Prinz Salman hat gut lachen: Der Weg für den Modernisierer ist praktisch frei.
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Nahost

Verhaftungswelle in Saudi-Arabien

  • Martin Gehlen
    vonMartin Gehlen
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Kronprinz Salman entledigt sich diverser potentieller Kritiker seiner Reformpläne. Unter den Inhaftierten ist auch der reichste Mann des Landes.

Das Vorgehen des Königshauses trägt Züge eines Shakespeare-Dramas. Noch nie in seiner Geschichte erlebte Saudi-Arabien eine solch spektakuläre Verhaftungs- und Entlassungswelle wie an diesem Wochenende. Mindestens elf Mitglieder der Königsfamilie, vier gegenwärtige und Dutzende ehemalige Minister wurden in der Nacht zu Sonntag festgenommen, darunter auch der reichste Mann des Landes, Prinz Al-Waleed bin Talal, dessen Vermögen auf 18 Milliarden Dollar geschätzt wird. Er besitzt Anteile an Twitter, Citigroup und Apple. Zu seinem Vermögen gehören auch Teile der Hotelketten Four Seasons, Fairmont und Mövenpick.

Privatflugzeuge im ganzen Land erhielten Startverbot, um die Flucht weiterer Gesuchter zu verhindern. Saudische Medien berichten, einige der 50 prominenten Gefangenen würden vorläufig im Hotel Ritz-Carlton in Riad festgehalten. Das Hotel ist seit Sonntag früh nicht mehr telefonisch erreichbar. Auch der langjährige Chef der Nationalgarde, Prinz Miteb, ein Sohn des 2015 verstorbenen Königs Abdullah, wurde entlassen und eingesperrt, zusammen mit seinem Bruder Prinz Turki, dem ehemaligen Gouverneur von Riad.

Handschrift von Kronprinz Mohammed bin Salman

Dieses rabiate Vorgehen trägt die Handschrift von Kronprinz Mohammed bin Salman, der in nächster Zeit seinen betagten Vater an der Spitze des Königreiches beerben will und weitreichende politische, soziale und wirtschaftliche Reformen plant. Im Vorfeld des geplanten Wechsels möchte der 32-Jährige offenbar möglichst viele interne Kritiker aus der Königsfamilie zum Schweigen bringen und den Einfluss der einheimischen Oligarchen beschneiden. Verhaftet wurden auch der Vorstandsvorsitzende der Bin-Laden-Gruppe (der vor allem im Baugewerbe tätige Clan, dem der einstige Al-Kaida-Chef entstammte), der frühere Chef des saudischen Staatsfonds und der ehemalige Generaldirektor von Saudi Arabian Airlines, außerdem die Chefs von drei großen saudischen TV-Sendern.

Wenige Stunden vor der Verhaftungsaktion dekretierte König Salman eine „Kommission gegen Korruption“ mit Kronprinz Mohammed an der Spitze. Das Gremium soll „das öffentliche Vermögen schützen und korrupte Leute bestrafen“ und hat dafür weitreichende Vollmachten übertragen bekommen: Es kann Festnahmen veranlassen, Reisebeschränkungen verfügen und Vermögen beschlagnahmen. Nach saudischen Medienberichten wurde sogleich ein Ermittlungsverfahren eröffnet gegen Verantwortliche in Dschidda, wo 2009 wegen veruntreuter Mittel zum Kanalbau eine verheerende Regenflut mehr als 120 Menschen in den Tod riss. 

„Damit läutet das Königreich eine neue Ära und Politik der Transparenz, Klarheit und Verantwortlichkeit ein“, verkündete Finanzminister Mohammed al-Jadaan. So verbessere sich das Investitionsklima im Land und das Vertrauen in die Herrschaft des Rechts werde gestärkt. Auch der „Rat der Kleriker“, das wichtigste Gremium der saudischen Geistlichkeit, signalisierte seine Zustimmung.

Weitere Hintergründe dieses politischen Erdbebens, mit dem sich der Salman-Clan andere Teile der verzweigten Königsfamilie jetzt offen zu Feinden macht, sind bislang unklar. Für Spekulationen, dass Mohammed bin Salman einer Palastrevolte zuvor gekommen sei, gibt es keine Anhaltspunkte. Der Widerstand gegen dessen aggressive Außenpolitik, den Krieg im Jemen und den rabiaten Boykott von Katar, scheint jedoch massiver zu sein, als bislang bekannt. Obendrein fürchten viele Mitglieder der etwa 9000-köpfigen Königsfamilie um ihre gewohnten Privilegien.

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