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Die Winston-Churchill-Statue und die britischen Flaggen auf dem Parliament Square.
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Die Flagge des Vereinigten Königreichs, auch „Union Jack“ genannt.

Großbritannien

Das vereinigte Königreich: Geschichte und politisches System

  • Joshua Schößler
    VonJoshua Schößler
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Das Vereinigte Königreich ist einer der bevölkerungsreichsten Staaten Europas. 2020 verließ das Land die EU. Ein Überblick über dessen Geschichte und politisches System.

London – Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland ist eine Union aus vier Landesteilen: England, Wales, Schottland und Nordirland. Wales, Schottland und Nordirland besitzen seit einigen erfolgreichen Referenden im Jahr 1997 eigene Landesteilparlamente und Regierungen.

Das Vereinigte Königreich besteht aus England, Wales, Schottland und Nordirland

Das Gebiet des heutigen Vereinigten Königreichs wurde zuerst durch verschiedene keltische Stämme besiedelt. Durch den Austausch mit den Galliern hatten diese einen regen Kontakt zu Kontinentaleuropa. Unter dem Kaiser Gaius Julius Caesar unternahmen die Römer um 55 nach Christus erste Feldzüge auf den britischen Inseln, die mit Ausnahme von Schottland erfolgreich endeten. Es folgten vier Jahrhunderte römische Herrschaft.

Nach dem Rückzug der Römer erlangten die Angeln, Sachsen und Jüten die Vorherrschaft über die Insel und verdrängten die Kelten auf das Gebiet des heutigen Wales und Schottland. Im zehnten Jahrhundert vereinigten sich die Gebiete, die hauptsächlich durch die Angelsachsen beherrscht wurden, zum Königreich England. Die Skoten und Pikten gründeten gleichzeitig das Königreich Schottland.

Vereinigtes Königreich: 55 nach Christus eroberten die Römer England

Unter Herzog William II The Conqueror eroberten ab 1066 französische Normannen England. In der Schlacht von Hastings konnte er die Vorherrschaft erlangen und eine feudalistische Staatsstruktur erschaffen. Zwar gelang in diesem Zug die Eroberung von Wales, nicht aber die von Schottland.

NameVereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland
HauptstadtLondon
AmtsspracheEnglisch
Staats- und Regierungsformparlamentarische Monarchie
StaatsoberhauptKönigin Elisabeth II.
RegierungschefBoris Johnson
Einwohnerzahl66,8 Millionen
Bevölkerungsdichte275 Einwohner pro km²
WährungPfund Sterling

In den folgenden Jahrhunderten kam es zu vielen Kriegen zwischen England und Frankreich, die sich um verschiedene Erbansprüche und das Recht, den französischen Thron zu besetzen drehten. Diese Konflikte gipfelten schließlich im Hundertjährigen Krieg (1337-1453). An dessen Ende fielen sämtliche von England beherrschten Territorien auf dem Festland (mit Ausnahme von Calais) an Frankreich zurück.

Nach dem Hundertjährigen Krieg verlor England beinahe sämtliche Gebiete auf dem Festland

Im 16. Jahrhundert ist die Geschichte des Vereinigten Königreichs vor allem von religiösen Konflikten zwischen der katholischen Kirche und den Reformern geprägt. Unter Tudor-König Heinrich VIII kam es zu schweren Konflikten mit dem Papst, die die Gründung der protestantischen anglikanischen Kirche zur Folge hatten. Die wichtigsten Bischöfe des Landes erklärten am 11. Februar 1531 den englischen König als ihr neues Oberhaupt.

1541 konnte sich England die Herrschaft über das katholische Irland sichern. Um protestantische Briten auf dieser Insel anzusiedeln, wurde das Gebiet Nordirlands besetzt. In dieser Zeit bestand das Vereinigte Königreich aus den drei Königreichen England, Wales und Nordirland. Allerdings kam es im 17. Jahrhundert in allen drei Reichen zu Aufständen, die eine vorübergehende Abschaffung der Monarchie zur Folge hatte. 1660 wurde die Königsherrschaft allerdings wieder eingeführt.

Statt sich wie die meisten anderen europäischen Länder zu einem absolutistischen Staat zu entwickeln, wurde im Vereinigten Königreich ein parlamentarisches Regierungssystem im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie eingeführt. Hier gelang erstmals die Integration Schottlands in das Vereinigte Königreich. Durch den ersten Act of Union wurden die Königreiche England und Schottland zum Königreich Großbritannien zusammengeführt.

Großbritannien und seine Kolonialgeschichte

Großbritannien war die größte Kolonialmacht der Weltgeschichte. Auf allen bewohnten Kontinenten besaß es Kolonien und Protektorate. Im Jahr 1922 hatte das Britische Weltreich seine größte Ausdehnung und umfasste mit 458 Millionen Einwohnern ein Viertel der damaligen Weltbevölkerung.

