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Ein schickes Selfie gibt der siebte „Cumbre de las Américas“ auf jeden Fall her.

Kuba Venezuela Öl

Venezuela dreht Kuba den Ölhahn zu

  • Klaus Ehringfeld
    vonKlaus Ehringfeld
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Über Jahre war Venezuela der wichtigste Handelspartner von Kuba. Das könnte sich bald ändern: Wegen einer tiefen Wirtschaftskrise reduziert Venezuela die Öllieferungen zum Vorzugspreis an Kuba um die Hälfte. Für Havanna ist das günstige schwarze Gold lebenswichtig.

Es ist ein Moment leichter Entfremdung, in dem sich Venezuela und Kuba auf dem Amerika-Gipfel treffen. Das Verhältnis zwischen den Präsidenten Nicolás Maduro und Raúl Castro war nie so innig wie das von Fidel Castro und Hugo Chávez, die eine Seelenverwandtschaft verband und die sich als Erneuerer Lateinamerikas verstanden.

Maduro und Raúl Castro fehlt das Visionäre ihrer Vorgänger. Sie sind eher pragmatische Verwalter einer Freundschaft, die von dem umfassenden „Kooperations-Abkommen“ bestimmt wird, das Caracas 2003 mit Havanna schloss und Venezuela zu Kubas Hauptfinanzier, wichtigstem Handelspartner und verlässlichstem Verbündeten macht. Ein Drittel seines gesamten Handels wickelt die Insel mit Venezuela ab. Der südamerikanische Bruderstaat liefert vor allem Öl auf die Insel, und diese zahlt mit Lehrern, Ärzten, Trainern und Sicherheitsexperten. Venezuela ist seit langem faktisch der Lebensretter des klammen Kuba.

Öl ist Devisenquelle für Kuba

Aber die tiefe Krise, die Venezuela durchlebt, zwingt das Land dazu, Kuba die Versorgungsader nach und nach abzuschnüren. Die britische Barclays-Bank war vor einer Woche die erste Quelle, die genaue Zahlen zu den Einschnitten bei der Bruderhilfe nannte. Demnach hat Venezuela seine Öllieferungen zum Vorzugspreis an 17 befreundete und arme Staaten in der Karibik um die Hälfte reduziert. Damit reagiert Caracas auf die Wirtschafts- und Finanzkrise, hervorgerufen zum großen Teil von dem dramatischen Verfall des Ölpreises in den vergangenen Monaten. Die venezolanische Mischung wird gegenwärtig mit rund 50 Dollar gehandelt, was rund der Hälfte ihres Höchststandes der vergangenen Jahre entspricht.

Besonders betroffen von den Einschnitten ist laut dem Barclays-Bericht „Reducing Generosity“ (etwa: „Weniger freigiebig“) Kuba. Havanna erhält demnach seit September nur noch 55.000 Fass Öl anstatt der 110.000 Fass, die noch 2012 geliefert wurden. Eine Bestätigung oder ein Dementi aus Havanna oder Caracas gibt es nicht. Aber nach einem Bericht der venezolanischen Tageszeitung „El Nacional“ unter Bezugnahme auf den früheren Ölminister Rafael Ramírez wurden die Lieferungen an Kuba im vergangenen Jahr um bis zu 32 Prozent reduziert.

Für Kuba sind die venezolanischen Öllieferungen lebenswichtig. Das schwarze Gold, zum Vorzugspreis und mit gestundeter Zahlung, ist Treibstoff für Wirtschaft und Fuhrpark des Landes. Aber es ist auch eine wichtige Devisenquelle. Denn einen Gutteil des Öls verkaufte die Inselregierung auf dem Weltmarkt weiter. Allein so flossen vergangenes Jahr 765 Millionen Dollar in die kubanische Staatskasse. Mit den Liefereinschränkungen wird der Weiterverkauf nicht mehr möglich sein.

Kredite in Milliardenhöhe werden fällig

Aber gerade diese Zusatzeinnahmen durch die Weiterveräußerung des Öls brauchte Havanna dringend zum Kauf von Nahrungsmitteln. Denn das Land muss jedes Jahr für zwei Milliarden Dollar Lebensmittel importieren, um die Mindestversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Die Insel ist selbst nur in der Lage, 40 Prozent ihrer benötigten Nahrungsmittel zu produzieren. Die Annäherung an die USA nun interpretieren viele Experten vor dem Hintergrund dann auch vor allem als den Versuch, die wegbrechende venezolanische Unterstützung durch die der USA zu ersetzen. Mehr Touristen, mehr Auslandsüberweisungen und künftig vor allem viele Investitionen aus den Vereinigten Staaten sollen die Einbußen durch das fehlende venezolanische Öl wettmachen.

Dass die Maduro-Regierung die Lieferungen an die Verbündeten und Bedürftigen in der Karibik überhaupt noch aufrechterhält, ist angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage verwunderlich. 96 Prozent der Staatseinnahmen hängen am Erdölverkauf. Und wenn die Einnahmen plötzlich um die Hälfte schwinden, ist es riskant, einen Großteil der Erdölproduktion weiterhin praktisch zu verschenken. Das Land des „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ steht selbst vor einer massiven Versorgungskrise, die Wirtschaft schrumpft dramatisch, und dieses Jahr werden Kredite von mehr als 30 Milliarden Dollar fällig.

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