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Al Gore, ehemals US-Vizepräsident, ist ein Mann mit einer Mission.

Klimawandel

"Verlorene Zeit mit Trump"

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Aktivist Al Gore glaubt nicht an einen Kurswechsel des US-Präsidenten in der Klimapolitik. In Berlin stellt er seinen neuen Film vor.

Der Klimaaktivist Al Gore sieht keine Chance mehr, US-Präsident Donald Trump zu einem Kurswechsel in der Klimapolitik zu bewegen. Er glaube nicht, dass Trump überzeugt werden kann, doch im Paris-Klimavertrag zu bleiben. „Ich habe die Hoffnung aufgegeben“, sagte Gore am Dienstag in Berlin. Das weiter zu versuchen, sei „verlorene Zeit“. Trump fühle sich nur den Interessen der fossilen Energieindustrien verpflichtet. Er habe sich damit selbst isoliert.

Gore verhandelte das Kyoto-Protokoll

Gore stellte in Berlin seinen neuen Klimafilm „Immer noch eine unbequeme Wahrheit – die Zeit läuft“ vor. In der Amtszeit von US-Präsident Bill Clinton war er dessen Vize gewesen; 1997 verhandelte er für die USA das Kyoto-Protokoll, den ersten Klimavertrag, der die Industrieländer zu Emissionsminderungen verpflichtete. Im Jahr 2000 verlor er die Präsidentschaftswahl gegen George Bush jr. und widmete sich danach in Vortragsreisen und Schulungen ganz der Aufklärung über den Klimawandel.

2007 erhielt Gore für den Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ zusammen mit dem UN-Klimarat IPCC den Friedensnobelpreis.

Sein neuer Streifen, der am 7. September in die Kinos kommt, beleuchtet den aktuellen Stand der Klimaforschung und die Chancen, das Zwei-Grad-Erwärmungslimit noch einzuhalten. Gore zeigt die politischen Erfolge und Rückschläge, darunter den Pariser Klimagipfel von 2015 und die Wahl des Klimaskeptikers Trump zum US-Präsidenten.

In der vergangenen Woche haben die USA das UN-Klimasekretariat offiziell über ihren Austritt aus dem Paris-Vertrag informiert. Allerdings lässt Washington die Möglichkeit einer Rückkehr offen, sollten sich die Bedingungen für die USA verbessern, wie es aus dem Außenministerium hieß. Gore unterstrich, dass die USA insgesamt trotz des Gegenkurses der Trump-Administration an den Zielen des Abkommens festhielten. Er verwies darauf, dass sich eine ganze Reihe von Bundesstaaten und Städten dazu verpflichtet hätten. Möglich sei das unter anderem durch die rasante Verbilligung der erneuerbaren Energien, die zudem viele neue Arbeitsplätze schaffe. „Die Zahl der Jobs in der amerikanischen Solar-Industrie wächst 17 Mal schneller als in der Wirtschaft insgesamt“, sagte Gore. Trumps Versuch, die Kohleindustrie wiederzubeleben, werde nicht funktionieren.

Gore lobte die Vorreiter-Rolle, die Deutschland bei der Einführung der Öko-Energien gehabt habe. „Deutschland war ein Modell für den Rest der Welt.“ Inzwischen sei die Bundesrepublik allerdings in einer schwierigen Übergangsphase, die weitere Fortschritte schwierig mache, unter anderem wegen des nach Fukushima beschleunigten Atomausstiegs. Die aktuelle Krise der deutschen Autoindustrie streifte er nur. Er sagte allerdings, dass die hiesigen Autokonzerne gute Chancen in der Elektromobilität hätten. Er habe von ihr Prototypen von E-Autos gesehen, die eine „Wahnsinns-Leistung“ brächten.

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