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Ansgar Wucherpfennig ist wegen seiner positiven Aussagen über Homosexuelle in Bedrängnis geraten.

Hochschule Sankt Georgen

Vatikan: Prozess um Rektor läuft noch

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Im Verfahren um Ansgar Wucherpfennig, Rektor der Hochschule Sankt Georgen, sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, sagt der Vatikan. Frankfurter Katholiken wollen das Nein aus dem Vatikan nicht akzeptieren.

Als hätten die Studierenden der Jesuiten-Hochschule Sankt Georgen aktuell nicht schon genug zu tun. Es ist Prüfungszeit, ehe die Uni nächste Woche wieder losgeht. Mitten in dieser heißen Phase ließ die Glaubenskongregation nun aus dem Vatikan mitteilen, dass der Jesuit Ansgar Wucherpfennig wegen seiner positiven Aussagen über Homosexuelle von Semesterbeginn an kein Rektor mehr sein dürfe. Allerdings lässt der Vatikan am Mittwoch verlauten: Im Verfahren um den Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, Ansgar Wucherpfennig, sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Im Fall des Jesuitenpaters laufe der Prüfungsprozess noch, teilte die Pressestelle des Vatikans der Deutschen Presse-Agentur mit. 

„Für mich stehen die Prüfungen im Moment hinten an“, sagt Theologiestudentin Hannah Falkenstein. Sie ist eine von 87 Studierenden, die am Montag als eine erste Reaktion einen offenen Brief aufgesetzt haben. Die Überschrift – ein mahnender Appell an den Vatikan: „Überdenken Sie diese Entscheidung: Pater Wucherpfennig muss Rektor bleiben!“

Dass die Glaubenskongregation – wohl vorbei an Papst Franziskus, der sich selbst schon offener zu Homosexualität geäußert hatte – Wucherpfennig trotz des Rückhalts durch den Limburger Bischof Georg Bätzing keine Unbedenklichkeitserklärung mehr ausstellen will, sei „ein schwerer Eingriff in die Subsidiarität und angesichts seiner Fähigkeiten unverständlich“, heißt es in dem Brief auf feinschwarz.net.

Auch den Ansatz ihres Rektors in Sachen Homosexualität teilten die Unterzeichner: „Die Themen, die Wucherpfennig anspricht, verdienen eine offene und respektvolle Auseinandersetzung, während die Menschen, für die er spricht, ein Recht auf Gehör und Anerkennung in der Kirche haben.“ Am Donnerstag wollen die Studierenden ihr weiteres Vorgehen besprechen. „Geschlossen“ und „vorbehaltlos“ hat sich auch der Frankfurter Caritas-Verband hinter Wucherpfennig gestellt. In einer Erklärung stellt er fest: „Es scheint, als solle ein kritischer Diskurs über die Zukunft der eigenen Institution unterbunden werden.“ Die Kirche müsse sich „mehr den Lebenswirklichkeiten der Menschen stellen und sich den unterschiedlichen Lebenssituationen stärker öffnen.“ Keiner dürfe Angst haben müssen, dass er in der Kirche nicht so gewollt sei, wie er ist.

Bürgermeister Uwe Becker (CDU) meldete sich ebenfalls zu Wort. Er hoffe sehr, dass Wucherpfennig „seine hervorragende Arbeit als Rektor der Hochschule Sankt Georgen fortsetzen kann“, sagte der Kirchendezernent.

Nur auf dem privat betriebenen Bollwerk des konservativen Katholizismus, dem Portal kath.net, gibt es Applaus für den Vatikan. Dort beklagt ein Frankfurter User: „Hier kann man nicht mal erwähnen, dass Homosexualität eine Sünde ist, ohne dass man als homophob abgestempelt wird.“ (mit dpa)

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