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Die Rufe nach Neuwahlen werden immer lauter – nicht nur in Venezuela, auch international.

Venezuela

Russland und die Angst vor der Krise

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Putin unterstützt Maduro nicht nur aus wirtschaftlichem Interesse.

Die destruktive äußere Einmischung trete die Prinzipien des internationalen Rechts grob mit Füßen, erklärte Wladimir Putin. Der russische Präsident hatte am Donnerstag seinen wackelnden venezolanischen Kollegen Nicolás Maduro persönlich angerufen, um ihm Russlands Unterstützung zuzusichern. Außenminister Sergej Lawrow schimpfte, in Venezuela werde wieder einmal die Souveränität eines Staates verletzt. Dass die USA Juan Guaidó, den alternativen Präsidenten der Opposition, so prompt anerkannten, spreche dafür, dass sie ihre Finger im Spiel hätten. Regierungschef Dmitri Medwedew aber schrieb auf Facebook, die USA spuckten „auf Anstand und internationales Recht, und vor allem – auf Menschenleben“.

Russlands Führung stärkt dem umstrittenen Maduro im venezolanischen Machtkampf massiv den Rücken. Moskaus Diplomaten und Spitzenpolitiker warnen die USA vor militärischem Eingreifen, laut Vizeaußenminister Sergei Rjabkow „ein katastrophales Szenario“. Die Internetzeitung „Bell“ berichtet, ein Privatjet aus Moskau sei am Mittwoch in der Hauptstadt Caracas gelandet. In kremlnahen Kreisen gehen Gerüchte, dass an Bord eine Gruppe russischer Polittechnologen gewesen sei, die Maduro unterstützen sollen.

Der Kreml hat in Venezuela einiges zu verlieren. Der Linkspopulist Maduro gilt wie sein Vorgänger Hugo Chávez als lautstärkster Anhänger Putins auf dem südamerikanischen Kontinent. Venezuela gehört zu der Handvoll Länder, die die von Russland kontrollierten Rebellenrepubliken Abchasien und Südossetien staatlich anerkannt haben. Chávez besuchte Moskau achtmal, Maduro bisher viermal. Und wie die meisten Verbündeten Russlands hielten sie dabei die Hände auf: Nach seinem bisher letzten Besuch im Kreml verkündete Maduro im vergangenen Dezember, Russland wolle weitere sechs Milliarden Dollar in die Rohstoffwirtschaft Venezuelas stecken, außerdem 600 000 Tonnen Getreide liefern.

Venezualas Armee hat sich laut der Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ seit 2005 für 12 Milliarden Dollar mit russischen Waffensystemen eingedeckt. Und von 2006 bis 2017 investierte Russland insgesamt 17 Milliarden Dollar an Krediten in das immer bankrottere Venezuela. Mit der Rückzahlung hapert es. Der russische Staatskonzern Rosneft streckte Venezuela 2017 sechs Milliarden Dollar für Öllieferungen vor. Bis zum vergangenen September wurden davon nur 2,9 Milliarden getilgt, ohne Zinsen. Angesichts der Unruhen in Caracas fiel der Aktienwert von Rosneft allein am Donnerstag um 1,5 Milliarden Dollar – der Markt zweifelt, ob die Russen ihr Geld wiedersehen. Selbst die kremlnahe Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ stöhnt über den „venezolanischen Sumpf, in dem Russland jeden Tag neues Geld und Reputation versenkt“.

Wladimir Putin aber folgt seiner eigenen Logik. „Der Kreml fürchtet“, schreibt „Wedomosti“, „die Krise dieser autoritären Ölmacht könne sich auch in Russland wiederholen.“ Bei Guaidó handele es sich offensichtlich um eine Figur der USA, sagt der Politologe Alexei Muchin. „Die USA wollen in Venezuela einen Staatsstreich durchsetzen. Eine dort durchaus traditionelle Form des Machtwechsels, aber bei allen nationalen Besonderheiten folgt sie dem gleichen Schema wie der Maidan-Aufstand in der Ukraine.“

Aus Moskauer Perspektive handelt es sich also wieder um vom Westen angezettelte Straßenproteste, die die Existenz eines prorussischen Regimes bedrohen. Oder wie der TV-Kanal „Zargrad“ titelt: „Das ist ein Schlag nicht gegen Maduro, sondern gegen Russland.“

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