Donald Trump gegen Joe Biden

US-Wahlen 2020: Selbst Fox-Chef glaubt nicht mehr an Donald Trump

  • vonMirko Schmid
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  • Daniel Dillmann
    Daniel Dillmann
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Donald Trump verliert vor den US-Wahlen in Umfragen weiter an Boden. Die republikanische Hochburg Texas beginnt zu wanken. Selbst Rupert Murdoch schreibt Trump ab.

  • Donald Trump verliert im Kampf gegen Joe Biden weiter an Boden. Sogar Fox-Chef Rupert Murdoch glaubt nicht mehr an den Kandidaten der Republikaner.
  • Selbst die sonst republikanische Hochburg Texas beginnt zu wanken.
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Update vom Donnerstag, 15.10.2020, 14:08 Uhr: Donald Trump schwimmen langsam die Felle davon. In Umfragen liegt er konstant und teils abgeschlagen hinter seinem Herausforderer Joe Biden. Besonders kritisch für Trump: In den entscheidenden umkämpften Bundesstaaten wie Florida, Illinois und Michigan liegt Biden vor, selbst die republikanische Hochburg Texas könnte an die Demokraten und ihren Kandidaten fallen.

FOX-Chef Rupert Murdoch: Der Trump-Macher rechnet mit haushohem Sieg für Joe Biden

Donald Trump verliert engste Verbündete wie FOX-Chef Rupert Murdoch

Da wird es dem Präsidenten gar nicht gefallen, dass sich einflussreiche ehemalige Wegbegleiter in Scharen von ihm abwenden und selbst FOX-Chef Rupert Murdoch inzwischen von einem klaren Sieg für Joe Biden ausgeht.

Seit Donald Trump im Weißen Haus sitzt, macht FOX News zu großen Teilen Hofberichterstattung ganz nach Geschmack des Präsidenten. Doch jetzt senkt ausgerechnet FOX-Chef Murdoch den Daumen über Trump. Murdoch sei, so heißt es aus mehreren Quellen aus dem Umfeld des Milliardärs, schwer enttäuscht von Trumps Umgang mit der Corona-Krise.

FOX-Chef Rupert Murdoch ist genervt von Donald Trumps ständigem Lamentieren

Auch Trumps ständiges Lamentieren an negativer Berichterstattung, die FOX News seit einigen Wochen über ihn mache, habe dazu geführt, dass das vormals freundschaftliche Verhältnis zwischen den beiden Alphatieren merklich abgekühlt sei. Rupert Murdoch, vor kurzem noch mit uneingeschränktem Zugang zum Weißen Haus gesegnet, habe seit mehreren Wochen nicht mehr mit Donald Trump gesprochen.

Berichten darüber, dass er einen landesweiten Erdrutschsieg von Joe Biden bei den anstehenden Wahlen am 3. November erwarte, wollte Rupert Murdoch auf Nachfrage ausdrücklich nicht dementieren. Nur eins wollte er klargestellt haben: Entgegen anderslautenden Gerüchten habe er Trump nie einen Idioten genannt.

Erstmeldung vom Dienstag, 13.10.2020, 22:50 Uhr: Texas - Geburtsort von Dwight D. Eisenhower und Heimat der Bush-Familie. Ein Südstaat, wie er im Buche steht, und „ohne Zweifel der stärkste republikanische Staat in der ganzen Nation“, wie es die Partei der Republikaner im Bundesstaat auf ihrer eigenen Website verkündet. Und tatsächlich: Seit über 40 Jahren ist Texas bei allen Präsidentschaftswahlen der USA ein wahres Bollwerk der Republikaner.

Der Wahlzettel in Texas für die Präsidentschaftswahlen der USA.

US-Wahl 2020: Wird Texas beim Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden zum Swing State?

Doch damit scheint jetzt Schluss zu sein. Texas könnte am Dienstag, den 03. November 2020 bei den Präsidentschaftwahlen erstmals seit 1976 wieder zum Swing State werden. Konnte sich Donald Trump bei den Wahlen im Jahr 2016 noch voll auf die Unterstützung der Texanerinnen und Texaner verlassen, legen Umfragen zur US-Wahl nahe, dass diesmal Joe Biden - als erster demokratischer Kandidat seit Jimmy Carter - die Nase vorne haben könnte.

Der Vorsprung von Amtsinhaber Donald Trump auf seinen Herausforderer Biden ist laut der renommierten Website „FiveThirtyEight“ auf unter zwei Punkte gesunken. Damit liegt die Prognose in der Fehlergrenze. Andere Umfragen, wie zum Beispiel die in Zusammenarbeit von dem Nachrichtensender CBS und des Meinungsforschungsinstituts YouGov, glauben an einen Abstand, der aktuell geringer als ein Punkt ist.

