Wer wird der nächste US-Präsident?

US-Wahlen: Trumps drohende Niederlage löst Schuldzuweisungen im Team aus

  • Daniel Dillmann
    vonDaniel Dillmann
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Kurz vor der Wahl herrscht im Wahlkampfteam von Donald Trump paranoide Panik vor der Niederlage. Ein Schuldiger wird gesucht.

  • Donald Trump liegt in Umfragen weit hinter Herausforderer Joe Biden.
  • Die Republikaner fürchten eine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl und im Senat. Die Suche nach den Schuldigen hat bereits begonnen.
  • US-Wahlen 2020: Neuigkeiten, Informationen und Hintergründe zur Präsidentschaftswahl in den USA.

Washington - Schlechte Umfragewerte des Amtsinhabers, eine leere Kriegskasse aufgrund weniger Spenden und fragwürdige Strategien in der Auseinandersetzung mit Herausforderer Joe Biden. All das sorgt offenbar dafür, dass wenige Tage vor der US-Wahl im Team von Präsident Donald Trump die Angst vor einer drohenen Niederlage umgeht.

Innerhalb der Partei der Republikaner verursachen die schlechten Nachrichten wahre Zersetzungserscheinungen. Die Koordination zwischen den Büros von Donald Trump und der Partei sei vollständig eingefroren, berichtet das US-Magazin „Politico“ und bezieht sich dabei auf Quellen aus der Führungsebene der Republikaner. Dabei wäre eine solche Absprache zentral in den letzten Tagen vor der Wahl. Bei der wird nämlich nicht nur über den neuen Präsidenten entschieden, sondern auch der Kongress zum Großteil neu gewählt. Während die Republikaner kaum Chancen haben, den Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus streitig zu machen, steht ihre eigene Majorität im Senat auf dem Spiel.

Donald Trump und den Republikanern drohen Niederlagen bei den US-Wahlen

Auf der Suche nach dem Schuldigen kursieren mehrere Namen. Allen voran Brad Parscale. Der mittlerweile geschasste und in medizinischer Behandlung befindliche Wahlkampfmanager Donald Trumps steht im Zentrum der Kritik. Ihm sei es nicht gelungen, die notwendigen Spenden einzusammeln. Gleichzeitig habe er schlecht produzierte und viel zu teure Wahlwerbespots in Auftrag gegeben. Für die Pause des Superbowls, dem Endspiel in der „National Football League“ (NFL), kaufte Parscale zum Beispiel einen Werbeplatz für zehn Millionen US-Dollar. Laut „Politico“ soll es auch Parscales Idee gewesen sein, Joe Bidens mentale Gesundheit zum Wahlkampfthema zu machen - eine Entscheidung, die laut Umfragen vor allem ältere Wähler:innen in den USA dem Präsidenten nun übel nehmen.

Wer ist Schuld, wenn Donald Trumpverliert? Stabschef Mark Meadows oder Pressesprecherin Kayleigh McEnany?

Doch nicht nur Parscale bekommt den schwarzen Peter zugeschoben. Für viele ist Donald Trumps Stabschef Mark Meadows der Schuldige. Dass sein Job alles andere als leicht ist, zeigt allein die Fluktuation: Nach Reince Priebus, John F. Kelly und Mick Mulvaney ist Meadows bereits der vierte Mann im Amt. Ihm werfen zahlreiche führende Republikaner eine schlechte Informationspolitik im Zusammenhang mit Donald Trumps Corona-Erkrankung vor. Meadows hatte die offiziellen Statements des Weißen Hauses immer wieder mit eigenen Aussagen gegenüber der Presse konterkariert. Außerdem habe Meadows die wohl übermenschliche Aufgabe nicht erfüllt, Donald Trump „in Schranken zu halten“.

Donald Trump: Pressesprecherin Kayleigh McEnany soll Verschwörungstheorien verbreiten

Auch Kayleigh McEnany muss sich einiges an Kritik anhören. Donald Trumps Pressesprecherin, wie Meadows auch bereits die vierte Person im Amt, soll während ihrer Pressebriefings geheime Nachrichten an QAnon schicken, eine undefinierte Gruppe von Verschwörungstheoretikern. Der Vorwurf konnte nie bestätigt werden, sorgte aber bei ranghohen Republikanern vor allem im hart umkämpften Senat für Kopfschütteln.

Dass der Bruch zwischen Partei und Präsident durchaus real ist, beweist Donald Trump selbst. Laut einem Bericht der „Washington Post“ äußerte der Amtsinhaber auf einer privaten Spendengala seine Zweifel, ob die Republikaner ihre Mehrheit im US-Senat wirklich verteidigen könnten. Das liege vor allem an den Senatoren selbst. „Es gibt da ein paar Senatoren, mit denen kann ich wirklich nichts anfangen. Ich kann ihnen nicht helfen. Manchen will ich auch gar nicht helfen“, soll Trump gesagt haben.

US-Wahlen 2020: Für die Republikaner geht es um alles

Im Senat geht es für die Republikaner um ihre letzte Bastion der Regierungsarbeit. Sollten sie dort die Mehrheit verlieren und gleichzeitig die Demokraten ihre eigene im Repräsentantenhaus verteidigen, fehlt nur noch ein Sieg von Joe Biden, um eine absolute Vormachtstellung der Demokraten für mindestens zwei Jahre zu zementieren. Doch die Hoffnungen der Konservativen scheinen zu schwinden. Mitch McConnell, republikanischer Mehrheitsführer im Senat, bezifferte die Chancen seiner Partei, die ihre Mehrheit zu verteidigen, auf „50 Prozent“.

Vonseiten der Trump-Kampagne werden die Zerwürfnisse zwischen Präsident und Partei heruntergespielt. Mike Reed, Sprecher der Republikaner, sagte, man sei „vollständig vereint in der Zielsetzung“. Auch Bill Stepien, Nachfolger von Parscale und Leiter der Wiederwahl-Kampagne von Donald Trump, betonte den Zusammenhalt. Doch sollte Trump die erwartete Niederlage einfahren, die Republikaner gleichzeitig die Mehrheit im Senat verlieren, dürfte von der Einigkeit kaum etwas übrig bleiben. (Von Daniel Dillmann)

Rubriklistenbild: © DOUG MILLS via www.imago-images.de

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