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Putin feuert Sündenböcke aus der Militärführung - wegen Verlusten im Ukraine-Krieg?

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Von: Bona Hyun

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Kreml-Chef Putin mit Verteidigungsminister Schoigu und russische Soldaten
Verluste im Ukraine-Krieg: Putin unterzeichnet ein Dekret, um ranghohe Offiziere zu feuern. © Alexei Nikolsky/dpa

Für die Verluste im Ukraine-Krieg macht Putin ranghohe Militäroffiziere verantwortlich. Per Dekret entlässt der Kreml-Chef offenbar seine Sündenböcke.

Moskau – Kreml-Chef Wladimir Putin hat bereits einige ranghohe Offiziere entlassen. Offenbar will Putin aufgrund der hohen Verluste seiner Armee stärker durchgreifen – und macht die Militärführung für Probleme verantwortlich. Für die Entlassung seiner Offiziere soll er einen Erlass für eine Reihe militärischer Befehlsänderungen unterzeichnet haben.  

Verluste im Ukraine-Krieg: Putin hat wohl erneut ranghohe Offiziere entlassen

Viele Entlassungen sind laut dem Institute Study of War auf katastrophale Offensiven der Militärführer in Kriegsgebieten zurückzuführen. Militärblogger spekulieren, dass Putin deshalb am 20. April den Befehlshaber des östlichen Militärdistrikts, Generaloberst Rustam Muradow, entlassen hat. Muradows desaströse Offensive auf Wuhledar habe viele Opfer unter den russischen Soldaten und den Verlust zahlreicher militärischer Ausrüstung zur Folge gehabt. Putin soll auch ein Dekret unterzeichnet haben, das den russischen Armeegeneral Alexander Dwornikow damals zum Rücktritt zwang.

Militärblogger schrieben laut ISW, Putin habe zudem den ehemaligen Befehlshaber des westlichen Militärbezirks, Generaloberst Alexander Schurawljow, in den Ruhestand versetzt, ebenso wie andere ungenannte Befehlshaber. Medienberichten zufolge hat der Kreml-Chef vor einigen Tagen ebenfalls den hohen Admiral Sergei Awakjanz, Kommandeur der russischen Pazifikflotte, entlassen. Dieser habe sich geweigert, seine Matrosen in den Krieg gegen die Ukraine zu schicken, damit sie nicht wie russische Soldaten als Kanonenfutter herhalten müssen. Dass dies tatsächlich der Entlassungsgrund war, ließ sich nicht bestätigen.

Der Kreml verlässt sich laut ISW nun auf den neu ernannten Kommandeur der russischen Luftlandetruppen, Generaloberst Michail Teplinski. Teplinskis mutmaßliche Rückkehr hatte für Aufsehen gesorgt. Er war zuvor aufgrund von Meinungsverschiedenheiten entlassen worden. Militärexperten vermuteten, dass die Rückkehr Teplinskis zur Kriegsfront ein Indiz auf eine engere Zusammenarbeit mit Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin sei.

Putins Sündenbock Schoigu: Verteidigungsminister bald „demontiert“?

Auch Verteidigungsminister Sergei Schoigu war häufig als mutmaßlicher „Sündenbock“ in Putins gehandelt worden. ISW-Experten analysierten bereits vergangenes Jahr, dass Putin Schoigu für die Schwierigkeiten im Ukraine-Konflikt verantwortlich mache. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der russischen Staatsduma, Generaloberst Andrej Kartapolow soll Schoigu ebenfalls indirekt kritisiert haben.

Kartapolow sagte, alle Russen wüssten, dass das Verteidigungsministerium lüge und damit aufhören müsse, aber diese Botschaft erreiche „einzelne Führungspersönlichkeiten“ nicht – offenbar ein Seitenhieb gegen Schoigu. Ein russischer Militärblogger behauptete laut dem ISW, Kartapolows Kommentare zeigten, dass Schoigu „demontiert“ und bald „als Hauptschuldiger“ für Russlands militärische Misserfolge anerkannt werde.

Russische Offensive laut Einschätzung von Experten wohl vor dem Scheitern

Die Chancen für eine erfolgreiche Offensive der russischen Truppen stehen wohl ohnehin schlecht. Die jüngste Entwicklung deute auf einen Kontrollverlust der russischen Einheiten hin. Demnach könnten sich die russischen Besatzer nur noch auf Städte konzentrieren.

Die Experten des ISW gehen zudem davon aus, dass das russische Militär mit Empfehlungen, sich auf eine Verteidigung von Stellungen zu konzentrieren, nicht zu Kremlchef Putin durchdringt. Es gebe immer wieder verlustreiche Angriffe, die kaum Gebietsgewinne brächten. Den russischen Truppen gelinge es dadurch nicht, für die geplante ukrainischen Großoffensive Kräfte zu sammeln. (bohy)

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