Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Heiligsprechung von sechs Vorbildern vor dem Petersdom vor einem Jahr. Inzwischen droht ein zweites Vatileaks.
+
Heiligsprechung von sechs Vorbildern vor dem Petersdom vor einem Jahr. Inzwischen droht ein zweites Vatileaks.

Katholiken

Wie der Vatikan Geld verprasst

  • Regina Kerner
    VonRegina Kerner
    schließen

Zwei neue Bücher prangern die Verschwendungssucht im Vatikan an. Die italienischen Autoren berufen sich auf Whistleblower aus dem Kirchenstaat. Zwei mutmaßliche Informanten hat der Vatikan bereits festgesetzt.

Von einem zweiten Vatileaks-Skandal ist inzwischen die Rede. Denn erneut gelangen offenbar vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit. Gleich zwei unterschiedliche Enthüllungsbücher von zwei italienischen Investigativjournalisten werden am Donnerstag erscheinen, die sich auf Material stützen, das den Autoren von Informanten aus dem Kirchenstaat zugespielt wurde.

Wie brisant die Dokumente tatsächlich sind, ist noch unklar. Doch bekannt ist schon, dass es in beiden Büchern um die Verschwendungssucht in der römischen Kurie sowie um undurchsichtige Manöver in der vatikanischen Finanzverwaltung geht – lange bestehende Probleme, denen Papst Franziskus trotz aller Reformanstrengungen bisher offenbar nicht beikommen konnte. Die vertraulichen Dokumente zeigten, „dass die Kirche der Armen für die Armen, von der Franziskus spricht, bis jetzt Utopie geblieben ist“, sagt der Journalist Emiliano Fittipaldi, Autor von „Avarizia“ (Geiz). Gianluigi Nuzzi, Verfasser des zweiten Buchs, das in Deutschland mit dem Titel „Alles muss ans Licht“ erscheint, versichert: „Die Informanten wollten die Dokumente mit mir teilen, um Papst Franziskus zu helfen.“

Nuzzi war durch den ersten Vatileaks-Skandal international bekannt geworden. Er veröffentlichte 2012 geheime Papiere, die Paolo Gabriele, Diener von Papst Benedikt XVI., aus dessen Umfeld schmuggelt hatte. Hintergrund waren Machtkämpfe in der Kurie und dunkle Machenschaften der Vatikanbank. Der Papstdiener wurde zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt und dann von Benedikt begnadigt. Immer wieder wird spekuliert, der deutsche Papst sei zurückgetreten, weil er sich zu schwach fühlte, um mit den bei Vatileaks bekanntgewordenen Missständen aufzuräumen.

Vatikan nimmt mutmaßliche Informanten fest

Dieses Mal reagierte der Vatikan noch vor den Veröffentlichungen. Am Wochenende wurden im Kirchenstaat zwei mutmaßliche Informanten verhört und festgenommen: der 54 Jahre alte spanische Geistliche Lucio Angel Vallejo Balda, ein hohes Kurienmitglied, und die 33-jährige PR-Beraterin Francesca Chaouqui. Beide waren Mitglieder einer von Papst Franziskus im Juli 2013 eingesetzten Kommission, die eine Neuordnung der Wirtschafts- und Finanzstrukturen im Vatikan prüfte und 2014 aufgelöst wurde. Sie stehen im Verdacht, vertrauliches Material weitergereicht zu haben, was laut vatikanischem Strafgesetz mit bis zu acht Jahren Haft geahndet werden kann. Während Balda in der vatikanischen Gendarmerie festgehalten wird, ist die PR-Beraterin wieder auf freiem Fuß. Sie gab am Dienstag in einem Interview dem früheren Sekretär der Kommission die Schuld. Balda, Mitglied der konservativen Organisation Opus Dei, hatte auf einen Posten im von Franziskus neu geschaffenen Wirtschaftssekretariat gehofft, den er nicht bekam. Einige vermuten, er habe sich rächen wollen. Andere spekulieren, Opus Dei fürchte wegen Franziskus um Macht und Einfluss.

Autor Fittipaldi mutmaßte, der Vatikan habe erreichen wollen, dass nur über die Informanten gesprochen werde und nicht über die Inhalte seines Buchs. So gehe es darin unter anderem um den Peterspfennig, die Spende, mit der katholische Gläubige die apostolische und karitative Arbeit des Papstes unterstützen. In der Kasse lägen 400 Millionen Euro, „und sie werden nicht etwa für Wohltätigkeit und Arme ausgegeben, sondern für die Kurie“. Nuzzi sagte dem „Corriere della Sera“, aus der vatikanischen Staatsverwaltung seien in nur zwei Jahren Waren im Wert von 1,6 Millionen Euro verschwunden. Auch würden Immobilien aus Kirchenbesitz an bestimmte Leute für sechs Euro pro Jahr vermietet. Er meint damit wohl Kurienmitglieder.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare