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Getreideabkommen ausgesetzt: Trotzdem verlassen zwei Frachtschiffe ukrainische Häfen

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Von: Caspar Felix Hoffmann, Daniel Dillmann, Vincent Büssow, Lucas Maier

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Russland setzt das Getreideabkommen mit der Ukraine aus. Getreidefrachter sollen trotzdem weiter über das Schwarze Meer ausfahren. Der Newsticker.

+++ 13.15 Uhr: Der Kreml nennt die ukrainischen Getreideexporte über das Schwarze Meer ohne russische Mitwirkung riskant. Wenn Russland sage, es könne die sichere Schifffahrt in diesem Seegebiet nicht garantieren, sei die internationale Vereinbarung über die Ausfuhren „nicht so leicht umzusetzen“. Das sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau nach Angaben russischer Agenturen. Die Getreideinitiative nehme dann „einen anderen Charakter an, viel riskanter, gefährlicher und ohne Garantie.“

Währenddessen will sich die Türkei darum bemühen, Russland zu einer Wiederaufnahme des Abkommens zu bewegen. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar will am Abend mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Schoigu diesbezüglich telefonieren.

Eine Luftaufnahme zeigt Schiffe am Ankerplatz des Südeingangs des Bosporus in Istanbul am 12. Oktober 2022.
Die UN, die Türkei wollen weiterhin den Export von ukrainischem Getreide möglich machen. Russland nennt dieses Vorhaben ohne die eigene Beteiligung „riskant“. (Archivbild) © Yasin Akgul/dpa

+++ 10.12 Uhr: Nach Russlands Abkehr von dem Getreideabkommen hat Verteidigungsministerin Christine Lambrecht scharfe Worte an Wladimir Putin gerichtet. Die Ärmsten der Armen dürfen nicht zu Geiseln von Putins Großmachtfantasien gemacht werden“, sagte die SPD-Politikerin am Montag (31. Oktober). Dass der russische Präsident das Abkommen ausgesetzt habe, sei an Zynismus kaum zu überbieten. „Russland setzt zusätzlich zu seinem brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine nun auch wieder den Hunger als Waffe ein. Das ist vollkommen inakzeptabel.“ Gleichzeitig begrüßte Lambrecht die Bemühungen der UN, die Getreidelieferungen fortzusetzen.

+++ 8.50 Uhr: Trotz der russischen Entscheidung, sich aus dem Getreide-Exportabkommen mit der Ukraine zurückzuziehen, haben zwei Frachtschiffe mit Getreide und anderen landwirtschaftlichen Produkten am Montag ukrainische Häfen verlassen. Nach Angaben der Tracking-Website Marine Traffic nutzten sie den humanitären Seekorridor in Richtung Türkei. Wie Russland inmitten der angespannten Situation reagieren wird, ist unklar. Die russischen Vertreter wollten sich auch nach dem Ausstieg aus dem Abkommen am Rande beteiligen, wenn die Getreideinitiative insgesamt rasche Entscheidungen treffen müsse.

Getreideabkommen ausgesetzt: Selenskyj äußert sich

Update vom Montag, 31. Oktober, 7.29 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat russische Entscheidungsträger als „kranke Menschen“ bezeichnet, die „die Welt wieder einmal an den Rand einer ernsthaften Ernährungskrise“ führten. In einer Videoansprache vom Sonntag machte er sich außerdem über Anschuldigungen aus Moskau lustig, denen zufolge die Ukraine Drohnenangriffe auf die Schwarzmeerflotte von einem Getreideschiff aus gestartet habe: „Jetzt sprechen sie von waffenfähigem Getreide. Ein Killer-Weizen, der russische Admirale ertränkt“, berichtet das Nachrichtenportal Pravda Ukrainska.

In Istanbul haben sich die Ukraine, die UN und die Türkei währenddessen darauf geeignet, die im Getreideabkommen vereinbarten Kontrollen ukrainischer Schiffe ohne Russland fortzusetzen. So sollen am Montag 40 Schiffe vor Istanbul abgefertigt werden. Am selben Tag will Moskau den Angriff, der als Begründung für die Aussetzung des Abkommens genannt wurde, vor den UN-Sicherheitsrat in New York bringen. Erst, wenn dieser Sachverhalt vollständig aufgeklärt ist, sei über eine Rückkehr in die Getreidevereinbarung zu reden, sagte Vizeaußenminister Andrej Rudenko.

