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Artikel 1 und 2 GG werden der Realität angepasst: Die Würde des Menschen ist antastbar. Der Grad der Würde ist standardisierbar.

Grundgesetz

Verfassung mit Senf

Am Grundgesetz sind grundlegende Korrekturen nötig.

Dem Grundgesetz muss eine neue, zeitgemäße Präambel vorangestellt werden: In der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland geht es ausschließlich um Geld. Es geht nicht um irgendeinen idealistisch verbrämten Überbau wie Kultur, Kirche, Olympia oder irgendwelche karitativen Netzwerke, sondern nur um Geld. Sinn und Ziel der Gesellschaft ist die Bewahrung und Vermehrung des Geldes, und wo es um Geld geht, da hat die Demokratie nichts zu suchen.

Artikel 1 und 2 GG werden der Realität angepasst: Die Würde des Menschen ist antastbar. Der Grad der Würde ist standardisierbar. Die Würde des Menschen ist abzulesen an seinem Lebensstandard. Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit steht in Relation zum Lebensstandard des Menschen. Unantastbar ist lediglich die Würde aller Haus- und Grundbesitzer. Sie haben das Recht auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit, denn die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit ist deckungsgleich mit ihren Mieteinnahmen.

Artikel 14 GG wird entsprechend präzisiert: Die Sozialbindung des Eigentums bezieht sich nur auf Verwandte und gute Bekannte des Eigentümers.

Artikel 22 GG muss zur Zeit nicht geändert werden, weil die aktuelle Bundesflagge mit ihrer Farbkombination Schwarz-Rot-Gold den Zustand Deutschlands optimal symbolisiert: eine verkohlte Bratwurst an Ketchup mit einem Häufchen Senf. Bei entsprechenden Mehrheitsverhältnissen werden allerdings die Präambel und die Artikel 1, 2 und 14 möglichst bald gestrichen. Artikel 22 lautet dann: Jeder Mensch hat seine eigene Fahne.

Serie

Wer gehört zu wem? Was hält in Deutschland, in Europa die Gesellschaft zusammen? Was lässt sich tun, um Spaltungen zu überwinden? Fragen, die sich in diesem Jahr mit besonderer Dringlichkeit stellen: Das Grundgesetz wurde am 8. Mai 70 Jahre alt, am 23. Mai 1949 trat es in Kraft. Ende des Monats wählen Europas Bürgerinnen und Bürger ein neues Parlament und im November feiert Deutschland den 30. Jahrestag des Mauerfalls.

Mit all dem befasst sich unsere Serie „Du gehörst zu mir“ seit ihrem Start am 4. Mai. Und weil die Verfassung die Wurzel unserer Gemeinschaft ist, haben wir dies im Bild eingefangen.

Abgeschafft wird auch die „Mitwirkung“ der Parteien „bei der politischen Willensbildung des Volkes“. Der Missbrauch dieser Erlaubnis führte dazu, dass die Parteien nicht nur das Parlament und die Regierung gestellt, sondern auch die Justiz, die Rechnungshöfe, die öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehanstalten sowie den öffentlichen Dienst kontrolliert haben und zudem das Sagen hatten in Schulen und Universitäten. Artikel 21 GG lautet deshalb in Zukunft: Die Mitgliedschaft in einer Partei führt auf Grund der damit verbundenen Koalitionen und Kompromisse zu einem Leben in moralischem Elend. Politische Parteien sind verboten.

Ferner werden alle Ergänzungen, Verweise, Klauseln und monströsen Schachtelsätze, mit denen um ihre Wiederwahl besorgte Politikerinnen und Politiker das Grundrecht auf Asyl abgeschafft haben, gestrichen.

Henning Venske gehört zu den profiliertesten Satirikern Deutschlands. Jetzt, mit 80 Jahren, hat er sich von der Kabarettbühne verabschiedet, ist aber weiterhin als Autor, Schauspieler und Regisseur tätig. www.venske.de

Artikel 16 GG lautet in Zukunft unmissverständlich: Politisch Verfolgte genießen Asyl. Kriegsflüchtlinge werden als Gäste behandelt.

Artikel 26 (2) GG wird folgendermaßen korrigiert: Zur Kriegführung bestimmte Waffen dürfen auch mit Genehmigung der Bundesregierung nicht hergestellt, befördert und in Verkehr gebracht werden. Handfeuerwaffen dürfen nur benutzt werden zum Umrühren einer Suppe und um sich auf dem Rücken zu kratzen.

Artikel 87 GG regelt den Schusswaffengebrauch: Der Einsatz der Bundeswehr im Inneren ist nur gestattet, wenn es darum geht, auf militaristische, korrupte, asoziale, rassistische und auch noch renitente Politiker, die das GG nicht achten, zu schießen.

Eine Forderung der französischen Revolution lautete, Machthaber ohne „öffentliche Tugend“ dürften weder die Sicherheit, die Freiheit, die Existenz noch das Eigentum unserer Mitmenschen beeinträchtigen. Genau das aber geschieht, wenn eine Regierung der Teuerung nicht entgegenwirkt, die „Mittel zum Leben“, also Wohnung, Nahrung, Energie, Wasser, Krankenversorgung, Bildung und öffentliche Verkehrsmittel nicht sicherstellt und sogar die Luftverpestung fördert.

Artikel 7 GG, betreffend Schulwesen und Erziehungsrecht, fordert deshalb: In jeder Stadt und jeder Gemeinde muss mindestens eine Schule den Namen „La Bastille“ tragen. Robespierres Rede „Über die Grundsätze der politischen Moral“ wird in den Lehrplan aufgenommen.

Alle Kommentare zum GG, vor allem die Forderung an die Parteien: „Eine ausreichende Gewähr für Ernsthaftigkeit muss gegeben sein“ entfallen. Das können diese Leute gar nicht leisten …

Von Henning Venske

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