+
Die FR-Sprechstunde Beantwortet Fragen rund um Ihre Geldanlage.

FR-Sprechstunde

„Vergleichen Sie in Ruhe“

Finanzexperten beantworten in der FR-Sprechstunde Ihre Fragen zur Geldanlage – Teil 2

Wie legt man sein Geld in diesen unsicheren Zeiten am besten an? Drei Experten des Bundesverbandes deutscher Banken haben in der Corona-Sprechstunde der Frankfurter Rundschau Fragen von Leserinnen und Lesern beantwortet. Der Zuspruch war so groß, dass leider längst nicht alle Fragen berücksichtigt werden konnten. Ihre Tipps der Experten sind eine Orientierungshilfe, sie ersetzen keine individuelle Beratung. Hier ist der zweite Teil der Zusammenfassung, Teil eins erschien in der gestrigen Dienstagausgabe.

Ergibt ein Bausparvertrag als Geldanlage für 20 000 Euro für mich, 75 Jahre, noch Sinn?

Alexander Geck arbeitet in der Beratung wohlhabender Privatpersonen. Er hat an der Frankfurt School of Finance & Management studiert.

Als reine Geldanlage ist der Bausparvertrag in Zeiten historisch niedriger Zinsen nicht mehr zielführend. Wenn Sie also nicht vorhaben, später einen Immobilienkredit aufzunehmen, würde ich eher davon abraten, auch angesichts der Abschlussgebühren und Laufzeit. Ich empfehle Ihnen einen Termin bei Ihrem Berater, der gemäß Ihrer anderen Anlagen und Ihres Risikoprofils die passende Anlage finden wird.

Sollte ich jetzt ETF (Exchange Traded Funds) kaufen? Ich bin 65 Jahre alt.

Bevor Sie sich über das „Anlagevehikel“ Gedanken machen, sollten Sie überlegen, welchen Betrag Sie wie lange anlegen wollen und wie Ihre Risikoneigung aussieht. Denn dies beeinflusst letztendlich die Aufteilung Ihres Geldes in die verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, festverzinsliche Anlagen, Fonds, ETF, Immobilien, Edelmetalle oder sonstige Investments. Besonders in Krisenzeiten wie jetzt bewährt sich die alte Börsenweisheit, nicht alle Eier in einen Korb zu legen.

Ich bin 77 Jahre alt und habe recht viel Geld auf meinem Sparbuch. Ist es in meinem Alter noch sinnvoll zu investieren?

Michael Steckenreiter ist in der Beratung vermögender Privatpersonen tätig. Davor hat der gelernte Bankkaufmann Firmengroßkunden beraten und im Wertpapierhandel gearbeitet.

Das Geld auf dem Sparbuch bringt Ihnen auf absehbare Zeit keine Zinsen. Vielmehr wird es von der Inflation langsam aufgezehrt. In Ihrem Alter ist es wichtig, eine ausreichende Liquiditätsreserve zu halten für geplante aber auch für ungeplante Kosten. Denken Sie dabei auch an Kosten für die Gesundheit oder möglicherweise Pflege. Ein Puffer von 30 bis 50 Prozent des Vermögens sollte also verfügbar bleiben. Den Rest könnten Sie nach Rücksprache mit einem Berater in eine gut strukturierte Anlage investieren, beispielsweise mit einer Mischung aus Aktien-, Renten- und offenen Immobilienfonds.

Und wann steigen die Zinsen wieder? Kann ich nicht einfach darauf warten?

Von deutlich steigenden Zinsen können wir in den nächsten Jahren nicht ausgehen. Wenn Sie also Renditechancen nutzen möchten, führt an einer gut strukturierten Geldanlage mit Wertpapieren kein Weg vorbei. Den genannten Liquiditätspuffer sollten Sie in jedem Fall beibehalten.

Ich bin mir nicht sicher, ob das Angebot meiner Bank für die Geldanlage das richtige für mich ist. Was raten Sie mir?

Dann gehen Sie doch einfach mal zu einer anderen Bank und lassen sich dort auch beraten. Holen Sie sich zwei oder drei Angebote ein und vergleichen Sie in Ruhe. Sie sollten immer verstehen, wie die Geldanlage funktioniert und welche Chancen und Risiken dabei bestehen. Wenn Sie sich mit einer Anlage nicht wohlfühlen, lassen Sie es lieber bleiben.

