+
Hilfslieferungen kommen über Cúcuta, wo es den einzigen befahrbaren Grenzübergang gibt.

Venezuela

„Vergiftete Hilfe“ aus den USA

  • schließen

Venezuelas Regierung behauptet, die amerikanischen Hilfslieferungen seien kontaminiert und krebserregend.

Das Drama um die humanitären Hilfslieferungen nach Venezuela erlebt seinen nächsten Akt. Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez bezeichnet die Hilfspakete aus den USA, die derzeit in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta eingelagert werden, in einer TV-Ansprache als „kontaminiert, vergiftet und krebserregend“. Glaubt man den Anschuldigungen der Vizepräsidentin, dann bahnt sich also ein Art Krieg mit biologischen Waffen gegen das venezolanische Volk an. Rodriguez führte für ihre Behauptungen über die kontaminierte Ware verschiedene vorliegende Studien als Quelle an.

Seit Tagen tobt ein Machtkampf um die von USAID bereitgestellten Medikamente und Lebensmittel. Deren Verteilung an bedürftige Venezolaner hat Interimspräsident Juan Guaidó angekündigt. Doch bislang konnte er sein Versprechen nicht umsetzen. Venezuelas sozialistischer Machthaber Nicolás Maduro blockiert den einzig in Cúcuta befahrbaren Grenzübergang zwischen Venezuela und Kolumbien, die Grenzbrücke „Las Tienditas“, mit Tankwagen und Containern. Guaidó kontert mit einer Art Guerilla-Taktik: Er will freiwillige Venezolaner finden, die die Hilfspakete in Cúcuta abholen, über die Grenze bringen und dann in Venezuela an Krankenhäuser ausliefern. Laut Aussagen der Opposition haben sich bereits Tausende für diesen Akt des Widerstands registrieren lassen.

Am Dienstag brachte Guaidó erneut Hunderttausende auf die Straßen, um für die humanitären Hilfslieferungen zu demonstrieren. Sie gelten als Knackpunkt in dem Machtkampf. Lässt das venezolanische Militär die Hilfslieferungen passieren, wäre das für den autokratischen Machthaber Maduro wohl gleichbedeutend mit einem Autoritätsverlust. Maduro aber wirft der Opposition und den USA vor, sein Land mit den Lieferungen demütigen zu wollen. Vizepräsidentin Rodríguez zweifelt an, dass es im Land eine humanitäre Krise gebe, stattdessen sei ein Wirtschaftskrieg neoliberaler Kräfte für die Versorgungsengpässe verantwortlich.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stellte sich bei seinem am Mittwoch zu Ende gegangenen Besuch im Nachbarland noch einmal demonstrativ hinter Oppositionsführer Guaidó, der von der Bundesregierung bis zu Neuwahlen als legitimer Übergangspräsident anerkannt wird. „Autokratie und Misswirtschaft haben Venezuela, ein an sich reiches Land, an den Abgrund und in den Bankrott geführt“, sagte Steinmeier. Die Menschen reagierten deshalb auf zwei Arten: mit Demonstrationen gegen die Regierung oder mit Flucht aus Venezuela. Nur Neuwahlen könnten Hoffnung auf einen Neuanfang verbreiten.

Die venezolanische Opposition, gestärkt durch die neuen Proteste, reagierte indes auf die Vorwürfe der Vizepräsidentin mit Unverständnis. Die oppositionelle Abgeordnete Gaby Arellano aus der von der Maduro entmachteten Nationalversammlung sagte im spanischsprachigen TV-Sender „CNN en Español“, die Regierung sei in eine Art Delirium verfallen. Für ihr Verhalten gebe es keine logische Erklärung mehr.

Maduro lässt derweil die Muskeln spielen. Landesweite Manöver sollen Feinden von außen, aber auch im eigenen Land, die Verteidigungsbereitschaft des sozialistischen Regimes demonstrieren. Nach offiziellen Angaben befinden sich rund zwei Millionen Milizionäre unter Waffen, die die Revolution verteidigen sollen.

US-Präsident Donald Trump schloss bislang eine militärische Intervention in Venezuela nicht aus. Zu einem der möglichen Szenarien gehört, dass die Hilfslieferungen militärisch begleitet werden könnten. Caracas wirft den USA und Kolumbien vor, die humanitäre Hilfe diene lediglich als Vorwand, um eine militärische Invasion vorzubereiten. Fragen nach einer verstärkten US-Militärpräsenz im Grenzgebiet zu Kolumbien wich Kolumbiens Präsident Iván Duque bei einer Pressekonferenz aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion