Venezuela

Guaidós Strippenzieher in Washington

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Das Weiße Haus setzt seit Langem auf einen Machtwechsel in Venezuela – aus vielen Gründen.

Der Terminkalender von Marco Rubio spricht Bände: In der vergangenen Woche war der Senator im Oval Office zu Gast, um persönlich mit dem US-Präsidenten die nächsten Schritte in der Venezuela-Politik zu besprechen. Und am gestrigen Dienstag traf sich der 47-Jährige mit Admiral Craig Faller. Der hochrangige Offizier ist gerade von einer Südamerika-Reise zurückgekehrt, auf der er die Stimmungslage in den Nachbarländern des Krisenherdes sondieren sollte. 

Es ist offensichtlich, wer in Washington – mit Blick auf Caracas – die Fäden zieht: Rubio, der aufstrebende Konservative, dessen Eltern einst selbst aus Kuba flüchteten. Er fordert seit Wochen eine harte Linie gegenüber dem ölreichen Land. So soll die Formulierung von Präsident Donald Trump, dass „alle Optionen auf dem Tisch liegen“, auf ihn zurückgehen. Eine Drohung, die der Kongress gerade wieder hitzig diskutiert, zumal sie von Trumps Sicherheitsberater John Bolton persönlich befeuert wird. 

Boltons Zettel irritiert 

Als der am Montag vor die Kameras trat, um Sanktionen gegen Venezuela anzukündigen, hielt er einen Sprechzettel in der Hand, der in dem kleinen Presseraum des Weißen Hauses für mehrere Journalisten gut sichtbar war: „5000 Soldaten für Kolumbien“, stand dort handschriftlich notiert. Die Notiz erwähnte Bolton zwar nicht, aber das Weiße Haus bestätigte am Abend, dass weiterhin keine Reaktion auszuschließen sei. Die US-Administration legt plötzlich eine Entschiedenheit in ihrer Außenpolitik an den Tag, die an so manche Vorgängerregierung erinnert. 

Anders als es viele Beobachter erwartet hatten, vermeidet Trump bisher aber den Fehler früherer US-Präsidenten und bemüht sich um eine stabile Allianz mit anderen lateinamerikanischen Staaten, um den Konflikt in Venezuela in seinen Sinne zu lösen. Von Beginn seiner Amtszeit hatte sich Trump regelmäßig über die Lage in Venezuela informieren lassen und nach Möglichkeiten Ausschau gehalten, Nicolás Maduro zu stürzen. 

Washingtons Motive sind sicher nicht uneigennützig, vielmehr geht es darum, den Einfluss von China und Russland in der Region zu begrenzen. Trump und sein Vize Mike Pence bringen dafür sogar die Monroe-Doktrin aus dem 19. Jahrhundert ins Spiel, nach der die USA eine besondere Verantwortung für den amerikanischen Doppelkontinent hätten. 

Ob diese Strategie aufgeht? Juan Guaidó, der von den USA unterstützte, selbsternannte Übergangspräsident Venezuelas, sieht den Machtwechsel näherrücken. Der Druck und Sanktionen würden wirken: „Wir stehen näher an der Freiheit Venezuelas als jemals zuvor“, rief Guaidó am Montag seinen Anhängern zu. 

Auch Senator Rubio zeigt sich zuversichtlich – wohlwissend, was seine eigene Stammwählerschaft von ihm erwartet. Der Einfluss der Exil-Venezolaner und -Kubaner in seinem Wahlkreis ist enorm. In dem „Swing State“ Florida könnten sie den Ausschlag geben.

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