Im 15. und 16. Jahrhundert waren Portugal und Spanien die Pioniere der europäischen Eroberung der Welt. Die immensen Reichtümer, die die Kolonien ihnen einbrachten, veranlassten auch England, Frankreich und die Niederlande zum Aufbau eigener Kolonien.

Großbritannien: Britische Kolonien in der Karibik

Besonders lukrativ waren die Kolonien in der Karibik. Auf Inseln wie St. Kitts, Nevis und Barbados konnte man erfolgreich ein System von Zuckerrohr-Plantagen etablieren, dass man sich von den Portugiesen abgeschaut hatte. Damit dieser funktionieren konnte, richtete Großbritannien den sogenannten atlantischen Dreieckshandel ein: Von Europa aus lieferten Schiffe Feuerwaffen, Glasperlen und Manufakturwaren an die westafrikanische Küste.

Diese Waren wurden dort gegen Sklaven eingetauscht. Diese Sklaven brachte man unter anderem in die Karibik, wo sie zum Anbau von Zucker gezwungen wurden. Schließlich wurde der Zucker nach Europa gebracht, wo er gewinnbringend verkauft werden konnte. Die 1672 gegründete Royal African Company hatte das Monopol auf die Versorgung der britischen Kolonien mit Sklaven.

Großbritannien war die größte Kolonialmacht der Weltgeschichte

Nach einigen Kriegen im 17. und 18. Jahrhundert gegen die Niederlande und Frankreich konnte sich England als führende Kolonialmacht in Indien und Afrika behaupten. Nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) verlor England zwar die 13 Kolonien, konzentrierte sich aber in der Folge auf Asien, Afrika und Ozeanien.

Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege (1792-1815) konnte England über ein Jahrhundert lang eine beinahe unangefochtene Vormachtstellung auf den Weltmeeren halten. Als erste Industrienation und Wegbereiter des Kapitalismus verfügte es im 19. Jahrhundert für viele Jahre über die größte Kriegs- und Handelsflotte.

1875 begann Großbritanniens Eintritt in das imperialistische Zeitalter. Für vier Millionen Pfund kaufte die konservative Regierung unter Benjamin Disraeli die Aktienanteile des ägyptischen Herrschers Ismail an der Sueskanal-Gesellschaft auf, mit der ein wichtiger Handelsweg nach Indien gesichert werden konnte.

Nach dem zweiten Weltkrieg verlor das Vereinigte Königreich seine Kolonien

Da das Deutsche Reich und die Vereinigten Staaten zunehmend an Einfluss gewannen, musste Großbritannien ab 1900 zunehmend seine wirtschaftliche und politische Vormachtstellung einbüßen. Nach Ende des ersten Weltkriegs konnte Großbritannien zwar die deutschen Kolonien übernehmen, doch wirtschaftliche Probleme und zunehmende Autonomiebestrebungen in den Kolonien leiteten das Ende der Kolonialmacht Großbritanniens ein. Der zweite Weltkrieg dezimierte die Staatskasse Großbritanniens derart, dass die Kolonien nicht mehr zu halten waren. Mit der Übergabe Hongkongs an die Volksrepublik China 1997 war der Prozess der Entkolonialisierung weitgehend abgeschlossen.

Die Industrielle Revolution begann im Vereinigten Königreich

Einer der größten Umbrüche für moderne Gesellschaften nahm in Großbritannien seinen Anlauf: Die Industrielle Revolution. Sie leitete in vielen Ländern den Übergang von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft ein.

Der erste wichtige Schritt bestand im technischen Fortschritt der britischen Baumwollindustrie. Eine zunehmende Anzahl mechanischer Erfindungen wie die der Spinnmaschine und der mechanische Webstuhl sorgten dafür, dass die britische Baumwollindustrie in den Jahren zwischen 1780 und 1790 eine jährliche Wachstumsrate von über 12 Prozent erreichte. Sie ermöglichten zudem die Arbeitsteilung und die Etablierung des Fabriksystems. Insbesondere die Erfindung der Dampfmaschine revolutionierte die mechanische Energieerzeugung. Auch der Bau von Eisenbahnen und die Dampfschifffahrt wurden hierdurch ermöglicht.

