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USA: Zehnjähriges Vergewaltigungsopfer muss wegen Abtreibung Bundesstaat wechseln

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Von: Katja Thorwarth

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Vor dem Weißen Haus demonstrieren die Menschen für das Recht auf Abtreibung.
Vor dem Weißen Haus demonstrieren die Menschen für das Recht auf Abtreibung. © Andrew Harnik/dpa

In den USA erregt der Fall einer Zehnjährigen Aufsehen, die nach einer Vergewaltigung für eine Abtreibung ihren Heimatstaat verlassen musste.

Washington D.C. - Bereits im Juni kippte das Oberste US-Gericht das landesweit geltende Recht auf Schwangerschaftsabbrüche - und damit ein 50 Jahre altes Grundsatzurteil von 1973. Die politische Rechte in den USA verbucht das als Sieg für sich, und zahlreiche Staaten haben bereits kurz nach Verkündung des Supreme-Court-Urteils ein generelles Abtreibungsverbot verhängt.

Die Debatte ist entsprechend aufgeheizt, wobei der aktuelle Fall eines Mädchens für besonderes Aufsehen sorgt: Einer Zehnjährigen wurde nach einer Vergewaltigung der Schwangerschaftsabbruch in ihrem Heimatstaat verweigert, weshalb sie als Folge in einen anderen US-Bundesstaat reisen musste. Gegen die Abtreibungsärztin ermitteln jetzt die Behörden. Untersucht werde, ob die Medizinerin die Abtreibung und die vorausgegangene Vergewaltigung des Mädchens ordnungsgemäß gemeldet habe, erklärte der Generalstaatsanwalt von Indiana. Wenn nicht, drohe der Ärztin der Entzug der Lizenz.

USA: Abtreibungsärztin im Fokus der Behörden - Vergewaltigungsopfer behandelt

Todd Rokita, Generalstaatsanwalt, äußerte sich zu den Ermittlungen gegen die Ärztin Caitlin Bernard und den Vorwürfen, dass sie die Behörden nicht informiert habe: „Dies nicht zu tun, ist in Indiana ein Verbrechen, und ihr Verhalten könnte sich auch auf ihre Lizenz auswirken.“ Zuvor hatte der konservative Rokita dem Nachrichtensender Fox News gesagt, Bernard sei eine „Abtreibungsaktivistin, die wie eine Ärztin auftritt“.

Der Fall des zehnjährigen Vergewaltigungsopfers sorgt in den USA für Empörung. Das Mädchen hatte für eine Abtreibung von ihrem Heimatstaat Ohio in den Nachbarstaat Indiana reisen müssen, da Ohio sofort nach der Entscheidung des Supreme Court Abtreibungen nach der sechsten Schwangerschaftswoche verboten hat. Bei dem Mädchen war diese Frist verstrichen.

USA: Rechte Politiker:innen zweifelten Vergewaltigung der Zehnjährigen an

US-Präsident Joe Biden sprach über den Fall, als er Maßnahmen zum Schutz des Rechts auf Schwangerschaftsabbrüche vorstellte. „Stellen Sie sich vor, wie es ist, dieses kleine Mädchen zu sein“, sagte er. Rechte Politiker:innen und Medien zogen jedoch zunächst in Zweifel, dass sich der Fall tatsächlich so zugetragen habe. Bis dann der mutmaßliche Vergewaltiger in Ohio festgenommen wurde, der die Tat laut Polizei gestand. Daraufhin löschte beispielsweise der Abgeordnete Jim Jordan einen Tweet, in dem er die Geschichte als „weitere Lüge“ abgetan hatte.

Auch die Behörden bestätigten schließlich, dass das Vergewaltigungsopfer für eine Abtreibung nach Indiana reisen musste. In Indiana sind Abtreibungen derzeit bis zur 21. Schwangerschaftswoche erlaubt, es gibt aber Pläne, das zu ändern. Weil es kein Bundesgesetz zu Abtreibungen gibt, können Bundesstaaten jetzt Schwangerschaftsabbrüche weitgehend oder komplett verbieten. (ktho/AFP)

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