+++ 22.51 Uhr: Trotz der russischen Aussetzung des Abkommens zum Export von Getreide aus der Ukraine sollen am Montag (1. November) weiter Schiffe über den Korridor im Schwarzen Meer ausfahren. Die Delegationen der Vereinten Nationen, der Türkei und der Ukraine hätten sich auf einen entsprechenden Plan geeinigt, heißt es in einer Mitteilung des Koordinierungszentrums in Istanbul.

Am Montag sollen demnach zwölf Schiffe durch den Korridor in Richtung Istanbul aufbrechen, vier in entgegengesetzte Richtung. Die russische Delegation sei darüber informiert worden.

+++ 21.08 Uhr: Aufgrund Russlands Ausstieg aus dem Getreideexportabkommen ist nach ukrainischen Angaben die Weiterfahrt von 218 Frachtschiffen blockiert. 22 Schiffe mit Agrargütern seien zurzeit bereit zum Auslaufen aus ukrainischen Häfen, teilt das Infrastrukturministerium mit. 95 weitere Schiffe hätten die Häfen bereits verlassen und warteten nun auf die abschließende Freigabe zur Weiterfahrt zu ihren Zielen. 101 leere Schiffe warteten zudem auf die Freigabe zum Einlaufen in ukrainische Häfen.

Russland kündigt Getreideabkommen: Russland erwartet Gespräche mit Vereinten Nationen und Türkei

+++ 20.02 Uhr: Russland erwartet für die nächsten Tage Gespräche mit den Vereinten Nationen und der Türkei über das ausgesetzte freie Geleit für ukrainische Getreideexporte im Schwarzen Meer. Das sagte Vizeaußenminister Andrej Rudenko in Moskau. Bevor aber an eine Rückkehr Russlands zu der Vereinbarung zu denken sei, müsse der Drohnenangriff auf die Schwarzmeerflotte aufgeklärt werden.

Die Türkei will sich für eine Fortsetzung des Getreideabkommens einsetzen. Die Verhandlungen mit den zuständigen Akteuren würden fortgesetzt, teilte das türkische Verteidigungsministerium mit.

Russland kündigt Getreideabkommen – Baerbock: „Millionen Menschen hungern“

+++ 18.24 Uhr: Außenministerin Annalena Baerbock hat Russland zur Einhaltung seiner Verpflichtungen aus dem Abkommen für ukrainische Getreideexporte über das Schwarze Meer aufgefordert. „Millionen Menschen auf der Welt hungern, und Russland stellt erneut die Sicherheit von Getreideschiffen zur Disposition. Das muss aufhören“, sagte die Grünen-Politikerin in Berlin.

„Ob Familien im Libanon, Niger oder Bangladesch ihre nächste Mahlzeit bezahlen können, darf nicht von den Kriegsplänen des russischen Präsidenten abhängen.“ Baerbock verwies darauf, dass Dutzende Schiffe aktuell auf dem Weg seien, um Getreide aus der Ukraine in andere Länder zu bringen.

Russland kündigt Getreideabkommen: Litauen fordert militärische Lösung

+++ 17.11 Uhr: „Verhandeln mit Russland funktioniert nicht“ – das ist die Einschätzung des litauischen Außenministers Gabrielius Landsbergis. Der 40-Jährige forderte eine militärische Lösung für den Export von Getreide aus der Ukraine, wie die ukrainische Nachrichtenseite Kyiv Independent schreibt.

„Putin bricht Vereinbarungen und erpresst uns alle“, so der Minister. Er sprach sich zuletzt für eine Durchsetzung der Exporte durch eine militärische Sicherung aus.

Russland kündigt Getreideabkommen: EU bezieht Stellung

+++ 17.08 Uhr: Nach der einseitigen Beendigung des Getreideabkommens durch Russland, hat auch die EU Stellung bezogen. „Die EU fordert Russland auf, seine Entscheidung rückgängig zu machen“, schrieb der EU-Vertreter für Außenpolitik, Josep Borrell Fontelles über Twitter.

Bezüglich des ausgesetzten Abkommens hat Borrell nach eigenen Angaben bereits mit António Guterres, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, über mögliche Maßnahmen gesprochen. Was konkret in dem Telefonat besprochen wurde, ist bisher nicht bekannt. Jedoch stellt Borrell klar: „Die EU wird ihren Teil dazu beitragen, der weltweiten Lebensmittelkrise entgegenzuwirken.“

Russland kündigt Getreideabkommen: „Hunger darf keine Waffe sein“

+++ 16.37 Uhr: Getreideexporte über das Schwarze Meer seien aufgrund der Blockade durch Russland derzeit unmöglich, warnte der ukrainische Minister für Infrastruktur, Oleksandr Kubrakow, am Sonntag (30. Oktober) über Twitter. „Die Welt sollte nicht den Launen Russlands ausgeliefert sein, Hunger darf keine Waffe sein“, schrieb er bereits am Samstag (29. Oktober) auf dem Kurznachrichtendienst.

