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Der Vatikan mit Papst Johannes Paul II. an der Spitze zieht weiter seine diplomatischen Fäden gegen einen US-Militärschlag in Irak.

Vatikanische Warnungen

Kein Krieg, mahnt das katholische Rom - anders als Berlusconi

Von Horst Schlitter (Rom)

Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano, als langjähriger Nuntius in Südamerika diplomatisch geübt, hob bei seiner Warnung am Donnerstag keineswegs nur auf moralische Argumente ab. US-Präsident George W. Bush müsse sich vielmehr fragen lassen, "ob sich ein Krieg auszahlt", erklärte Sodano italienischen Zeitungen zufolge: Krieg gegen Irak bedeute für die USA, sich gegen eine Milliarde Muslimen zu stellen und ein Jahrzehnt der Feindschaft der islamischen Welt in Kauf zu nehmen. Einen amerikanischen Freund habe er einmal gefragt, ob die USA die Lektion Vietnam noch nicht gelernt hätten. Gewiss sei der 11. September ein harter Schlag für die Amerikaner gewesen, "aber auch das Unternehmen Afghanistan läuft nicht gerade gut". Der ranghöchste Sprecher Papst Johannes Pauls II. fügte hinzu: "Wir sind gegen den Krieg, ob er nun präventiv ist oder nicht. Jedenfalls geht es nicht um einen Verteidigungskrieg."

Aus aktuellem Anlass hatte der Leiter der päpstlichen "Regierung" einige "Vaticanisti" - journalistische Vatikan-Experten - zu einem Informationsgespräch in die italienische Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom eingeladen. Sodano räumte ein, die Mitarbeiter des Vatikans würden oft als Idealisten angesehen, "und das sind wir ja auch zum Teil". Zugleich seien sie aber auch Realisten und wüssten, dass der Schlüssel zur Frage Krieg oder Frieden sich in den Händen von USA und Großbritannien befindet. Diplomatisch drückte der Kardinalstaatssekretär die Hoffnung aus, Ministerpräsident Berlusconi, der am Donnerstag in Washington mit US-Präsident Bush zusammentreffen sollte, habe wohl eine Vorstellung, "woher der Wind weht". Berlusconi selbst gibt sich nicht als bedingungsloser Kriegsbefürworter. Immerhin kommentierte er nach seinem Besuch bei Premierminister Tony Blair in London, der Krieg sei nur schwer zu vermeiden. Zunächst müsse aber die Stellungnahme des UN-Sicherheitsrats gehört werden. Als Begründung seiner Position für einen Schlag gegen Irak nennt er: "Wir müssen fest zur Nato stehen. Heute entscheidet sich unsere unerschrockene Einstellung an der Seite befreundeter Staaten gegen den Terrorismus."

Der Papst ist bei seinen Stellungnahmen zur Kriegsgefahr eindeutig. Beim Neujahrsempfang der beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten formulierte er ein klares "Nein zum Krieg". Krieg sei nie Schicksal, er sei immer eine Niederlage der Menschlichkeit. Auch wenn es darum gehe, das allgemeine Wohl zu verteidigen, sei ein Krieg unerlaubt - es sei denn als letztes Mittel. Wegen dieser Einschränkung indes wird der Papst auch von Kriegsbefürwortern zitiert.

Die vatikanischen Publikationsorgane hatten schon seit Monaten gegen einen Irak-Konflikt Front gemacht. Pater Pasquale Borgomeo, Generaldirektor von Radio Vatikan, sagte, selbst die stärkste Macht der Welt müsse den Untersuchungen der Vereinten Nationen folgen. Das päpstliche Sprachrohr Osservatore Romano mahnte kurz vor Weihnachten: "Während die Schatten des Krieges länger werden, müssen die Völker sich bemühen, die Schlacht um den Frieden zu gewinnen."

Dossier: Krieg gegen Irak?

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