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Aus einem provisorischen Krankenhaus in Wuhan wurden am Sonntag die letzten Patienten geheilt entlassen.

China

Vermehrt Gewalt gegen Frauen

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Quarantäne hat Folgen für Chinesinnen.

Nach dem Ausbruch des Coronavirus öffneten die Standesämter in der zentralchinesischen Metropole Xi’an vor einer Woche erstmals wieder ihre Pforten – und verzeichnen seitdem einen enormen Andrang. Die Termine für Anträge auf Scheidungen seien in einigen Ämtern bis auf Wochen ausgebucht, berichtet die Zeitung „Global Times“. „Als Folge der Epidemie hocken viele Paare über einen Monat ununterbrochen zu Hause aufeinander, was viele unterschwellige Konflikte hervorbringt“, wird ein örtlicher Beamter zitiert.

Am Montag vermeldete der Gesundheitsausschuss in Peking mit landesweit 40 Neuinfektionen innerhalb der vergangenen 24 Stunden den bisher niedrigsten Wert seit Mitte Januar. Zwar sind mit mehr als 80 700 Menschen noch immer die meisten Infizierten in der Volksrepublik beheimatet; dennoch scheint die Epidemie weitgehend unter Kontrolle zu sein.

Allerdings kommt es in Folge des Virusausbruchs offenbar vermehrt zu Partnerschaftsgewalt, wie Frauenrechtsaktivistinnen und -aktivisten berichten. Laut der Pekinger Frauenrechtsorganisation „Weiping“ meldeten sich dreimal so viele Frauen wie noch vor der von den Behörden verhängten Quarantäne. Die reicht von Hausarresten bis hin zu Reiseverboten, rund die Hälfte der 1,4 Milliarden Chinesinnen und Chinesen ist davon betroffen.

Die BBC zitiert die Aktivistin Guo Jing aus dem Virus-Epizentrum Wuhan, wonach sich viele junge Chinesinnen in verzweifelten Telefonanrufen an sie wenden: Sie berichteten von gewalttätigen Vätern und Ehemännern, doch wüssten sie nicht, an wen sie sich wenden könnten. Andere Frauenrechtlerinnen erzählen laut Medienberichten von „gefangenen“ Ehefrauen: Aufgrund der Quarantänebestimmungen und Reisebeschränkungen könnten sie nicht bei ihren Verwandten oder Bekannten Unterschlupf suchen.

„Seitdem das Virus ausgebrochen ist, rufen Frauen doppelt so oft bei der Polizei an wie zuvor. Fast alle Fälle häuslicher Gewalt haben indirekt auch mit dem Virus zu tun“, postet Wan Fei, pensionierter Polizeibeamter und Gründer einer Frauenrechtsorganisation, in dem sozialen Netzwerk „Weibo“. In vielen Wohnsiedlungen hängen Anwohner Infozettel an die schwarzen Bretter, um vor Partnerschaftsgewalt zu warnen. Bei „Weibo“ kommentiert ein Nutzer: „Durchschnittlich alle 7,4 Sekunden wird eine Frau in China von ihrem Ehemann geschlagen. Allein die Daten beweisen, dass häusliche Gewalt ‚tödlicher‘ ist als das Virus selbst.“

Laut offizieller Statistiken von 2016 haben 30 Prozent aller verheirateten Chinesinnen in 270 Millionen Familien schon einmal Gewalt in den eigenen vier Wänden erlitten. Im selben Jahr erließ die Volksrepublik ein Gesetz zum Schutz vor häuslicher Gewalt: Erstmals wurde Partnerschaftsgewalt als Straftat anerkannt.

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