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Eine Frau rettet ihre Habseligkeiten vor dem Brand in Moria.
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Geflüchtete Frauen werden doppelt diskriminiert.

Diskriminierung

Verein Women in Exile: „Die letzte rot-grüne Regierung hat für uns Geflüchtete nicht viel getan“

Geflüchtete Frauen werden häufig doppelt diskriminiert. Die Aktivistin Bethi vom Verein „Women in Exile“ fordert mehr Freiheit für Selbstentfaltung

Was erhoffen wir uns von einer Regierung aus Grünen, Sozialdemokraten und Linken? Es gab ja schon eine rot-grüne Regierung, und die hat für uns Geflüchtete nicht viel getan. Gut wäre, wenn die neue Regierung sich das Asylbewerberleistungsgesetz vornehmen würde, denn es ist sehr diskriminierend. Wenn das geändert würde und die Geflüchteten die Chance bekämen, so zu leben wie die übrigen Bürgerinnen und Bürger – wenn sie sich selbst versorgen und dort aufhalten dürften, wo sie wollen – dann wäre das ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es gibt so viele Dinge, die Geflüchteten nicht erlaubt sind, sie dürfen zum Beispiel nicht arbeiten. Meiner Meinung nach sollte jeder das Recht und die Möglichkeiten haben, etwas aus seinem Leben zu machen. Stattdessen kommen viele hierher und werden ins Sozialsystem gesteckt. Manche Menschen verlieren alle Energie, wenn sie lange Zeit nichts Vernünftiges tun können, sie werden depressiv und kommen da am Ende gar nicht mehr raus.

Auf diejenigen, die nichts tun, schaut die Gesellschaft herab, auch wenn es nicht daran liegt, dass sie nichts tun wollen, sondern daran, dass die Gesetze sie daran hindern. Deshalb wünsche ich mir, dass dieses Gesetz geändert wird. Denn auch mit Blick auf die Gesundheitsversorgung ist es diskriminierend. Es ist ein wichtiger Unterschied, ob jemand krankenversichert ist oder nicht. Wenn wir Geflüchtete eine spezielle Behandlung benötigen, müssen wir dafür um Erlaubnis bitten. Das ist erniedrigend.

Die Geflüchteten sollten auch nicht danach beurteilt werden, woher sie kommen. Ob sie jetzt aus einem Bürgerkriegsland kommen, ob sie vor Armut oder politischer Unterdrückung geflohen sind, das tut nichts zur Sache, denn wir wissen, dass oft alles zusammenhängt. Alle sollten eine Chance erhalten, denn ich bin überzeugt, dass niemand sein Land ohne guten Grund verlässt.

Zur Person

Bethi arbeitet beim Verein „Women in Exile“, der sich gegen die doppelte Diskriminierung geflüchteter Frauen engagiert.

Wir haben Women in Exile 2002 gegründet, weil wir festgestellt haben, dass geflüchtete Frauen doppelt diskriminiert werden. In den Unterkünften, in denen wir wohnen, leben einander fremde Menschen dicht an dicht. Es gibt keine Intimsphäre; die sanitären Einrichtungen werden gemeinsam benutzt und reichen oft nichz. Wir Frauen sind in dieser Situation stark benachteiligt. Wir werden häufig belästigt und sind Gewalt ausgesetzt, auch sexualisierter Gewalt. Dafür interessiert sich niemand wirklich. In der Corona-Krise kam dazu, dass die Kinder nicht an den Online-Meetings für die Schule teilnehmen konnten, weil die Internetverbindung nicht ausreicht. Die SPD oder die Grünen müssen erstmal zeigen, dass sie mehr tun als reden. Sie sollten diese Themen nach vorn bringen; bisher haben wir nicht gesehen, dass sie sich dafür stark machen würden.

Ich wünsche mir, dass alle gleich behandelt werden, schließlich sind wir alle Menschen. Wir sollten wie alle in diesem Land eine Chance auf ein Leben in Würde bekommen. Menschen sollten nicht hingehalten werden, bis sie irgendwann psychisch oder körperlich krank werden. Sie sollten willkommen geheißen werden und sich frei bewegen und entscheiden dürfen. wo und wie sie leben wollen.“

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