US-Wahl 2020

„Wird es ein gutes Buch?“ Tonbänder entlarven Donald Trumps finales Gespräch mit Bob Woodward

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Während sich das Coronavirus in den USA weiter ausbreitet, verteidigt sich Donald Trump in einem seiner Gespräche mit Bob Woodward.

  • Ein Ausschnitt des finalen Telefongesprächs zwischen Bob Woodward und US-Präsident Donald Trump wird öffentlich.
  • Das Gespräch zeigt, dass sich Donald Trump in der Corona-Pandemie vor allem um die Wirtschaft in den USA sorgt - und um sein Image.
  • Donald Trump behauptet, früh und genug gehandelt zu haben.

Washington D.C. - Über Monate hinweg führte der Journalist Bob Woodward Gespräche mit Donald Trump für sein neues Buch „Rage“. Als Trump erfuhr, dass das Buch fast fertiggestellt ist, erkundigte er sich, wie Woodward den US-Präsidenten in seinem Werk dargestellt hätte.

Der Nachrichtensender „CNN" hat einen Mitschnitt des neunzehnten und letzten Interviews erhalten, das Woodward am 14. August diesen Jahres mit Donald Trump geführt hatte. In der Corona-Pandemie, die in den USA verheerend grassiert, hätte man nichts weiteres tun können, sagte der US-Präsident in dem Gespräch.

Donald Trump: Gespräche mit Bob Woodward zeigen Verhalten in der Corona-Pandemie

In dem Auschnitt des zehnminütigen Interviews diskutieren Bob Woodward und Donald Trump über die Auswirkungen, die das Coronavirus in den USA mit sich zieht. Trump geht dabei vor allem auf die wirtschaftlichen Folgen und weniger auf die zahlreichen Toten ein.

„Glauben Sie also, dass das Coronavirus die Wirtschaft völlig verdrängen wird?“, fragte Trump. „Oh, sicher. Aber sie hängen miteinander zusammen, wie Sie wissen“, antwortete der Journalist. „Ein bisschen, ja“, entgegnete der US-Präsident. „Oh, nur ein bisschen?“

„Ich meine, mehr als ein bisschen“, so Donald Trump. „Aber die Wirtschaft...gucken Sie, wir sind dicht dran an einem neuen Rekord auf dem Aktienmarkt.“

Bob Woodwards Gespräche mit Donald Trump bringen immer mehr Details über das Verhalten des US-Präsidenten in der Corona-Pandemie ans Licht.

Corona in den USA: Donald Trump fokussiert sich auf die wirtschaftlichen Folgen

Der Ausschnitt unterstreicht Donald Trumps Haltung in der Corona-Pandemie, die Wirtschaft unter allen Umständen am Laufen zu erhalten. Mit einer starken Wirtschaft könne er im Wahlkampf punkten. Damit widersetzt er sich jedoch gängigen Expertenmeinungen, nach denen die Wirtschaft sich nur stabiliseren könne, wenn das Virus auch eingedämmt ist.

Im Hinsicht auf die Präsidentschaftswahl am 3. November erzählte Woodward, dass es zu einem Wettkampf zwischen Donald Trump, Joe Biden und dem Coronavirus kommen würde. „Zig Millionen Leute, die keinen Job haben, die keine...“ - Trump unterbricht ihn: „Ich weiß. Mehr hätte man nicht tun können." Der US-Präsident habe „früh gehandelt“, behauptete er zudem.

US-Präsident Donald Trump warnt vor Bob Woodwards Buch „Rage“

Es gebe auch Stellen im Buch, die Donald Trump nicht gefallen werden, teilte ihm Bob Woodward mit. „Es ist ein heftiges Buch“ und „nah an der Schmerzgrenze", fügte er hinzu. Auf Trumps Nachfrage, was ihm nicht gefallen würde, antwortete Woodward, wie sehr das Virus ein Bestandteil im Leben von echten Leuten sei. „Sie wissen, dass der Markt sehr stark zurückkommen wird, oder?“, fragte Trump. „Ja, natürlich", so Woodward. „Haben Sie das auch im Buch behandelt?“ „Oh ja, sicher.“

Die zuvor veröffentlichen Gespräche zwischen Bob Woodward und Donald Trump zeigten, das der US-Präsident früh über die Gefahr des Coronavirus Bescheid wusste, allerdings „keine Panik erzeugen“ wollte.

Während der Gespräche suchte Donald Trump mehrmals die Anerkennung von Bob Woodward. Beispielsweise fragte er, ob der Journalist denn ein „gutes Buch“ über den Präsidenten schreiben würde. In einer Pressekonferenz am Donnerstag (10.09.2020) sagte Trump, dass es kurze Gespräche und „keine langen“ gewesen seien. Dabei gibt es jedoch rund zehn Stunden an Aufnahmen. In mehr als sechs Gesprächen war es zudem Trump, der Woodward anrief - oftmals unerwartet und spät am Abend. Im August warnte Trump auf Twitter vor dem Buch „Rage“ und bezeichnete es als „Fake“. (Von Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © BRENDAN SMIALOWSKI/AFP

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