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Valentinstag in Großbritannien: Brexit sorgt bei Floristen und Weinhändlern für Frust

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Von: Sandra Kathe

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Kurz vor dem Valentinstag sorgt der Brexit für Probleme bei britischen Floristen und Weinhändlern.
Kurz vor dem Valentinstag sorgt der Brexit für Probleme bei britischen Floristen und Weinhändlern. © Matt Crossick/dpa

Neue Brexit-Kontrollen, die seit Anfang des Jahres gelten, sorgen zum Valentinstag für einen Stresstest in Großbritannien. Blumen und Wein könnten knapp werden.

London – Egal ob mit Blumen, Wein oder Pralinen: Viele Menschen wollen ihren Liebsten alljährlich zum Valentinstag am 14. Februar eine Freude machen. Das Problem in diesem Jahr in Großbritannien: Neue Import-Bestimmungen nach dem Brexit sorgen vielerorts für Probleme.

So berichtete etwa der gleichnamige Gründer und Geschäftsführer des Weingroßhandels Daniel Lambert der Nachrichtenagentur PA von Problemen mit einer größeren Weinlieferung, die eigentlich in den letzten Tagen ankommen sollte. Die zuständige britische Behörde stelle jedoch nicht rechtzeitig notwendige Informationen bereit. Das mache selbst die größeren Lieferungen für sein Unternehmen schwierig – kleinere Firmen seien aber noch viel stärker betroffen.

Folgen des Brexit in Großbritannien: Erneute Verschärfung von Import-Regeln schafft Probleme

Überhaupt gilt der Valentinstag 2022 als erster Stresstest für die neuen Importvorgaben im Handel zwischen Großbritannien und der EU, die am 1. Januar 2022 zum Ende einer Übergangsfrist in Kraft getreten sind. Vor anderen starken Tagen im Einzelhandel wie Ostern oder Muttertag wird sich am Valentinstag zeigen, wie gut sich die neuen Importregeln in den ersten Wochen des Jahres eingespielt haben.

Richard Bartlett, Experte für Wirtschaft und Importe bei der Logistikfirma KlearNow merkt an, dass einige britische Unternehmen nach dem Ablauf der Übergangsphase eine Art Sicherheitsnetz verloren hätten, so zitiert es etwa die britische Zeitung Evening Standard. Die Marktbeobachtungsdaten des Unternehmens hätten außerdem gezeigt, „dass seit dem 1. Januar bei bestimmten Produkten größere Verzögerungen als gewöhnlich“ aufgetreten wären. Daraus schließt Bartlett „dass die neuen Regeln signifikante Probleme für Importeure im Vereinigten Königreich zur Folge haben“.

Wegen Brexit-Problemen in Großbritannien: Händler:innen setzen auf Ware vom Vorjahr

Das zeige laut eines Agenturberichts auch die Erfahrung einiger Florist:innen in Schottland. Für Maureen Glen, die in Lanarkshire in Schottland einen Blumenladen betreibt, sind das größte Problem Verpackungsmaterialien, die nicht rechtzeitig vom Kontinent ankommen. Glen vermutet, dass Lieferungen zunächst wegen fehlender Papiere zurückgeschickt und dann erneut auf den Weg gebracht werden mussten. Andere Blumenhändler berichteten PA zufolge von ähnlichen Erfahrungen.

Weil für die Logistikunternehmen, die Waren von der EU nach Großbritannien transportieren, durch die neuen Regeln Mehraufwand anfällt, wirkt sich das Ende der Übergangsfrist auch auf Händler- und Verbraucherpreise aus. Die Inhaberin eines Geschenkeladens in Edinburgh, Julie Pearson, klagte darüber, dass die Kosten - etwa für Container-Fracht - stark angestiegen seien. Sie setzt aus der Not heraus darauf, Waren aus dem vergangenen Jahr zu verkaufen. Wegen des damals geltenden Corona-Lockdowns sei viel übrig geblieben.

Nach dem Brexit: Weitgehend zollfreier Handel zwischen EU und Großbritannien mit neuen Regeln

Großbritannien und die EU haben sich in ihrem Brexit-Vertrag zwar auf eine weitgehend zollfreie Handelsbeziehung geeinigt – trotzdem sorgt der EU-Austritt für erhebliche Hürden bei der Ein- und Ausfuhr von Waren. Neue Kontrollen, die nach und nach in Kraft treten, und zusätzlich notwendiger Bürokratieaufwand sorgen für Verzögerungen und höhere Kosten. Die nächste Verschärfung der Regeln ist nach aktuellen Regierungsangaben für Mitte 2022 geplant. (ska mit dpa)

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