Ohne Texas hat Donald Trump den US-Wahlen kaum eine Chance

Sollte Donald Trump in Texas verlieren, würde ein Gesamtsieg bei den US-Wahlen für die Republikaner wohl in unerreichbare Ferne rücken. Der Bundesstaat ist mit einer Bevölkerung von knapp 28 Millionen nach Kalifornien (39 Millionen) der zweitgrößte innerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika. Das schlägt sich auch in der Anzahl der Wahlmänner nieder, die Texas bei den Präsidentschaftswahlen zugestanden werden: 38, mehr als die zehn kleinsten Bundesstaaten der USA zusammen. Ohne die Stimmen aus Texas hat seit 1872 kein Republikaner mehr die Wahlen gewonnen.

Umso weniger ist es verwunderlich, dass Donald Trump zuletzt die Hochburgen der Demokraten attackierte und sich über ein vermeintlich unfaires Wahlsystem in Kalifornien, New York und Illinois beschwerte.

So sensationell ein Sieg von Joe Biden über Donald Trump in Texas auch wäre, er hätte doch eine Vorgeschichte. Seit 2008 und dem Sieg Barack Obamas bei den Präsidentschaftwahlen träumen die Demokraten davon, Texas nach all der Zeit wieder zu erobern. Obama war es gelungen vor allem in den urbanen Gebieten des riesigen Flächenstaates zu punkten. Hier in den Großstädten Houston, San Antonio und Dallas.

Egal bei welchen Wahlen: Texas bleibt Hochburg der Republikaner - eigentlich

Doch die Republikaner behielten die Kontrolle im größten der „Sunbelt States“. Obama verlor in Texas sowohl 2008 gegen John McCain als auch vier Jahre später gegen Mitt Romney. Auch bei den sonstigen Wahlen in Texas hatten die Demokraten kaum eine Chance. Weder konnte sich Wendy Davis 2014 bei den Gouverneurswahlen gegen Greg Abbot durchsetzen, noch gewann Beto O‘Rourke 2018 bei den Senatswahlen gegen Ted Cruz.

Texas
Einwohnerzahl29 Millionen (2019)
HaupstadtAustin
GouverneurGreg Abbot (Republikaner)
SenatorenTed Cruz, John Cornyn (beide Republikaner)

Doch dazwischen passierte etwas: Donald Trump trat gegen Hillary Clinton bei den Präsidentschaftswahlen an. Trump gewann, wie alle Republikaner seit Gerald Ford, in Texas. Aber sein Vorsprung war geringer als der aller republikanischer Präsidentschaftskandidaten seit Bob Dole, der gegen Bill Clinton verloren hatte und selbst von der konservativen Fachzeitschrift „National Interest“ als „einer der schwächsten Kandidaten in der Geschichte der USA“ bezeichnet worden war. Spätestens seit 2016 rückt Texas deshalb in den Fokus des Interesses bei den Demokraten.

Hispanos in Texas und anderen „Sunbelt-Staaten“ wecken Hoffnungen bei Joe Biden

Ein Erklärungsmuster, warum ein Staat wie Texas auf einmal demokratisch werden könnte, liegt in der sich wandelnen Demographie. Nahezu alle im Süden gelegenen, so genannten „Sunbelt“-Staaten der USA, erleben einen Anstieg der hispanischen Bevölkerung. In den meisten Fällen bedeutet das einen Zuwachs der Stimmen für die Demokraten. Eine Ausnahme bildet Florida, wohin viele Hispanos aus Kuba flüchten, die grundsätzlich und in Opposition zum dortigen sozialistischen Regime eher konservativ wählen.

Nach Texas wiederum verschlägt es eher Mittelamerikaner*innen, die ihre Stimme tendenziell eher Demokraten geben. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch hunderttausende Kalifornier*innen, die mittlerweile eine neue Heimat weiter südlich gefunden haben. Bis zu 700.000 sollen es seit 2008 gewesen sein.

Blick auf Austin, Texas: Donald Trump oder Joe Biden - Wer gewinnt den „Lone Star State“?

Der so ausgelöste Wandel in der Bevölkerung ist zwar „in Arizona schon weiter fortgeschritten als in Texas“, sagt Whit Ayres, ein Wahlforscher des eher konservativen Meinungsforschungsinstituts „North Star Opinion Research“. Tatsächlich sehen nahezu alle Umfragen Joe Biden in Arizona vor Donald Trump. Doch sollte sich der Trend fortsetzen, könnte auch der „Staat des einsamen Sternes“, der auf der Flagge von Texas prangt, zu einem blauen Staat werden. (Von Daniel Dillmann)

Rubriklistenbild: © Drew Angerer/afp

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