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Verbrechen im Krieg

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Von: Peter Rutkowski

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Ein Wochenende der Gräueltaten

Natürlich ist der Krieg an sich ein Gräuel. Und der Mensch ist immer des Menschen größter Feind. Niemand will an diese banalen Grausamkeiten erinnert werden. Aber dann fliegt eine Rakete in ein improvisiertes Gefängnis für Kriegsgefangene in dem von prorussischen Separatisten gehaltenen Oleniwka. 50 Tote oder mehr. Das war am Freitag. Und danach wird im Internet ein Video herumgereicht, in dem einem ukrainischen Gefangenen mit einem Teppichschneider der Penis abgetrennt, ihm aufs Gesicht gelegt, er dann erschossen und seine Leiche anschließend durch die Straßen geschleift wird. Wie kommt es dazu? Das fragen sich alle, aber gibt es Antworten?

Im Fall Oleniwka streiten sich die Kriegsgegner, wer wirklich geschossen hat. Eine Kommission des Internationalen Roten Kreuzes steht seit Samstag vor den Toren des zerstörten Lagers und will den Fall untersuchen. Die Separatisten lassen sie aber nicht herein. Das kommt propagandistisch einem russischen Geständnis gleich. Und so spricht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit der empörten Überzeugung jemandes, dem tiefes Unrecht angetan wurde: „Das ist ein vorsätzliches russisches Kriegsverbrechen (...) an ukrainischen Kriegsgefangenen.“

Im Krieg allerdings geht meistens nichts so, wie man das geplant hat. Dann fliegen Raketen nicht immer dahin, wohin man sie gezielt hat. Oleniwka könnte ein furchtbarer Fall von „friendly fire“ sein, das unbeabsichtigte Beschießen der eigenen Leute. Die Wahrheit wird kaum je festgestellt werden.

Anders ist es bei der Kastration, die – das glauben Fachleute zu erkennen – von einem asiatisch wirkenden Mann in russischer Uniform verübt wurde.: Also war es ein Tschetschene (die als das kulturelle „Andere“, als „Wilde“ schon lange herhalten) oder ein Wagner-Söldner (per Defintion unmenschlich)?

Das ist der verzweifelte Versuch, Grauen fassbar zu machen, es zu erklären und so von sich zu schieben. Funktioniert aber nicht. Denn der Täter könnte auch ein junger Gezogener aus Moskau sein. Dem Krieg ist egal, woher seine Opfer oder Täter kommen. Unter den Kriegführenden behält diesmal Kiew die moralische Oberhand. mit afp

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