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Ansgar Wucherpfennig ist wegen seiner positiven Aussagen über Homosexuelle in Bedrängnis geraten.

Sankt Georgen in Frankfurt

Vatikan plant im Fall Wucherpfennig Kompromiss

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Wenn der Jesuiten-Chef für Ansgar Wucherpfennig bürgt, könnte der Vatikan dem Rektoren der Frankfurter Jesuiten-Hochschule eine Unbedenklichkeitserklärung ausstellen.

Im Streit über den bislang nicht wieder im Amt bestätigten Rektor der Frankfurter Jesuiten-Hochschule Ansgar Wucherpfennig zeigt sich der Vatikan offenbar kompromissbereit. Nach Informationen der theologischen Fachzeitschrift „Herder Korrespondenz“ kann sich der Vatikan vorstellen, dem Jesuiten erneut eine sogenannte Unbedenklichkeitserklärung („Nihil obstat“) für sein Rektorenamt auszustellen, wenn der Generalobere des Jesuitenordens die Verantwortung für die „Rechtgläubigkeit“ Wucherpfennigs übernehme. 

Wucherpfennig hatte sich unter anderem in einem Interview vor drei Jahren offen gegenüber homosexuell liebenden Menschen und der Weihe von Frauen für geistliche Ämter gezeigt. Daraufhin wollte die vatikanische Bildungs- und Glaubenskongregation Wucherpfennig das nach seiner diesjährigen Wiederwahl zum Rektor nötige „Nihil obstat“ nicht wieder aussprechen.

Auf FR-Anfrage wollte die Sprecherin der deutschen Jesuitenprovinz den kolportierten Kompromissvorschlag aus dem Vatikan nicht bestätigen. „Das Verfahren läuft noch“, hieß es. Laut einem Insider hat der Vatikan jedoch „von verschiedenster Seite, auch aus der kirchlichen Hierarchie“ mitgeteilt bekommen, dass sein Gebaren in der Causa Wucherpfennig völlig deplatziert sei.

Zur Kirchenhierarchie gehört auch der Apostolische Nuntius in Deutschland, Nikola Eterovic. Mit ihm erhob erstmals ein in Amt und Würden weilender Kirchenvertreter aus Deutschland die Stimme – und zwar gegen Wucherpfennig. Der gleichen Zeitschrift sagte er, Professoren an katholischen Hochschulen müssten sich danach richten, "was die Kirchenlehre sagt, und die ist zum Beispiel nachzulesen im Katechismus". Dieser lehrt, dass gelebte Homosexualität "in keinem Fall zu billigen" sei. 

Zwar habe Eterovic das Interview, in dem sich Wucherpfennig vor zwei Jahren anerkennend zu homosexueller Liebe geäußert hatte, selbst nicht gelesen. Gleichwohl sagte er über dessen Aussagen, sie seien seine "persönliche Meinung". Demgegenüber forderte der Botschafter des Vatikans bei der Bundesrepublik Deutschland von Hochschullehrern eine am Katechismus orientierte, "katholische Meinung".

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