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Fortsetzung im Prozess gegen den ehemaligen SS-Wachmann.

Angeklagt

Verbrechen verharmlost

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Im Hamburger Stutthof-Prozess zweifelt der Ex-KZ-Wachmann an der deutschen Kriegsschuld.

Der im Hamburger Stutthof-Prozess angeklagte ehemalige KZ-Wachmann zweifelt bis heute an der Schuld Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. „Nichts Genaues weiß man nicht“, sagte Bruno D. am Mittwoch bei der Verhandlung vor dem Landgericht. Obwohl er damals in der Nähe von Danzig lebte, wo der Krieg am 1. September 1939 mit dem Beschuss polnischer Stellungen durch die deutsche Marine begann, habe er keinerlei Schüsse gehört. „Es wurde nur am nächsten Tag erzählt: Danzig ist deutsch“, sagte der 93-Jährige. Ob Deutschland Polen angegriffen habe oder umgekehrt, habe er damals nicht gewusst und wisse er noch immer nicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Angeklagte, seines beteuerten Abscheus für den Nationalsozialismus und die nationalsozialistischen Verbrechen zum Trotz ein verharmlosendes Geschichtsbild offenbart: So sprach er in seinen staatsanwaltschaftlichen Vernehmungen nur ein einziges Mal von „Massenmord“ – und meinte damit nicht die Ermordung Zehntausender vornehmlich jüdischer Gefangener im Konzentrationslager Stutthof, wo er 1944/45 als SS-Wachmann eingesetzt war, sondern die Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten.

Die Anklage wirft Bruno D. vor, durch seinen Wachdienst Beihilfe zum Mord an mindestens 5230 Menschen geleistet zu haben. Das Urteil soll am 14. Juli verkündet werden.

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