Meine Lebens- und Rentenversicherung wurden vor kurzem ausgezahlt. Mein Berater hat mir, 66 Jahre, empfohlen, das Geld in eine Rentenversicherung mit lebenslanger monatlicher Auszahlung von 500 Euro anzulegen. Was meinen Sie?

Murray Halicilar ist ausgebildeter Bankfachwirt. Er war zunächst in der Kundenberatung tätig, arbeitet nun in der Vermögensberatung.

Die Sofortrente kann eine interessante Möglichkeit sein, da Sie lebenslang ausgezahlt wird. Grundsätzlich würde ich überlegen, die Anlagesumme aufzuteilen und nicht einseitig anzulegen. So kommt auch eine Fondsanlage in Betracht. Diese bietet mehr Flexibilität, denn Höhe und Dauer der regelmäßigen Rentenauszahlungen können individuell festgelegt werden, sind jederzeit änderbar und sie hat bessere Renditechancen. Denken Sie auch an eine ausreichende Reserve für geplante Ausgaben und Notfälle. Lassen Sie sich unter diesen Aspekten verschiedene Angebote machen und vergleichen Sie in Ruhe.

Momentan sind nicht nur die Sparzinsen niedrig, sondern auch die Kreditzinsen. Lohnt es sich da nicht, ein günstiges Darlehen aufzunehmen, um jetzt in Aktien einzusteigen?

Nein. Sie sollten sich durch die günstigen Kreditzinsen nicht dazu verleiten lassen, Aktien auf Kredit zu kaufen. Fallen die Kurse und geht die Spekulation schief, ist der finanzielle Schaden groß. Legen Sie nur Geld in Aktien an, das Sie „übrig“ haben und das langfristig investiert werden kann.

Ich würde gerne in Fonds investieren, aber es gibt so viele Möglichkeiten. Wie kann ich sie vergleichen, gerade auch was die Kosten angeht?

Nach einer Beratung erhalten Sie umfassende Produktinformationen. Dort sind die Kosten im Detail aufgeschlüsselt, einschließlich der einmaligen Kaufspesen sowie die laufenden Kosten. Außerdem gibt es diverse Internetvergleichsportale, die vielfältige Möglichkeiten bieten, um die Fonds nach unterschiedlichen Kennzahlen zu vergleichen. Und was viele nicht wissen: Auch Ausgabeaufschläge können verhandelbar sein.

Die Corona-Krise hat neue Verhältnisse geschaffen, mit denen Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Politik zurechtkommen müssen. Da ist guter Rat gefragt. Die Frankfurter Rundschau hat deshalb die „Corona-Sprechstunde“ gestartet. Expertinnen und Experten beantworten online Fragen der Leserinnen und Leser. Reiserecht: Am Mittwoch, 15. April, 11 bis 12 Uhr, beantwortet Juristin Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz Fragen zu Umbuchungen, Stornierungen und Erstattungen.

Neben einem Eigenheim habe ich 400 000 Euro Cash im Bankschließfach. Mir wurde angeboten, in eine Seniorenresidenz anzulegen, mit 4,5 Prozent jährlicher Rendite. Was meinen Sie?

Da Sie bereits eine Immobilie besitzen, würde ich eher davon abraten, nun auch noch in eine Seniorenresidenz anzulegen. Stattdessen sollten Sie über eine breitere Vermögensstreuung nachdenken, und dabei auch über Aktien als langfristige Beimischung. Besprechen Sie das mit einem Berater Ihres Vertrauens.

Ich bin der Meinung, meine Bank hat mich falsch beraten. Was kann ich machen?

Wenn Sie einen Konflikt mit Ihrer Bank nicht lösen können, wenden Sie sich an den für Ihr Kreditinstitut zuständigen Ombudsmann. Unabhängige Personen wie pensionierte Richterinnen und Richter helfen Ihnen bei Streitigkeiten mit der Bank in einem außergerichtlichen, unbürokratischen Schlichtungsverfahren. Sie müssen dem Ombudsmann Ihre Beschwerde schriftlich schildern, Ihre Ansprüche benennen und Kopien der notwendigen Unterlagen beifügen. Die Prüfung ist für Sie kostenfrei und neutral. Eine Liste der Schlichtungsstellen finden Sie im Internet unter www.bankenombudsmann.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion