Zweite und letzte Präsidentschaftsdebatte

Donald Trump oder Joe Biden? Kirsten Welker heißt die Gewinnerin des TV-Duells

  • vonMirko Schmid
    schließen

Wer hat das TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden gewonnen? Nach Meinung der meisten: Moderatorin Kristen Welker.

  • Kristen Welker leitete das finale TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2020.
  • Parteiübergreifend wird ihre Moderationsleistung anschließend in höchsten Tönen gelobt, nachdem ihr zuvor Parteilichkeit unterstellt wurde.
  • Alle News rund um die Wahl am 3. November finden Sie in den News zur Wahl 2020.

USA - Chris Wallace ist „neidisch“. Der Fox News-Moderator und Leiter des ersten TV-Duells zwischen Donald Trump und Joe Biden gibt das ganz bescheiden zu, wenn er angesprochen wird auf das zweite Duell unter der Leitung seiner Kollegin Kristen Welker.

Die NBC News-Moderatorin hatte gerade die Quadratur des Kreises vollbracht, Donald Trump gezähmt und eine zu größten Teilen strukturierte TV-Debatte hinter sich gebracht, in der sich die Duellanten ausreden ließen und in der es tatsächlich um Inhalte ging.

Kristen Welker hatte Donald Trump und Joe Biden beim TV-Duell im Griff

Kristen Welker zähmt Donald Trump und ermöglicht ein starkes TV-Duell zwischen Trump und Biden

Patti Cohen, Wirtschaftskorrespondentin der New York Post, brachte es direkt im Anschluss an das TV-Duell auf den Punkt: „Ich denke Kristen Welker hat einen guten Job gemacht.“ Die 44 Jahre junge Welker hatte von Anfang der Debatte an eine Linie gefunden, die sowohl Donald Trump als auch Joe Biden dazu zwang, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen und sich im Meinungsstreit über die beste politische Zukunft der USA zu messen.

Welker wirkte souverän, hielt sich weitgehend zurück und ließ die Duellanten reden - solange diese sich inhaltlich miteinander auseinandersetzten. Versuche, dem Rivalen ins Wort zu fallen oder persönliche Angriffe zu setzen, unterbrach Kristen Welker dagegen schnell und kompromisslos.

Den Stummschalter, der nach der chaotischen Debatte vom 29. September eingeführt worden war, um die Duellanten - und vor allem Donald Trump - notfalls technisch davon abzuhalten, das TV-Duell aus dem Ruder laufen zu lassen, rührte Welker nicht einmal an. Vielmehr schaffte sie es mit einer höflichen und trotzdem natürlich autoritären Gesprächsführung, die Debatte nicht entgleisen zu lassen.

Chris Wallace war es dann auch, der ein wenig neidisch davon sprach, wie gerne er dieses TV-Duell geleitet hätte, sei es doch endlich um Inhalte gegangen, statt von „Hunderten von Unterbrechungen“ geprägt zu sein. Wallace befand, dass Joe Biden deutlich „spezifischere Pläne“ vorgestellt habe, was aber auch an der Auswahl der Themen gelegen habe. So sei Donald Trump in eine inhaltliche Abwehrrolle gedrängt worden.

Selbst Donald Trump lobt Kristen Welker während des TV-Duells mit Joe Biden.

Im Vorfeld der Debatte wurde gerade aus der konservativen Echokammer in den USA die Befürchtung formuliert, die „Demokratin“ Welker könne das TV-Duell einseitig und parteiisch leiten. Nach der Debatte sprach davon niemand mehr, zu klar und fair war ihre Linie gegenüber dem Republikaner Donald Trump genau wie gegenüber dem Demokraten Joe Biden. Fox News-Analystin Brit Hume, die im Vorfeld zu den lautesten Kritikern Welkers gehört hatte, kam nicht umhin, der NBC-Moderatorin eine „sehr gute Arbeit“ zu bescheinigen.

Und selbst Donald Trump, der sich im Vorfeld des TV-Duells laut über parteiische Moderatoren all seiner Debatten im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2020 beklagt hatte, schmeichelte Welker noch während des Duells: „Übrigens, bis jetzt respektiere ich sehr, wie Sie das hier handhaben, muss ich sagen.“ Eine solche Resonanz hätte sich Chris Wallace sicher auch gewünscht. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © POOL/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare