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Eine F-18 über der Arabischen See. Fernziel ist der Schrottplatz.

Rüstung

Veraltete Atombomber für noch ältere Kampfflieger

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Der nächste Rüstungsskandal bahnt sich an: Nun sollen überflüssige US-Flugzeuge gekauft werden. Die FDP verlangt noch unsinnigere Anschaffungen.

Die deutsche Regierungskoalition will ihren Streit um die Neubestellung von Kampfflugzeugen offenbar mit einem Stufenmodell lösen. Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Johann Wadephul (CDU) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die für die SPD schwierige Entscheidung für ein Modell der US-Firma Boeing könne bis nach 2021 verschoben werden. „Das werden wir erst im nächsten Koalitionsvertrag regeln.“ Schnell entschieden werden solle aber die Beschaffung neuer Eurofighter von Airbus.

„Die erste Tranche von 40 Eurofightern könnten wir noch vor der Sommerpause bestellen“, sagte Wadephul. Eine weitere Tranche würde rund 45 Flieger umfassen. Es bliebe ein vom Verteidigungsministerium festgestellter Restbedarf von rund 45 weiteren Flugzeugen. Sie sollen die vor bis zu 40 Jahren angeschafften Tornado-Kampfflugzeuge und zum Teil auch veraltete Eurofighter ersetzen. Eine Entscheidung von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer wird noch vor Ostern erwartet. Ihr Ministerium tendiert zur einer Anschaffung von 90 Eurofightern und 45 US-Flugzeugen des Typs F18 – und damit gegen eine rein europäische Lösung. Dies liegt auch an einer bestimmten Anforderung an zumindest einen Teil der Flugzeuge im Rahmen der Nato: Sie sollen nukleare Kampfmittel der USA transportieren können. Die Befürchtung ist, dass das notwendige Zertifizierungsverfahren der US-Behörden für europäische Flugzeuge sehr lange dauern würde. Die Bundesregierung ist außerdem generell bemüht, die USA unter ihrem nationalistisch auftretenen Präsidenten Donald Trump in multilateralen Abkommen zu halten.

Im Arsenal

Panavia Tornado,ein deutsch-britisch-italienischer Jagdbomber, wird seit 1980 verwendet. Gedacht war er für den Atomkrieg mit dem Ostblock.

Die F/A-18wurde von den USA 1983 in Dienst gestellt und ist dem Tornado technisch wie altersmäßig vergleichbar. Die USA verwenden sie praktisch ausschließlich auf ihren Flugzeugträgern. Andere Staaten benutzen sie von Land aus. Im Prinzip aber ist der Typ überholt.

Die F-35, die allenthalben als Nachfolgerin der F-18 gehandelt wird, gilt wie auch der (auch schon nicht mehr ganz taufrische) Eurofighter als überzüchtete und überteuerte Fehlkonstruktion. Für die seit spätestens 2001 vorherrschende „asymetrische Kriegsführung“ ist keines der genannten Flugzeuge geeignet. (rut)

Die sogenannte nukleare Teilhabe wird in Teilen der SPD als Problem gesehen. Vize-Fraktionschefin Gabriela Heinrich warnte: „Es ist jetzt nicht die Zeit für schnelle Entschlüsse.“ Ein Kauf von US-Flugzeugen würde zudem bedeuten, dass man deutsches Steuergeld „nicht in Arbeitsplätze in Deutschland und Europa investiert“.

Die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Marie-Agnes Strack-Zimmermann forderte, schon jetzt eine Entscheidung über den Gesamtbedarf an Kampfflugzeugen zu treffen. „Es ist ein Wahnsinn, weitere anderthalb Jahre zu warten.“ Es könne nicht sein, dass Deutschland Entscheidungen verschiebe und erwarte, dass andere Nato-Bündnispartner die entsprechenden Fähigkeiten übernehmen. „Das ist keine Bündnissolidarität.“

Auch nicht nachvollziehbar sei es, dass das Verteidigungsministerium sich offenbar für die F18 entschieden hat. Die werde vom Hersteller selbst als älteres Modell bezeichnet. „Wenn wir schon Geld in die Hand nehmen, sollten wir das modernste Kampfflugzeug nehmen, die F35.“

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