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Bischof Williamson kehrt nach Europa zurück - und entschuldigt sich offiziell für seine Holocaust-Leugnung.

Holocaust-Leugner

Vatikan reicht Entschuldigung nicht

Kaum zurück in Europa, zeigt sich Skandal-Bischof Richard Williamson einsichtig - trotzdem muss er mit juristischer Verfolgung rechnen.

London/Rom/Brüssel. Mit seiner unzureichenden Entschuldigung hat der Holocaust-Leugner Richard Williamson erneut einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Der Vatikan wies die jüngste Erklärung des Bischofs der erzkonservativen Pius-Bruderschaft als vage und unzureichend zurück. "So, wie es aussieht, erfüllt (der Brief) nicht die Bedingungen, die das vatikanische Staatssekretariat gestellt hat", erklärte Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi in Rom.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, ist "entsetzt" über das Schreiben.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries betonte, dass Deutschland einen Europäischen Haftbefehl gegen Williamson ausstellen könnte. Dies wäre als Folge des laufenden deutschen Ermittlungsverfahrens gegen den Bischof möglich, sagte Zypries in Brüssel.

Entschuldigung ohne Widerruf seiner Äußerungen

In seiner "Erklärung" entschuldigte sich Williamson zwar für "den Schaden und den Schmerz", den seine Aussagen über die Verbrechen der Nazis angerichtet haben. Allerdings erwähnte er weder den Begriff "Holocaust", noch bekundete er irgendeine Solidarität mit den Juden, die er nicht einmal nannte. "Durch den ausbleibenden eindeutigen Widerruf seiner böswilligen Lügen hat Williamson erneut zum Ausdruck gebracht, dass er ein überzeugter Antisemit und unverbesserlicher Holocaust-Leugner ist, der den Völkermord an sechs Millionen jüdischen Menschen in Zweifel zieht", betonte Knobloch am Freitag in einer Presseerklärung.

Papst Benedikt XVI., der insgesamt vier exkommunizierte Bischöfe der Bruderschaft Ende Januar wieder in die Kirche aufgenommen hatte, verlangt von Williamson, sich "öffentlich und in absolut unmissverständlicher Weise" von seiner Leugnung des Holocausts zu distanzieren. Unklar war am Freitag weiter, wo sich der Bischof, der aus Argentinien ausgewiesen wurde und am Mittwoch in Großbritannien ankam, aufhält. Nach Presseberichten kam er bei der Pius-Bruderschaft im Londoner Stadtteil Wimbledon unter. Dort wurde dies jedoch verneint. Man wissen nichts über Williamsons Verbleib, hieß es auf Anfrage der dpa.

Juristische Verfolgung möglich

EU-Justizkommissar Jacques Barrot verurteilte die Äußerungen Williamsons als eine "Attacke auf die Wirklichkeit". Möglichkeiten zur Verfolgung des Bischofs auf europäischer Ebene sieht Barrot indes nicht. Die EU habe zwar einen Rahmenbeschluss gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit verabschiedet. Der im November beschlossene Rechtstext sei aber noch nicht in allen Mitgliedstaaten in nationale Gesetze übertragen. "Es wird noch eine Weile dauern, bis das nationale Recht da auf der Höhe ist", bestätigte der Ratsvorsitzende und tschechische Justizminister Jiri Pospisil. Dennoch könne Williamson verfolgt werden: "Bereits heute kann man solche Taten bestrafen, aber auf der Grundlage des nationalen Rechts."

In Großbritannien ist das Leugnen des Holocaustes anders als in Deutschland keine Straftat. Deshalb ist dort einHaftbefehl, zumindest auf dieser Grundlage, nicht möglich. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, dass derzeit in diesem Fall nicht ermittelt werde.

Die Erklärung Williamsons steht inzwischen auf der Webseite der Presseagentur der Bruderschaft, www.dici.org, in Englisch, Deutsch und Spanisch. Dort betonte der Bischof, dass er "die Aussagen bedaure und dass ich sie nicht gemacht hätte, wenn ich vorher gewusst hätte, welchen Schaden und Schmerz sie anrichten würden - besonders in der Kirche, aber auch für die Überlebenden und Verwandten der Opfer von Ungerechtigkeit im Dritten Reich. Im Schwedischen Fernsehen habe ich nur die Meinung eines Nicht- Historikers wiedergegeben. Die Meinung hat sich vor zwanzig Jahren aufgrund der damals verfügbaren Beweise gebildet. Sie ist seitdem in der Öffentlichkeit kaum besprochen worden."

Vatikan zu Maßnahmen aufgefordert

Der Vatikan wurde aufgefordert, Maßnahmen gegen Williamson zu ergreifen: Knobloch betonte, sie erwarte auch "eine deutliche Abgrenzung zur antisemitischen Pius-Bruderschaft, die jüdische Menschen als Gottesmörder bezeichnet".

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, sagte, es stehe eine adäquate Antwort des Papstes aus. Wenn das katholische Kirchenoberhaupt eine solche Gruppe aufnimmt, dann sei das eine Kursbestimmung. Die Grundsätze der Bruderschaft seien antidemokratisch, verfassungsfeindlich, frauenfeindlich und judenfeindlich. Die Vereinigung "steht im übrigen dem islamistischen Fundamentalismus in nichts nach, da sie eine Gottesherrschaft propagiert und herstellen wolle".

Italiens Rabbiner-Präsident Renzo Gattegna wertete das Williamson-Schreiben als zweideutig und meinte, dagegen habe sich der Papst ganz klar gegen eine Leugnung des Holocausts gestellt. "Und für unsere Beziehungen zum Vatikan ist entscheidend, was der Pontifex sagt, nicht Williamson", so Gattegna.

In der Zentrale der Priesterbruderschaft im Schweizer Menzingen hieß es auf Anfrage, dass es noch keine offizielle Stellungnahme zur Erklärung von Williamson gebe. Der Generalobere Bischof Bernard Fellay sei derzeit nicht erreichbar. Auch der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz sagte am Freitag: "Wir kommentieren das nicht." Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, forderte, ein Mann wie Williamson "kann und darf in der katholischen Kirche kein Amt ausüben." (dpa)

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