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Überlebende flüchten aus der Imam-Ali-Moschee in der irakischen Stadt Nadschaf unmittelbar nach dem schweren Autobombenanschlag.
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Überlebende flüchten aus der Imam-Ali-Moschee in der irakischen Stadt Nadschaf unmittelbar nach dem schweren Autobombenanschlag.

Verheerende Bombe tötet Schiitenführer

Mehr als 75 Todesopfer bei Anschlag auf irakische Moschee / Hintergründe der Tat unklarEin weiteres schweres Attentat hat Irak erschüttert und die Lage im Land weiter destabilisiert. Bei der Explosion einer Autobombe in der Stadt Nadschaf ist am Freitag der einflussreiche Schiitenführer Ayatollah Mohammed Bakir al-Hakim getötet worden.

AMMAN/ BAGDAD, 29. August (dpa/ap/rtr). Der Sprengsatz explodierte nach Angaben von Augenzeugen nach dem Freitagsgebet nahe der Imam-Ali-Moschee in Nadschaf, eine der heiligsten Stätte der Schiiten. Die Gläubigen seien dabei gewesen, die Moschee zu verlassen, berichtete ein Sprecher des Obersten Rates für die Islamische Revolution in Irak (Sciri). Unter den Opfern befand sich auch der 64 Jahre alte Sciri-Vorsitzende Ayatollah Bakir al-Hakim sowie mehrere seiner Leibwächter. Als Bakir al-Hakim in Begleitung seiner Beschützer nach dem Freitagsgebet die Moschee in Nadschaf verlassen habe, seien zwei Autos in die Luft geflogen, berichtete sein Neffe Mohsen al-Hakim. "Es war eine Autobombe." Krankenhäuser gaben die Zahl der Todesopfer mit mindestens 75 an. Mindestens 140 Menschen seien verletzt worden. Es wurde erwartet, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigt.

Ein US-Militärsprecher bestätigte die Explosion. "Es waren keine Soldaten der Allianz in dem Gebiet oder vor Ort, weil der Boden als heilig gilt", sagte er. Mohsen al-Hakim warf den US-Truppen vor, Geistliche und Heiligtümer der Schiiten nicht ausreichend zu schützen. "Wir haben den Alliierten vor langer Zeit, als ich im Mai und Juni in Bagdad war, vorgeschlagen, eine gesonderte Sicherheitsorganisation zum Schutz der heiligen Stätten und der Kleriker zu schaffen." Die Besatzungstruppen seien darauf aber nicht eingegangen.

Über die Hintergründe der Tat wurde zunächst nichts bekannt. Der irakische Politiker Achmed Chalabi, Mitglied des provisorischen Regierungsrats in Bagdad, machte Getreue des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein für den Anschlag verantwortlich. Den US-Truppen warf auch Chalabi vor, nicht ausreichend für die Sicherheit der Region gesorgt zu haben.

US-Zivilverwalter Paul Bremer verurteilte den Anschlag in Nadschaf scharf. Er versprach die Hilfe der alliierten Truppen bei der Aufklärung des Verbrechens. Die Feinde eines neuen Iraks schreckten vor nichts mehr zurück, heißt es in einer am Freitag in Bagdad verbreiteten Erklärung Bremers. Erneut seien unschuldige Iraker getötet und eine der heiligsten Plätze des Islam geschändet worden. Die alliierten Truppen würden der irakischen Polizei alle Unterstützung bei der Aufklärung des Verbrechens geben, damit die Täter ihre gerechte Strafe bekämen. Einige Sciri-Anhänger bezichtigten allerdings rivalisierende schiitische Gruppen der Tat.

Die anhaltende Gewalt gegen US-Truppen kostete am Freitag erneut einen Soldaten das Leben, vier weitere wurden verwundet. Bei dem Angriff in Bakuba wurde ein Nachschubkonvoi beschossen. Ein weiterer US-Konvoi wurde in Falludschah angegriffen, zwei Soldaten dabei verletzt.

Auch in der Nähe des Hauptquartiers der britischen Truppen in Basra gab es eine heftige Explosion, bei der niemand getötet oder verletzt wurde. Ein britischer Militärsprecher sagte, es sei zu früh darüber zu diskutieren, ob es sich um einen terroristischen Anschlag handele.

Der Polizeichef in Tikrit, Talab Schamel Ahmed, entging auf der Straße von Samara nach Tikrit nur knapp einem Attentat, teilte die US-Armee mit. Er blieb unverletzt, sein Fahrer wurde schwer verletzt.

Bereits am Sonntag waren bei einem Anschlag in Nadschaf drei Menschen getötet und zehn verletzt worden. Bei einem Selbstmordanschlag auf das Hauptquartier der Vereinten Nationen (UN) in Bagdad waren vergangene Woche 22 Menschen getötet worden, darunter auch der UN-Sonderbeauftragte Sergio Vieira de Mello.

Führende Mitglieder des Weltsicherheitsrats forderten die Vereinigten Staaten unterdessen auf, mehr Macht an die Iraker selbst und an die UN abzugeben. Auch der französische Staatspräsident Jacques Chirac mahnte eine zentrale Rolle der UN in Irak an und warnte vor einem Abgleiten des Landes ins Chaos. EU-Ratspräsident Silvio Berlusconi sprach sich bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf Sardinien für eine neue Resolution der UN aus, um ein umfassendes internationales Engagement in Irak zu ermöglichen.

UN-Generalsekretär Kofi Annan verurteilte den Bombenanschlag scharf, ebenso Irans Präsident Mohammed Chatami. Der oberste geistliche Führer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, ordnete eine dreitägige landesweite Trauer fürHakim an,der im April nach 23 Jahren im Teheraner Exil in seine irakische Heimat zurückgekehrt war.

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