Ebenfalls über Twitter berichtete Kubrakow davon, dass der Frachter Ikaria Angel die Ukraine nicht verlassen kann. Das Schiff ist mit 40 Tausend Tonnen Getreide beladen und sollte eigentlich nach Äthiopien fahren. Die Getreidelieferung ist Teil des UN-Welternährungsprogramms, wie pravda.ua schreibt. Der Minister wies zudem darauf hin, dass Äthiopien „am Rande einer Hungersnot stehe“.

Russland kündigt Getreideabkommen und erweitert Liste „unfreundlicher Staaten“

+++ 14.33 Uhr: Nach dem Aussetzen des Getreideabkommens durch Russland, hat sich nun der ukrainische Außenminister zu Wort gemeldet. Über Twitter ordnete Dmytro Kuleba das Verhalten von Russland aus seiner Sicht ein: „Gestern setzten sie Millionen Menschen dem Hungertod aus, heute ahmen sie Verhandlungsbereitschaft nach.“ Er warnte davor, sich von der russischen Strategie täuschen zu lassen.

Zudem äußerte der Politiker den Verdacht, dass Russland das Aussetzen des Getreideabkommens von langer Hand geplant hatte. „Durch die Aussetzung seiner Teilnahme am Getreideabkommen unter dem falschen Vorwand von Explosionen 220 Kilometer vom Getreidekorridor entfernt blockiert Russland 2 Millionen Tonnen Getreide auf 176 Schiffen, die bereits auf See sind – genug, um über 7 Millionen Menschen zu ernähren. Russland hat dies lange im Voraus geplant“, schreibt Kuleba am Sonntag (30. Oktober) auf Twitter.

Russland kündigt Getreideabkommen und erweitert Liste „unfreundlicher Staaten“

+++ 13.51 Uhr: Der Angriff auf die Schwarzmeerflotte im Hafen der Krim hat weitere Folgen. In der Folge des Angriffs hatte Russland das Getreideabkommen mit der Ukraine ausgesetzt. Jetzt wirft Moskau die Schuld des Angriffs, bei dem auch das russische Flaggschiff „Admiral Makarov“ schwer beschädigt worden sein soll, den Briten vor.

Russland macht Großbritannien nicht nur für den Angriff auf den Hafen der Krim verantwortlich, sondern ist ebenfalls der Auffassung, dass die Explosionen an Nord-Stream 1 und 2 durch britische Spezialeinheiten verursacht wurden. Doch es bleibt nicht nur bei Anschuldigungen. Als Reaktion hat Putin die Liste der „unfreundlichen“ Staaten um elf Regionen erweitert. Alle der Regionen gehören dem vereinten Königreich an, wie die staatliche Nachrichtenagentur aus Russland, RIA Novosti schreibt. Die Liste von „russlandfeindlichen“ Staaten, enthält nun alle 14 britischen Gebiete, wie die Agentur schreibt.

+++ 12.50 Uhr: Verhandlungen zwischen Moskau und Ankara über das Getreideabkommen würden aktuell in Form von Telefonaten geführt. Das meldet die staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti (Russland). „Die Situation sei kompliziert“, zitiert die Staatsagentur eine anonyme Quelle aus Kreisen der Regierung von Recep Tayyip Erdogan. Es werde auf allen Ebenen verhandelt. Eine offizielle Bestätigung von Verhandlungen gibt es von keiner Seite.

Die Aussetzung des Abkommens zur Auslieferung von Getreide mit der Ukraine trifft zunehmend auf Kritik. „Russland ist dringend aufgerufen, das Abkommen einzuhalten“, sagte Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) dem Tagesspiegel am Sonntag (30. Oktober). Das Verhalten von Russland sei „angesichts weltweit von Millionen Hungernden unverantwortlich“.

Kein Getreide-Export aus der Ukraine mehr? USA stellen Forderungen an Russland

+++ 10.57 Uhr: Die USA haben die Machthaber in Moskau aufgefordert, im Ukraine-Krieg zurück an den Verhandlungstisch zu kehren. Konkret kritisierte US-Außenminister Anthony Blinken die Entscheidung Russlands, das Getreideabkommen mit der Ukraine zu kündigen. „Russland setzt Nahrungsmittel erneut als Waffe in dem Krieg, den es begonnen hat“, so Blinken gegenüber Medienvertretern.

