Rechtsextremismus

Verbot gefordert: Aus für Graue Wölfe auch in Deutschland?

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    vonJoel Schmidt
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Frankreich verkündete bereits das Aus für die rechtsextreme türkische Organisation Graue Wölfe. Auch in Deutschland werden Forderungen nach einem Verbot lauter.

  • In Deutschland fordern mehrere Organisationen und Parteien das Verbot der rechtsextremen Grauen Wölfe.
  • In der Türkei hat die Organisation enge Verbindungen zur ultrarechten Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP).
  • In Frankreich wurde die türkische Organisation Graue Wölfe bereits im Laufe der Woche verboten.

Berlin – In Deutschland werden die Forderungen nach einem Verbot der rechtsextremen türkischen Organisation „Graue Wölfe“ lauter. So begrüßt etwa die Kurdische Gemeinde Deutschland ausdrücklich, dass Frankreich bereits am Mittwoch (04.11.2020) die Grauen Wölfe verboten hat. „Die gewaltsamen Übergriffe, Körperverletzungen, Einschüchterungsversuche und Sachbeschädigungen der Grauen Wölfe, vor allem in Österreich, aber auch in Frankreich und Deutschland, zeigen die wahre Gesinnung dieser Organisation“, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde.

Rechtsextreme türkische Organisation: Graue Wölfe seit Jahrzehnten aktiv

In ihren als Sport- und Kulturvereinen getarnten Niederlassungen verbreite die rechtsextreme türkische Organisation rassistisches und antisemitisches Gedankengut, sagte Mehmet Tanriverdi, stellvertretender Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland, am Freitag in Gießen. Laut Tanriverdi seien Mitglieder der Grauen Wölfe außerdem seit Jahrzehnten für zahlreiche gewaltsame Übergriffe auf türkische Regierungskritiker:innen, Kurd:innen und andere migrantische Gruppen verantwortlich.

Graue Wölfe in Deutschland: Verbindungen zwischen Rechtsextremismus und Bundeswehr

Die rechtsextremen Grauen Wölfe sind europaweit aktiv und unterhalten nach Auskunft der Kurdischen Gemeinde in Deutschland eine Europazentrale. Nach Recherchen des ZDF aus dem Jahr 2015 sind den Grauen Wölfen bundesweit knapp 18.000 Menschen zuzurechnen, die sich auf über 300 unterschiedliche Mitgliedervereine verteilen. Damit stellt sie die größte rechtsextreme und verfassungsfeindliche Organisationen in der Bundesrepublik dar. Erst im Sommer 2020 hatte die Linksfraktion bei der Bundesregierung eine Anfrage zu den Aktivitäten der Grauen Wölfe in Deutschland gestellt. Dabei kam heraus, dass mehrere Bundeswehrsoldaten im Verdacht standen, Mitglieder der Grauen Wölfe zu sein*.

Besonders gewalttätig sind Mitglieder der rechtsextremen Grauen Wölfe in den 1970er und 1980er Jahren gegen politische Gegner:innen vorgegangen. Ein Überblick:

  • 21. Mai 1974: In Norderstedt wird der Bauingenieur Neşet Danış von Grauen Wölfen zu Tode geprügelt.
  • 05. Januar 1980: In Berlin Kreuzberg greifen Graue Wölfe eine Gruppe Kommunist:innen an, dabei töten sie den Lehrer und Gewerkschafter Celalettin Kesim.
  • 13. Mai 1981: Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis begeht Mehmet das Graue Wölfe-Mitglied Ali Ağca auf dem Petersplatz in Rom ein Attentat auf Papst Johannes Paul II.
  • 03. Mai 1984: Mitglieder der Grauen Wölfe verüben einen Anschlag auf ein Mahnmal für den Völkermord an den Armenier:innen in einem Pariser Vorort. Dabei zerstören drei Bomben das Denkmal und verletzen 13 Menschen.

Rechtsextremistische türkische Organisation: Grüne fordern Verbot der Grauen Wölfe

Neben der Linkspartei fordern auch die Grünen ein Verbot der rechtsextremen Grauen Wölfe in Deutschland. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland sprachen sich am Donnerstag (05.11.2020) die Abgeordneten Cem Özdemir, Irene Mihalic und Konstantin von Notz für ein Verbot aus. Für ein solches wolle die Partei im Bundestag die Regierungsfraktionen von einem gemeinsamen Verbotsantrag überzeugen. Die Grauen Wölfe bezeichnen sie in diesem Zusammenhang als „den verlängerten Arm Erdogans“ und beschuldigen Anhänger:innen der Organisation Hass zu schüren und sich an Gewaltakten zu beteiligen.

Anhänger:innen der Grauen Wölfe zeigen den sogenannten Wolfsgruß.

Ideologie der Grauen Wölfe: Rassismus und Nationalismus

Die Bundeszentrale für politische Bildung bescheinigt den Grauen Wölfen eine Ideologie übersteigerten Nationalbewusstseins, dem ein rassistisch geprägtes Menschenbild zugrunde liege. Verschiedene Expert:innen beobachten zudem verstärkt auch islamistische Züge. Der sogenannte Wolfsgruß, bei dem Daumen und Finger des rechten ausgestreckten Arms den Kopf eines Wolfs formen, gelte als das Erkennungszeichen der Grauen Wölfe.

In der Türkei haben die Grauen Wölfe enge Verbindungen zur ultrarechten Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) und gelten als ihr paramilitärischer Arm. Die MHP ist ein Bündnispartner der regierenden AKP von Präsident Erdogan. (Joel Schmidt) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Rubriklistenbild: © Shabtai Gold/dpa

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