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„Der Nächstenliebe Strahlkraft bricht oft schon am Klingelschild“

Verfassung – Betrachtung

Ein Rap fürs Grundgesetz - von Sookee.

Die Verfassung, die ich meine, ist eine, die sich erübrigt / Denn die Dinge, die uns einen, aufzuschreiben genügt nicht / Anderthalb Zentner schwerer Worte und die Freiheit des Gewissens / Bissen sich 70 Jahre durch die eigene Geschichte

Sicherlich nährt der Konflikt den Mensch neben den Menschen / Doch wie blick ich in ein Buch, wenn ich mich darin nicht erkenne / Zahlreiche Seiten versichern Allgemeingültigkeit / Doch das Konkrete bleibt speziell, und das Gemeine so weit

Weder Gott noch Intellekt garantieren tiefes Verständnis / Von der Unantastbarkeit der Würde des Menschen / Die geteilten Gewalten ergeben immer Quotienten / Hinterbliebenen bleibt nichts, als für das Leben zu kämpfen

Rapperin Sokee.

Sprache kann niemals fixieren, was Freiheit nun heißt / Der Minimalkonsens in dem, was wie Einigkeit scheint / Ist ein Kompromiss, weniger Hoffen, mehr Bangen / Glühende Köpfe und rot geschlagene Wangen

Was genau zeichnet des Drittstaates Sicherheit aus / Wenn sich der Erststaat an seiner eigenen Sicherheit berauscht / Ich empfinde kein Wir, stimmt Artikel 3 uns nicht ernst / Schau in den Alltag der Menschen, in dem Bitteres währt

Sookee ist eine deutsche Rapperin. Sie ergreift für die Queer-Szene Partei und engagiert sich gegen Rassismus und Antisemitismus in Deutschland. 

Der Nächstenliebe Strahlkraft bricht oft schon am Klingelschild / Solang das Fremde im Andern gesucht wird, bin ich gewillt / Nach Gottes Liebe zu fragen, wenn Gott verargumentiert wird / Und die Liebe zu den Nächsten schon auf dem Papier stirbt

Die Versehrtheit der Körper zieht sich durch Biografien / Die Taten des Patriarchiats werden ihm niemals verziehen / Da, wo Sonne auf Regen trifft und Familien erwachsen / Gilt es, Formulare zu stempeln, statt die Liebe zu achten

Die Gleichheit erweist sich hier als komparativ / Wie soll der Mensch sich bewähren, wenn man ihm die Chance nicht gibt / Da sind so große Gedanken nicht vom Herzen gedacht / Der Einzelfall zählt, denn der Schmerz hält ihn wach

Die Lebensjahrzehnte sind mit dem Finger geschnipst / Bürokratischer Maßstab, nach dem es Schlimmeres gibt / Wir sind deutsch in Europa, doch in welcher Verfassung / Entlang welcher Grenzen und in welcher Betrachtung

Man kann Menschen nicht zählen, weitreichend versucht / Millionenfach gewebt haben Leichen ihr Tuch / Auf dem Fundament der staatlichen Ordnung / Gesprochenes Recht, roter Faden verworren

Der Text spricht zu mir, doch hört er meine Replik / Trocknet er Tränen, wenn er Grund zum Weinen uns gibt / Widerstand ist Recht, ist es anders nicht möglich / Und ich widerstehe wieder nicht naiv, nicht beschönigt

Links schlägt das Herz, und das Recht schlägt die Tür / Demokratie hält sich aus, weil es sich so gebührt / Während die Letzten müde, doch mahnend sind / Frage ich dich, wie erklär’ ich es am Abend dem Kind

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