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Konflikt in Afghanistan
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Kämpfer der Spezialeinheit der Taliban treffen nach dem Abzug der US-Truppen auf dem Flughafen Kabul ein.

Extremisten in den USA

Weiße Rassisten in den USA nehmen sich die Taliban als Vorbild

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Die Rechten in den USA bewundern die Taliban für ihren Erfolg in Afghanistan. Nun wollen sie ihnen nacheifern.

Afghanistan/USA – Der rasche Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat in vielen Teilen der Welt für Entsetzen gesorgt. Eine radikal-islamistische Bewegung, die für Massaker an der Zivilbevölkerung und Terrorismus, Menschenhandel und Unterdrückung von Frauen steht, kann kaum jemanden als Vorbild dienen. Doch es gibt auch Ausnahmen. Eine davon findet sich in den USA. Denn als die US-Truppen im August 2021 Afghanistan verließen und die Taliban ohne jede Gegenwehr eine große Stadt nach der anderen eroberten, bevor sie dann auch Kabul einnahmen, konnten weiße Rassisten in den USA ihre Begeisterung für die Taliban kaum verbergen.

Tatsächlich drückten viele Rechtsextreme auf Online-Plattformen mehr oder weniger unverhohlen den Wunsch aus, es den Taliban gleichzutun. John Cohen von der Heimatschutzbehörde Homeland Security hat jetzt deshalb sogar noch einmal auf die Gefahren von rechts hingewiesen, wie CNN berichtet. Demnach betrachten viele regierungsfeindliche und gewaltbereite extremistische Gruppen in den USA den Erfolg der Taliban quasi als so eine Art Modell für die Rechten, wie man einen Bürgerkrieg entfachen und dann auch gewinnen kann.

Sieg der Taliban dient den weißen Rassisten in den USA als Vorbild

Das sehen andere Fachleute genauso. „Wir sind auf viele Inhalte von rechtsextremen Websites mit Sitz in den USA gestoßen, die in die Richtung gehen, wie gut der Sieg der Taliban ist und warum er gut für ihre Sache ist“, zitierte die New York Times Adam Hadley, den Direktor von Tech Against Terrorism, einem von der UN unterstützten Projekt, das Extremisten online überwacht. Eine Neonazi-Website enthält ein Traktat, in dem der Sieg der Taliban teilweise gepriesen wird, um zu zeigen, dass eine kleine Gruppe bewaffneter Fundamentalisten das amerikanische Imperium besiegen könne.

Auch die Nichtregierungsorganisation SITE Intelligence Group, die die Online-Tätigkeiten von weißen Rassisten und dschihadistischen Organisationen überwacht, weist darauf hin, dass rechtsextreme Gruppen durch den Vormarsch der Taliban in Afghanistan aufgepeitscht werden. Da wird dann die Machtübernahme durch die Taliban schon mal als „eine Lektion in der Liebe zum Vaterland, zur Freiheit und zur Religion“ angesehen, wie die SITE-Gruppe in ihrem wöchentlichen Bulletin über Rechtsextreme mitteilte. Laut SITE loben Neonazis und gewalttätige Rassenkrieger in Nordamerika und Europa die Taliban vor allem deshalb, weil sie genau für die Dinge stehen, die ihnen ebenfalls am Herzen liegen, nämlich Antisemitismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit.

Proud Boys in den USA finden Taliban gut

In einem Zitat aus einem Telegram-Kanal der Proud Boys heißt es beispielsweise: „Diese Bauern und minimal ausgebildeten Männer haben darum gekämpft, ihre Nation vom Globohomo zurückzuerobern. Sie haben die Regierung an sich gerissen, ihre Nationalreligion als Gesetz eingesetzt und Andersdenkende hingerichtet ... Wenn weiße Männer im Westen den gleichen Mut hätten wie die Taliban, würden wir derzeit nicht von Juden regiert werden.“ Der Begriff „Globohomo“ richtet sich natürlich gegen die in Verschwörungskreisen oft beschworene böse globale Elite, die angeblich Medien, Finanzwelt und Politik kontrolliert.

Megan Squire, Professorin für Informatik an der Elon University, die in den USA ansässige inländische extremistische Gruppen erforscht, weist gegenüber CNN auch auf die extrem frauenfeindlichen oder antisemitischen Diskussionen auf Neonazi-Seiten hin. Diese Art von ideologischem Lob habe einen historischen Präzedenzfall, so Squire und nennt als Beispiel ein Meme, das in Neonazi-Gemeinden über die „Weiße Scharia“ zirkulierte, das Konzept, dass Frauen so behandelt werden sollten, wie die Taliban Frauen behandeln Frauen.

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Trump-Getreuer Matt Gaetz hält Taliban für legitimierter als die Biden-Regierung

Das ist allerdings nicht das erste Mal, dass sich amerikanische Rechtsextremisten von muslimischen Militanten inspirieren lassen. So lobten mehrere weiße Rassisten die Angriffe von Al-Kaida am 11. September 2011. Der Unterschied besteht jetzt darin, dass die extreme Rechte größer geworden ist, während die Distanz zwischen den Rechten, die die Taliban bejubeln, und den konservativen Machtzentren deutlich geschrumpft ist.

Hier sei nur der Republikaner Matt Gaetz erwähnt, den viele Demokraten und Linke zwar nicht für ganz voll nehmen, der aber immerhin ein Kongressabgeordneter ist, der auch dem vorherigen Präsidenten Donald Trump nahesteht. Was Gaetz Anfang August auf Twitter schrieb, sollte deshalb auch allen Demokraten zu denken geben. Damals nämlich bezeichnete Gaetz die Taliban als „legitimierter als die letzte Regierung in Afghanistan oder die aktuelle Regierung hier“. (Christian Stör)

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