Mechanische Erfindungen revolutionierten das wirtschaftliche System des Vereinigten Königreichs

Diese Erfindungen und neuen Produktionsweisen wirkten sich auf viele Wirtschaftsbereiche aus. Aber auch gesellschaftlich gingen mit der Industriellen Revolution tiefgreifende Änderungen einher. Es folgte ein explosionsartiger Bevölkerungszuwachs. Die auf Profitmaximierung ausgelegte Wirtschaft sorgte für eine Konkurrenz auf Seiten der Arbeitnehmer. Schlechte Arbeitsbedingungen, Armut, Umweltverschmutzung und Verstädterung waren die Schattenseiten der Industriellen Revolution. Der industrielle Kapitalismus konnte sich in vielen Ländern etablieren, darunter ganz Westeuropa, die USA und Japan.

Im zweiten Weltkrieg bezwang das Vereinigte Königreich mit den Alliierten Deutschland

Im 19. Jahrhundert kämpfte Großbritannien an der Seite Russlands, Frankreichs und den USA gegen das Deutsche Kaiserreich und dessen Verbündete. Nach dem Sieg der Engländer regelten die Siegermächte im Vertrag von Versailles die europäische Nachkriegsordnung. Kurz nach dem ersten Weltkrieg wandte sich das katholische Irland vom Vereinigten Königreich ab. So gründeten 1922 26 irische Counties einen eigenen Freistaat.

Kurz darauf folgte der zweite Weltkrieg, welchen die Engländer unter Winston Churchill gegen das nationalsozialistische Deutschland gewinnen konnten. Eine Besetzung Englands durch die Wehrmacht konnte mit Hilfe von Luftangriffen verhindert werden. Anders als die USA und Deutschland konnte Großbritannien keinen wirtschaftlichen Aufschwung in den Nachkriegsjahren verbuchten.

Das politische System des Vereinigten Königreichs

Das Vereinigte Königreich ist eine parlamentarische Monarchie. Souverän ist nicht das Volk, sondern das Parlament. Das Parlament besteht aus dem Oberhaus (House of Lords) und dem Unterhaus (House of Commons) und regiert das Land gemeinsam mit dem:der Monarch:in. Seit 1911 hat der:die Monarch:in de facto keine Regierungsmacht, seine:ihre Vetomacht gegen Beschlüsse des Parlaments hat seit dem frühen 18. Jahrhundert kein:e Monarch:in mehr geltend gemacht.

Kernelement des britischen Regierungssystems ist das Parlament mit seinen zwei Kammern. Das Unterhaus besteht aus 650 Abgeordneten. Von allen Landkreisen des Vereinigten Königreichs wird je ein Abgeordneter nach dem Mehrheitswahlrecht ins Unterhaus gewählt. Das Unterhaus bestimmt über Gesetzgebung und Staatshaushalt und die Regierung des Vereinigten Königreich ist ihm gegenüber verantwortlich.

Der König des Vereinigten Königreichs hat sehr wenig politische Macht

Die Hauptaufgabe des Oberhaus besteht darin, die vom Unterhaus verabschiedeten Gesetze zu überprüfen. So kann es Änderungen und neue Gesetze vorschlagen. Es hat zudem die Möglichkeit, neue Gesetze bis zu einem Jahr zu verschieben. Insgesamt hat es jedoch weitaus weniger Befugnisse als das Unterhaus. Die Mitgliederzahl des Oberhauses ist nicht festgelegt.

Die Mitglieder teilen sich auf in Geistliche Lords (Lords Spiritual) und Weltliche Lords (Lords Temporal). Erstere haben ihren Sitz aufgrund eines geistlichen Amts inne. Die Anzahl von Ersteren ist auf 26 festgelegt und umfasst in erster Linie Bischöfe. Letztere stellen die größte Gruppe im Oberhaus dar. Die überwiegende Mehrheit der derzeit 794 Mitglieder besteht aus Adligen auf Lebenszeit (life peers). Sie werden durch den:die Monarch:in auf Vorschlag des Premierministers oder der House of Lords Appointments Comission ernannt.

Die wichtigsten Parteien im Vereinigten Königreich sind die Conservative Party und die Labour Party

Der:die Premierminister:in wird durch den:die Monarch:in ernannt. Er ist in der Regel der:die Vorsitzende derjenigen Partei, die die Wahlen zum Unterhaus gewonnen hat. Der Premierminister führt sein Kabinett im Unterhaus und ernennt die Minister:innen, die ihr jeweiliges Ministerium leiten. Effektiv gibt es im Vereinigten Königreich nur zwei Parteien, die sich regelmäßig in der Regierung abwechseln: Die Conservative Party und die Labour Party.

1973 erfolgte der Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Gemeinschaft (EG). Aus dieser wurde später die Europäische Union. 2016 erfolgte jedoch eine Volksabstimmung, bei der die Mehrheit der stimmberechtigten Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union stimmten („Brexit“). Der derzeitige Premierminister des Vereinigten Königreichs ist Boris Johnson. (Joshua Schößler)

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