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Frauen protestieren gegen sexuelle Gewalt. 

Rom

Vergewaltigungsopfer sah „männlich“ aus: Männer freigesprochen

Eine Frau erstattet Anzeige wegen Vergewaltigung. Die Männer werden verurteilt, das Urteil schließlich aufgehoben. Die Frau sei nicht attraktiv genug gewesen.

Weil ein Vergewaltigungsopfer angeblich „männlich“ aussah, sind zwei zuvor verurteilte Männer in Italien freigesprochen worden. Das Urteil, das schon mehr als ein Jahr alt ist, löst in Italien jetzt Empörung aus. 

Eine damals 22 Jahre alte Frau aus Peru hatte 2015 Anzeige erstattet, weil sie in der Adria-Stadt Ancona von einem Mann vergewaltigt worden sei, während der andere Wache gestanden habe. Beide Männer wurden 2016 zu Haftstrafen verurteilt. Diese Verurteilung hob ein Berufungsgericht Ende 2017 in Ancona jedoch auf. 

Eine der Begründungen: Die Frau sei nicht attraktiv genug gewesen und ihre Darstellung nicht glaubwürdig. Es sei nicht auszuschließen, dass die „raffinierte Peruanerin“ den „ausgelassenen Abend“ selbst organisiert habe, zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa aus dem Urteil. Dem Mann habe die Frau nicht einmal gefallen. 

Opfer von sexueller Gewalt

Dass er deren Namen als „Nina Vikingo“ (Wikinger) im Handy eingespeichert gehabt habe, belege dies. Das Urteil sei beschämend, sagte die Sprecherin der Gewerkschaft CISL in der Region Marken, Cinzia Castignani, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Gewerkschaft hatte am Vortag zusammen mit anderen Frauenrechtsgruppen eine Demonstration vor dem Berufungsgericht in Ancona organisiert. 

Gewalt sei „unabhängig vom Aussehen“. Aktivisten kritisieren, dass Frauen, die Opfer von sexueller Gewalt werden, später gar als Täter dargestellt würden. Die Details des Falls kamen jetzt erst ans Licht, weil das Kassationsgericht in Rom als oberstes Gericht letzte Woche angeordnet hatte, dass der Fall erneut verhandelt werden soll. Der Termin für den neuen Prozess in Perugia stehe aber noch nicht, sagte die Anwältin des Opfers, Cinzia Molinaro, der dpa. Die Frau lebe mittlerweile wieder in Peru. (dpa)

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