jahren teil.

Die Studienautor:innen weisen darauf hin, dass es sich um ein aktuelles Stimmungsbild handele. „Und dieses erscheint vor dem Hintergrund der Zunahme der Zustimmungswerte zu pro-russischen Verschwörungserzählungen innerhalb der deutschen Gesamtbevölkerung durchaus beunruhigend“, schreiben sie in ihrer Studie. Sie fordern eine „tiefgreifende gesellschaftliche Debatte zu der Frage, wie der zunehmenden Flut an Desinformationskampagnen begegnet werden kann“.

Verfassungsschutz: „Russische Propaganda wird noch zunehmen“

Russische Propaganda wird im extremistischen Milieu voraussichtlich noch zunehmen und Verschwörungsnarrative befeuern, mit dem Ziel, einen Keil in unsere Gesellschaft zu treiben“, kündigte der Verfassungsschutz bereits im August an. Außerdem sei es wahrscheinlich, dass der russische Staat „seine politischen und militärischen Aufklärungsversuche weiter verstärken und anpassen wird“. (mse)

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