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Viele strenggläubige hatten soziale Kontakte nicht vermieden - jetzt sind sie krank.

Naher Osten

Verlass auf den Glauben

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Viele Strenggläubige in Israel sind krank.

Auf ihren frommen Glauben haben sich viele strengfromme Juden in der Corona-Krise verlassen – mit fatalen Folgen. Die Zahl der Covid-19-Infizierten unter ihnen ist um ein Vielfaches höher als im israelischen Durchschnitt. Am härtesten hat es die 27 000 Bewohner in Bnei Brak getroffen. Das größte ultraorthodoxe Viertel Tel Avivs wurde letzten Freitag zur Sperrzone erklärt.

Als Krisenmanager dienen nun zwei Generäle der Reserve. Seit Sonntag sind zudem sechs unbewaffnete Kompanien der israelischen Streitkräfte im Einsatz, um Bnei Brak mit Nahrung und Arzneien zu versorgen sowie die Evakuierung des Viertels von Corona-Erkrankten und Risikogruppen logistisch zu unterstützen. Die Regierung Benjamin Netanjahu erwägt ähnliche Maßnahmen für andere ultraorthodoxe Ballungsräume in Beit Schemesch, Modiin Illit und Mea Schearim, dem bekanntesten Stadtteil der „Haredim“, der schläfengelockten „Gottesfürchtigen“, in Jerusalem.

Die Ultraorthodoxen machen in der israelischen Bevölkerung kaum mehr als zehn Prozent aus. Aber auf manchen Intensivstationen soll fast jeder zweite Corona-Patient zu ihnen gehören. Allzu lange hatten sie die Regierungsinstruktionen, soziale Kontakte zu vermeiden, ignoriert – nicht nur, weil ihre kinderreichen Familien in beengten Wohnverhältnissen leben. Noch vor einer Woche nahmen Hunderte Haredim an einem Begräbnis in Bnei Brak teil, obwohl die erlaubte Höchstzahl derzeit auf 20 beschränkt ist. In Mea Schearim wiederum sah sich eine Ambulanz, die Samstagnacht Corona-Tests einsammeln wollte, einem Steinhagel von Anwohnern ausgesetzt.

Schuld an dem Verhalten trägt nicht zuletzt Gesundheitsminister Jacov Litzman, Mitglied der Thora-Partei. Er hatte seiner strengfrommen Klientel mehrfach Ausnahmen gestattet: Synagogen etwa ließ er offen, als Schulen längst geschlossen waren.

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