+++ 9.50 Uhr: Bei dem Drohnenangriff auf die russische Schwarzmeerflotte sollen vor allem unbemannte, ferngesteuerte Schnellboote zum Einsatz gekommen sein. Das teilt das britische Verteidigungsministerium mit. Bei derartigen Attacken würden Schnellboote mit Sprengstoff vollgeladen und dann auf Kollisionskurs mit dem Ziel gebracht werden. Mehrere russische Kriegsschiffe sollen so beschädigt worden sein. Moskau hat als Reaktion auf die Drohnenangriffe das Getreideabkommen mit der Ukraine für nichtig erklärt.

Russland kündigt nach Angriff auf Schwarzmeerflotte Getreideabkommen mit Ukraine

Update vom 30. Oktober, 08.50 Uhr: Das Ende des Getreideabkommens im Ukraine-Krieg löst in der Türkei offenbar Verwirrung aus. Man sei offiziell nicht darüber informiert worden, ließ Ankara gegenüber der Nachrichtenagentur AFP verlautbaren. Die Türkei spielt bei der Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine über das Schwarze Meer eine große Rolle. Schiffe aus ukrainischen Häfen müssen durch den Bosporus, die Meerenge bei Istanbul, kontrolliert von der Türkei.

Moskau hatte das Getreideabkommen mit der Ukraine für nichtig erklärt, nachdem die russische Schwarzmeerflotte von Drohnen attackiert worden war. Bei diesen Attacken sollen drei Schiffe schwer beschädigt worden sein. Darunter auch das Flagschiff der Flotte, die „Admiral Makarov“.

„Es gibt kein Verhandeln mit Russland“ - Getreideabkommen im Ukraine-Krieg ausgesetzt

Erstmeldung: Kiew - Russland hat angekündigt, erneute Getreidelieferungen aus der Ukraine zu blockieren. Das unter dem Dach der Vereinten Nationen vereinbarte Getreideabkommen zwischen Kiew und Moskau ist damit Geschichte. Die Entscheidung erfolgte nach einem massiven Drohnenangriff auf die russische Schwarzmeerflotte im Ukraine-Krieg.

Bei den Vereinten Nationen gibt man trotz heftiger Kämpfe im Ukraine-Krieg das Getreideabkommen zwischen Russland und der Ukraine noch nicht auf. „Wir stehen mit den russischen Behörden in dieser Sache in Kontakt“, sagte ein UN-Sprecher laut der Nachrichtenagentur dpa am Samstag in New York. Die Getreideausfuhr über die ukrainischen Schwarzmeerhäfen sichere Millionen von Menschen weltweit den Zugang zu Brot. „Es ist unerlässlich, dass alle Seiten jegliche Handlungen unterlassen, die das Getreideabkommen gefährden.“

News aus der Ukraine: Getreideabkommen ausgesetzt - Kritik an Russland

Kritik an der Entscheidung von Wladimir Putin, das Getreideabkommen mit der Ukraine auszusetzen, kam von mehreren Seiten. US-Außenminister Anthony Blinken warf Russland vor, „Nahrungsmittel erneut als Waffe in dem Krieg, den es begonnen hat“, einzusetzen. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte der russischen Seite schwere Vorwürfe. „Warum kann eine Handvoll Personen irgendwo im Kreml entscheiden, ob es Essen auf den Tischen der Menschen in Ägypten oder in Bangladesch geben wird?“, fragte Selenskyj in einer Videoansprache.

Russland kündigt Getreideabkommen - Litauen fordert Einsatz von Kriegsschiffen

Aus dem Kreml ist indes zu hören, dass das Getreideabkommen „bis auf Weiteres“ ausgesetzt sei und die Russische Föderation nicht länger für die Sicherheit ziviler Schiffe im Schwarzen Meer garantieren könne. Aus diesem Grund forderte nun unter anderem der litauische Außenminister die Verbündeten der Ukraine auf, Getreideexporte notfalls mit Militäreskorten im Schwarzen Meer und bis zum Bosporus zu schützen. „Verhandlungen mit Russland funktionieren nicht“, sagte Gabrielius Landsbergis und ergänzte: „Die freie Welt muss sich zusammenschließen und die Schifffahrt mit Militäreskorten schützen.“ (dil/dpa/afp)

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