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Oppositionsführer Juan Guaido ruft die Bevölkerung Venezuelas zu Massenprotesten auf. 

Venezuela

Guaidó bläst zum Sturm auf Caracas

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Der Oppositionsführer erhöht den Druck auf Venezuelas Staatschef und ruft zu Massenprotesten auf. Ein Stromausfall lähmt die Proteste.

Juan Guaidó stand auf einem Autodach statt auf einer Tribüne, und er schrie sich die Seele aus dem Leib. Denn anstelle eines Mikrofons und Lautsprechern hatte er nur ein Megafon zur Verfügung. Venezuelas Opposition hatte sich diesen Samstag mächtiger, lauter und imposanter vorgestellt. Doch ein massiver Stromausfall und die Staatsmacht verhinderten, dass der Oppositionschef in Caracas gewohnt laut zu seinen Anhängern sprechen und gegen die Regierung von Machthaber Nicolás Maduro wettern konnte.

Den Aufbau der Tribüne für die Oppositionskundgebung verhinderten Polizisten im Morgengrauen. Und der Stromausfall sorgte dafür, dass den selbsternannten Staatschef nur ein paar Hundert Menschen wirklich gut hören konnten, als er seine Anhänger zu weiteren Protesten gegen die chavistische Regierung animierte und zu einem Marsch auf die Hauptstadt aufrief. „Sie denken, sie könnten uns Angst machen“, rief Guaidó. Aber sie werden sich wundern. Sie haben keine Chance ein Volk aufzuhalten, das entschieden ist, die Usurpation zu beenden. Wir werden alle zusammen nach Caracas kommen“, sagte der 35-Jährige vor seinen jubelnden Anhängern. Auch sie waren weniger als erwartet, denn die Metro fuhr in Caracas nur sporadisch.

Stromausfall behindert Kundgebungen von Guaidó und Maduro

Es war ein Samstag von so vielen in den vergangenen Wochen in der venezolanischen Hauptstadt. Guaidó und Maduro, die beide die Präsidentschaft des südamerikanischen Landes für sich in Anspruch nehmen, hatten zu Großkundgebungen aufgerufen. Der eine, um die Macht der Regierung weiter zu schwächen, der andere, um gegen den „Imperialismus“ der USA zu protestieren.

Aber beide Kundgebungen litten unter den Unwägbarkeiten, die der Stromausfall mit sich bringt, der seit Donnerstagabend große Teile Venezuelas in ein dunkles und stillstehendes Land verwandelt hat. Genau zur Mittagszeit, als sich die Anhänger beider Lager auf den Weg zu den Kundgebungen machten, fiel in Caracas erneut der Strom aus, der erst am Vorabend zurückgekehrt war. Während Guaidó die chavistische Misswirtschaft verantwortlich machte, sieht Maduro hinter dem Ausfall Cyberangriffe der USA.

Guaidó, der sich am 23. Januar zum Präsident ernannt hatte, will in den kommenden Tagen ganz Venezuela bereisen und die Menschen von seinem Plan eines Marsches auf Caracas überzeugen. Am Ende dieser Rundreise will Guaidó dann das Datum für den Sternmarsch bekanntgeben. Aber man hat das Gefühl, dass dem Politiker, den die halbe Welt anerkennt, ein wenig die Ideen ausgehen, wie man die Chavisten von der Macht verdrängen kann. Maduro sitzt fester auf seinem Präsidentensessel im Miraflores-Palast, als es viele seiner Gegner wahrhaben wollen.

Angesichts dessen betonte Guaidó einmal mehr, dass er notfalls auch auf eine Intervention aus dem Ausland setze, um den autoritären Machthaber abzulösen. Vor zwei Wochen erst hatten sich die Staaten Lateinamerikas, die in der sogenannten Lima-Gruppe zusammengeschlossen sind, ganz klar gegen einen Militäreinsatz zum Sturz des Staatschefs in Venezuela ausgesprochen.

Die friedenspolitische Initiative Aachener Friedenspreis fordert ein sofortiges Ende aller Sanktionen gegen Venezuela. Venezuela sei ein souveräner Staat, erklärte der Arbeitskreis Antimilitarisierung des Vereins der Nachrichtenagentur epd zufolge am Wochenende in Aachen. Maduro sei der gewählte Präsident Venezuelas. Die Anerkennung des selbst ernannten Übergangspräsidenten Guaidó durch die US-Regierung, die Bundesregierung und andere Staaten sei mit dem Völkerrecht nicht vereinbar.

Auch die geforderten sofortigen Neuwahlen entbehrten jeglicher Grundlage, hieß es. Der Arbeitskreis forderte die Bundesregierung auf, „sich aus den inneren Angelegenheiten Venezuelas herauszuhalten und sich vielmehr dafür einzusetzen, dass alle Sanktionen der EU und anderer Staaten gegen Venezuela aufgehoben werden“.

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