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Zu populär: Bernie Sanders.

US-Wahlkampf

USA: Wenn der Außenseiter zu populär wird

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Der Linke Bernie Sanders erweist sich derzeit als stärkster gegner von Donald Trump. Deshalb muss sich nun innerhalb der demokratischen Partei nach allen Seiten hin wehren.

Seit Wochen steht er wie ein Fels in der Brandung. Ohne nennenswerte Schrammen hat der linke Senator Bernie Sanders die vergangenen Präsidentschaftsdebatten der US-amerikanischen Demokraten überstanden. Niemand griff ihn wirklich an. Und der 78-Jährige predigt stoisch die immer gleichen Botschaften: „Eine universelle Krankenversicherung ist ein Menschenrecht. Die Wirtschaft läuft nur gut für die Milliardäre. Wir müssen den Kampf mit der Ölindustrie und mit Wall Street aufnehmen.“

Das funktionierte gut, weil niemand der grundsätzlichen Analyse auf dieser abstrakten Ebene widersprechen konnte. So punktete Sanders immer wieder und setzte sich in den Umfragen klar an die Spitze der demokratischen Anwärter auf das höchste Staatsamt.

Doch am Dienstagabend war plötzlich alles anders. Da stand Sanders als derzeitiger Favorit nicht nur physisch im Zentrum der Bühne in Charleston. Gegen ihn richtete sich auch der heftige Widerspruch von allen Seiten.

Den Aufschlag übernahm die moderat-linke Senatorin Elizabeth Warren, die den Alt-Revoluzzer mit den weißen Haaren bislang stets mit Samthandschuhen angefasst hatte. „Bernie und ich stimmen in vielen Punkten überein“, sagte sie. „Aber ich glaube, ich wäre eine bessere Präsidentin als Bernie.“ Für den Job müsse man sich nämlich mit den Details der Materie befasst haben und nicht nur Überschriften formulieren, begründete die Reformpolitikerin ihre Einschätzung.

Das war schon ein bemerkenswerter Tritt vors Schienbein des Mannes, der inzwischen vor allem bei vielen jungen US-Amerikanern wegen seiner knorrigen Unbeugsamkeit und Radikalität zu einer Ikone geworden ist. Der moderate Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg, den Sanders gerne als Büttel des Kapitals karikiert, setzte mit einer Reihe von Angriffen nach. Der Senator werde noch mehr Chaos ins Weiße Haus bringen, klagte Buttigieg seinen Konkurrenten an. Sanders „radikaler Bürgerversicherungsplan“ sei nicht solide finanziert und die geplante Abschaffung der privaten Krankenversicherung verschrecke viele Wähler. Diese Forderungen würden letztlich Trump zur Wiederwahl verhelfen.

Anschließend erinnerte Ex-Vizepräsident Joe Biden auch daran, dass Sanders in der Vergangenheit aus Rücksicht auf die Schützen in seiner Heimat Vermont mehrfach gegen ein Verschärfung der Waffengesetze gestimmt hatte.

„Ich höre sehr oft meinen Namen“, erwiderte Sanders daraufhin. „Ich frage mich: Warum?“ Das war natürlich eine rhetorische Frage, denn die Schlagzahl der Angriffe zeigt, dass Sanders zunehmend ernst genommen wird. Der Polit-Profi ließ sich nicht wirklich aus der Bahn werfen, fuchtelte aber hochrot und wild mit seinen Armen herum und geriet in der hitzigen Debatte immer mehr in die Defensive. „Ich habe tausend Abstimmungen im Senat mitgemacht. Das war eine einzige schlechte Entscheidung“, spielte er seine Ablehnung schärferer Waffengesetze herunter.

Für heftige Kritik sorgten auch positive Bemerkungen von Sanders über kommunistische Regimes und insbesondere die Regierung von Fidel Castro in Kuba aus den 80er Jahren. Sanders weigert sich bis heute, sein Lob für die Fortschritte im Erziehungswesen unter Castro zurückzunehmen, was ihm viel Ärger vor allem unter Exil-Kubanern einbringt. „Ich habe autoritäre Regimes immer abgelehnt“, sagte Sanders am Dienstag: „Aber wenn Diktatoren etwas Gutes tun, muss man das auch zugeben.“

Neben Sanders geriet wie auch schon bei der letzten Debatte Mike Bloomberg unter Beschuss. In der Realität - ohne den Filter seiner omnipräsenten Werbefilme - gab der Multi-Milliardär erneut eine schwache Figur ab. Ex-Vizepräsident Biden hingegen wirkte entschlossen und kämpferisch wie lange nicht. Er hofft nun darauf, am Samstag in South Carolina erstmals eine Vorwahl zu gewinnen. Doch weitergebracht hat auch diese Debatte die Demokraten nicht. Ihr Kontrahent Donald Trump kam angesichts der internen Zänkereien erneut ungeschoren davon. Und ein überzeugender Gegenspieler, der tatsächlich die Mehrheit der Partei hinter sich versammeln könnte, ist weiter nicht in Sicht.

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