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Staatschef Maduro stützt sich im derzeitigen Machtkampf vor allem auf die Armee.

Venezuela

USA fordern Militär auf, sich von Maduro loszusagen

Maduro spricht sich für eine vorgezogene Wahl noch 2019 aus - die USA fordern das Militär auf, Guaidó zu unterstützen. Mehr als hunderttausend Venezolaner demonstrieren in Caracas für den Interimspräsidenten.

Der Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, hat das venezolanische Militär aufgerufen, sich vom umstrittenen Staatschef Nicolás Maduro loszusagen und den selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó zu unterstützen.

Bolton erklärte am Samstag im Kurzbotschaftendienst Twitter, die USA forderten alle Armeeangehörigen auf, dem Beispiel des venezolanischen Luftwaffengenerals Francisco Yánez zu folgen. Dieser hatte sich am Samstag als bislang ranghöchster Militärvertreter gegen Maduro gestellt.

Maduro: vorgezogene Parlamentswahlen noch 2019

Venezuelas umstrittener Staatschef Nicolás Maduro hat sich für eine vorgezogene Parlamentswahl noch in diesem Jahr ausgesprochen. Auf der Agenda der Verfassungsgebenden Versammlung stehe eine Prüfung, die eigentlich für 2020 vorgesehene Parlamentswahl vorzuziehen, und er sei damit „einverstanden“, sagte Maduro am Samstag in Caracas vor seinen Anhängern.

Im Parlament hat die Opposition das Sagen, Parlamentspräsident Juan Guaidó hatte sich am 23. Januar zum Interims-Staatschef erklärt. Die USA, Kanada und mehrere lateinamerikanische Länder erkennen Guaidó als amtierenden Präsidenten von Venezuela an. Deutschland und mehrere andere europäische Länder haben Maduro bis Sonntag Zeit gegeben, um Neuwahlen zur Präsidentschaft anzusetzen. Andernfalls wollen auch sie Guaidó als Interimsstaatschef anerkennen.

Mehr als hunderttausend Venezolaner demonstrieren in Caracas für den selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó.

Um den Druck auf Maduro zu verstärken, hatte Guaidó für Samstag zum „größten Protestmarsch in der Geschichte Venezuelas und unseres Kontinents“ aufgerufen. Außer zehntausende seiner Anhänger demonstrierten aber auch Unterstützer Maduros. Dessen Rede bei der Abschlusskundgebung seiner Anhänger war sein erster Auftritt in der Öffentlichkeit seit einem angeblichen Anschlagsversuch gegen ihn mit zwei mit Sprengstoff beladenen Drohnen Anfang August.

Guaidò sieht Machtwechsel kurz bevor stehen

Mehr als hunderttausend Venezolaner haben Schätzungen zufolge in Caracas für den selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó demonstriert. Der Machtwechsel stehe unmittelbar bevor, sagte der 35-jährige Anführer der Opposition bei einer Rede vor seinen Anhängern. „Wir schwören: Wir bleiben auf den Straßen, bis es Freiheit, eine Übergangsregierung und Neuwahlen gibt“, sagte Guaidó unter dem Applaus der Menge. Zeitgleich fanden in mehreren Städten des Landes Kundgebungen für Guaidó und gegen den umstrittenen Staatschef Nicolás Maduro statt. In Caracas versammelten sich auch Zehntausende Anhänger der sozialistischen Regierung.

Guaidó begrüßte die Unterstützung eines Luftwaffengenerals, der sich wenige Stunden zuvor von Maduro losgesagt und dem Kommando von Guaidó unterstellt hatte. „Alle Funktionäre (der Regierung Maduros), die die Verfassung anerkennen, sind willkommen“, sagte Guaidó. Den Militärs sei eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau Venezuelas sicher. Überwiegend hält das Militär aber noch zu Maduro.

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Der Parlamentsvorsitzende kündigte die Bildung einer internationalen Koalition an, um den humanitären Notstand in Venezuela mit Lebensmitteln und Medikamenten zu lindern. Hilfslieferungen würden schon bald eintreffen. „Wir befinden uns auf dem richtigen Weg, brauchen aber noch einen kleinen Anschub“, sagte Vize-Parlamentschef Stalin González vor der Menschenmenge. Der Parlamentarier rief zu Einheit und Versöhnung auf. Freie Wahlen könnten aber nicht unter der Regie der gegenwärtigen Behörden stattfinden und müssten die Teilnahme aller Exil-Venezolaner erlauben.

Mit der Kundgebung will Guaidó auch das Ultimatum von vier europäischen Staaten an Maduro unterstützen: Deutschland, Spanien, Frankreich und Großbritannien haben dem bedrängten Linksnationalisten bis Sonntag Zeit gegeben, Neuwahlen zur Präsidentschaft anzusetzen. Sollte er das nicht tun, wollen sie Guaidó als Interimsstaatschef anerkennen – so wie vor ihnen bereits die USA, Kanada und mehrere lateinamerikanische Staaten.

Parallel zur Oppositionskundgebung veranstaltete die Regierung eine Gegendemonstration im Zentrum von Caracas. Anlass war nach offiziellen Angaben der 20. Jahrestag der Machtübernahme von Maduros Mentor und Vorgänger Hugo Chávez. Zehntausende Anhänger der sozialistischen Regierung kamen rund fünf Kilometer von der Oppositionsdemo entfernt zusammen.

Rund 40 Menschen seit 21. Januar in Venezuela getötet 

Seit Beginn der jüngsten Unruhen am 21. Januar wurden in Venezuela nach UN-Angaben rund 40 Menschen im Zusammenhang mit den Protesten getötet, mehr als 850 wurden festgenommen. Bei zwei vorangegangenen Protestwellen 2014 und 2017 wurden rund 200 Menschen getötet.

Trotz enormen Ölreichtums hat Venezuela einen jahrelangen wirtschaftlichen Niedergang hinter sich. In dem Land herrscht Hyperinflation – der Internationale Währungsfonds rechnet für das laufende Jahr mit einer Teuerungsrate von zehn Millionen Prozent. Selbst Artikel des täglichen Grundbedarfs sind kaum mehr zu kaufen. Seit 2015 haben rund 2,3 Millionen Venezolaner ihr Land verlassen.

Maduro stützt sich im derzeitigen Machtkampf vor allem auf die Armee. Zu seinen ausländischen Verbündeten zählen Russland und China. (afp/dpa)

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