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Der Neue? Juan Guaidó auf der Demonstration, bei der er sich zum Interimspräsidenten ernannte

Venezuela

Maduro oder Guaidó - wer herrscht in Venezuela?

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In Venezuela beanspruchen sowohl Nicolás Maduro als auch Juan Guaidó das Präsidentenamt für sich. Die Fronten verhärten sich.

Nicolás Maduro sprach vom Balkon des Präsidentenpalastes Miraflores. Sein Kontrahent Juan Guaidó installiere eine Marionettenregierung der USA, rief er seinen Anhängern zu. Er nahm die venezolanische Fahne in die Hand und signalisierte damit: Er, nur er repräsentiere die nationale Souveränität Venezuelas. Doch draußen in der Stadt versammelten sich seine Gegner. 

Erst waren es Tausende, dann Zehntausende und schließlich Hunderttausende, die Guaidó und einen Regierungswechsel unterstützen. Im ganzen Land die gleichen Bilder: Die zuletzt kaltgestellte Opposition mobilisiert wieder die Massen. 

Vereinzelt kommt es zu Plünderungen und Ausschreitungen. Insgesamt 13 Tote soll es laut venezolanischen Nichtregierungsorganisationen in den vergangenen, turbulenten 48 Stunden in Venezuela gegeben haben. Die NGO Foro Penal berichtet über 175 Festnahmen allein am Mittwoch. Vom Bischof von Maturin stammt die Nachricht, dass die Nationalgarde vorübergehend die Kathedrale umstellte, in die sich mehrere Hundert Gläubige zurückgezogen hatten. Sie konnten verängstigt nach mehreren Stunden die Kirche unbehelligt verlassen. 

Bald der Alte? Nicolás Maduro zeigt sich auf diesem offiziellen Foto seinen Anhängern.

Der 23. Januar ist wieder einmal ein historischer Tag in der Geschichte des südamerikanischen Landes. Jenes schicksalhafte Datum, an dem im Jahr 1958 Diktator Marcos Perez Jimenez das Land verließ und in den USA um Exil bat. Kubas Revolutionsführer Fidel Castro kam ein Jahr später nach Caracas und forderte die Revolutionen des Kontinentes auf zusammenzuhalten.

Seit dem 23. Januar 2019 hat Venezuela zwei Präsidenten: den Sozialisten Nicolás Maduro, dessen Wahlsieg vor ein paar Monaten hochumstritten war, weil alle aussichtsreichen Kandidaten von dem Urnengang ausgeschlossen waren oder sie ihn deswegen boykottierten. Und Juan Guaidó – den Ingenieur und Absolventen der Katholischen Universität Andres Bello, dem mit seinen 35 Jahren innerhalb von nur wenigen Wochen nach seiner Wahl zum Parlamentspräsidenten, anschließender Verhaftung durch den Inlandsgeheimdienst und Vereidigung zum Gegenpräsidenten ein kometenhafter Aufstieg aus den hinteren Reihen der venezolanischen Opposition auf die Titelseiten der Weltpresse gelang.

Demonstrieren gegen Maduro

Portraits von Demonstranten die gegen Nicolas Maduro auf die Straße gehen. © afp
Portraits von Demonstranten die gegen Nicolas Maduro auf die Straße gehen. © rtr
Portraits von Demonstranten die gegen Nicolas Maduro auf die Straße gehen. © rtr
Portraits von Demonstranten die gegen Nicolas Maduro auf die Straße gehen. © rtr
Portraits von Demonstranten die gegen Nicolas Maduro auf die Straße gehen. © afp
Portraits von Demonstranten die gegen Nicolas Maduro auf die Straße gehen. © afp
Portraits von Demonstranten die gegen Nicolas Maduro auf die Straße gehen. © afp

Quasi im Stundentakt trafen die Meldungen aus den Schaltzentralen der Macht ein: Russland, Mexiko, die Türkei und natürlich Kuba stellten sich hinter Maduro. Die USA, Kanada, Brasilien, Kolumbien, Chile und Argentinien hinter Guaidó. Eine Pattsituation, die kaum auflösbar ist.

Maduro kann sich bislang auf die loyalen Streitkräfte verlassen. Verteidigungsminister Vladimir Padrino Lopez versprach, Maduro und die Verfassung verteidigen zu wollen. Maduro ist offenbar zum Äußersten bereit: „Hier geht niemand unter, hier gehen wir zum Kampf“, rief Maduro seinen Anhängern zu. 

Selbst wenn Maduro an der Macht bleiben sollte, wird die Lage für ihn nun erheblich komplizierter, denn sein Gegenpräsident hätte in jenen Ländern, in denen er als rechtmäßiger Staatschef anerkannt wird, theoretisch Zugang zu staatlichen Vermögen oder staatlichen Betrieben. 

Und da ist auch noch eine Bevölkerung, die sich zu großen Teilen von Maduro losgesagt hat. Eine weitere massive Fluchtwelle wäre unausweichlich, die würden aber die betroffenen Nachbarn Kolumbien und Brasilien wohl kaum akzeptieren. 

Sie haben sich auf die Seite Guaidós geschlagen. Der setzt dem das Versprechen von Neuwahlen und eine Übergangsregierung entgegen. Maduro konterte, nur das venezolanische Volk könnte ihn aus dem Amt jagen. Was fehlt, ist eine von allen Seiten akzeptierte Vermittlungsfigur. Die könnte gar nicht so weit weg sein: Papst Franziskus ist an diesem historischen Mittwoch in Panama gelandet. Von ihm erwartet ganz Lateinamerika ein Signal – Gegner wie Anhänger der beiden Präsidenten. 

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