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Wie dieser Bombentrichter aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Oberland der Nordseeinsel Helgoland sind auch heute noch, 60 Jahre nach Kriegsende, viele Spuren als stumme Zeitzeugen im Landschaftsbild der einzigen deutschen Hochseeinsel zu erkennen (Foto vom 09.05.2002). Am 18. April 1945 wurde Helgoland von fast 1000 britsichen Bombern angegriffen und völlig zerstört. Unter den 3000 Helgoländern und Soldaten gab es trotz umfangreicher Bunkersysteme im roten Felsen zahlreiche Tote. Anschließend wurde die verwüstete Insel evakuiert und ihre Bewohner über ganz Norddeutschland verteilt.
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Wie dieser Bombentrichter aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Oberland der Nordseeinsel Helgoland sind auch heute noch, 60 Jahre nach Kriegsende, viele Spuren als stumme Zeitzeugen im Landschaftsbild der einzigen deutschen Hochseeinsel zu erkennen (Foto vom 09.05.2002). Am 18. April 1945 wurde Helgoland von fast 1000 britsichen Bombern angegriffen und völlig zerstört. Unter den 3000 Helgoländern und Soldaten gab es trotz umfangreicher Bunkersysteme im roten Felsen zahlreiche Tote. Anschließend wurde die verwüstete Insel evakuiert und ihre Bewohner über ganz Norddeutschland verteilt.

Verschwörung auf der "Festung Helgoland"

Eine Meuterei sollte die Insel vor dem Bombenhagel der Briten rettenEin geheimnisvoller Funkspruch geht Anfang 1945 durch den Äther: Ein deutsches U-Boot hat das Signal zufällig in der Nordsee aufgefangen und als Absender eine unbekannte Sendestation auf Helgoland gepeilt. Zeitzeugen vermuten heute, dass dort deutsche Verschwörer gegen Ende des Zweiten Weltkriegs heimlich Kontakt mit den Briten suchten, um die Insel kampflos zu übergeben.

Von HANS-CHRISTIAN WÖSTE (HELGOLAND/CUXHAVEN, DPA)

Ein geheimnisvoller Funkspruch geht Anfang 1945 durch den Äther: Ein deutsches U-Boot hat das Signal zufällig in der Nordsee aufgefangen und als Absender eine unbekannte Sendestation auf Helgoland gepeilt. Zeitzeugen vermuten heute, dass dort deutsche Verschwörer gegen Ende des Zweiten Weltkriegs heimlich Kontakt mit den Briten suchten, um die Insel kampflos zu übergeben.

So sollte die Zerstörung der stark bewaffneten "Festung Helgoland" bei einem Luftangriff verhindert werden. Doch die geplante Meuterei fliegt auf. 15 Beteiligte werden am frühen Morgen des 18. April 1945 verhaftet und sieben von ihnen später auf dem Festland erschossen. Wenige Stunden nach der Festnahme der Verschwörer geht die Insel am Mittag im Bombenhagel britischer Flugzeuge in Flammen auf.

Der Helgoländer Benno Krebs (66) ist der wenig bekannten Tragödie nachgegangen und hat über viele Jahre versucht, Details zu den Hintergründen zu sammeln. "Doch bis heute sind viele Umstände immer noch ungeklärt", sagt Krebs, der dazu weder deutsche noch englische Unterlagen gefunden hat.

Der Meuterei fliegt auf

Nach den spärlichen Berichten von Zeugen gehörte der Nazi-kritische Helgoländer Erich Friedrichs zu der Meuterer-Gruppe aus zehn Soldaten und fünf Zivilisten. Friedrichs, auch Erk Fink genannt, soll über Funkkontakte eine vage Zusage der Briten erreicht haben, dass die Bevölkerung nach einer friedlichen Übergabe der Insel dort bleiben könne.

Doch die misstrauische deutsche Abwehr fängt am 17. April diesen Funkspruch ab. Am frühen Morgen des nächsten Tages landet ein Wasserflugzeug mit Gestapo-Beamten aus Cuxhaven zwischen der Insel und der Düne. Eine Ausgangssperre wird verhängt. Die Meuterer werden festgenommen. Angeblich sollen sie geplant haben, die deutschen Soldaten bis zum Eintreffen der Briten in Schach zu halten. Unklar ist jedoch, wie dies gelingen sollte. Spekulationen gehen dahin, dass die Meuterer einen Fliegeralarm vortäuschen und später die Eingänge zu den Luftschutzbunkern sprengen wollten. Dadurch wollten sie ein Vorgehen gegen die Verschwörung verhindern.

Briten machen Helgoland dem Erdboden gleich

"Aktion misslungen - Helgoland sofort angreifen" lautet am 18. April um 10.00 Uhr der letzte, unverschlüsselte Funkspruch des Geheimsenders an die Briten. Zwei Stunden später werfen fast 1000 Bomber ihre tödliche Last ab und machen die Insel dem Erdboden gleich. Unter den 3000 Helgoländern und Soldaten gibt es viele Tote und Verwundete. "Es war albtraumhaft", erinnert sich die Insulanerin Erni Rickmers, "zwei Tage durften wir die Bunker nicht verlassen".

Später wird die Insel evakuiert, ihre Bewohner werden über ganz Norddeutschland verstreut. Nach Kriegsende nutzen die Briten das Eiland als Bombenabwurfübungsplatz und verwüsten es endgültig. Erst im März 1952 dürfen die Helgoländer zurückkehren.

"Ich bin der Überzeugung, dass der Angriff mit der Verschwörung in Zusammenhang gebracht werden muss", schrieb Benno Krebs später in seinen Erinnerungen "Verwehte Spuren". Erk Fink sei jedenfalls mit seinem Mut und seiner Standfestigkeit ein hohes Risiko eingegangen.

Als Fink und seine Mitstreiter am 21. April 1945 in Cuxhaven standrechtlich erschossen wurden, sollen seine letzten Worte gewesen sein: "Nieder mit den Schreckensregimentern!"

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