Das Vorgehen der Regierung von Donald Trump während der Pandemie bereitet Kanadas Premier Justin Trudeau Sorgen.
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Das Vorgehen der Regierung von Donald Trump während der Pandemie bereitet Kanadas Premier Justin Trudeau Sorgen.

Zusammenarbeit

Donald Trump verliert die US-Wahl: Ein ganzes Land im Norden atmet auf

  • vonGerd Braune
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Nach dem Sieg von Joe Biden hofft die kanadische Regierung in Ottawa auf eine bessere Zusammenarbeit mit den USA.

  • US-Wahl 2020: Donald Trump verliert gegen Joe Biden.
  • In Kanada, Nachbarland der USA, löst der Ausgang der US-Wahl Erleichterung aus.
  • Justin Trudeau, Premierminister von Kanada, hofft auf bessere Zusammenarbeit mit Joe Biden.

Der Sieg von Joe Biden ist in Kanada überwiegend mit Erleichterung aufgenommen worden. Nach vier Jahren einer rauen Beziehung zwischen Premierminister Justin Trudeau und US-Präsident Donald Trump richtet sich nun die Hoffnung auf eine berechenbarere, freundlichere Beziehung zwischen den beiden Regierungschefs. Aber auch Bidens Regierungsprogramm wird Ottawa vor Herausforderungen stellen.

Joe Biden und Justin Trudeau verbindet eine gute Freundschaft

Joe Biden und Justin Trudeau kennen sich gut und pflegen eine Freundschaft. Dass der Demokrat die USA wieder in das Pariser Klima-abkommen führen will, dass er die unter Donald Trump belasteten Beziehungen innerhalb der Nato stärken, den Konfrontationskurs gegenüber Weltgesundheits- und Welthandelsorganisation beenden und generell wieder stärker auf internationale Kooperation setzen möchte, kommt der grundsätzlichen Ausrichtung kanadischer Politik entgegen. Kanada, das in der Vergangenheit gerne eine Vermittlerrolle spielte und internationale Zusammenarbeit förderte, sieht eine Chance, eine aktive Rolle bei der Bildung neuer und der Wiederbelebung früherer Koalitionen zu spielen.

Mit größter Sorge hat Kanada die Entwicklung der Covid-19-Pandemie und das Verhalten der Trump-Regierung beobachtet. Seit März ist die Grenze zwischen Kanada und den USA für „nichtessenziellen“ Verkehr geschlossen.

USA und Kanada: Beziehungen unter Donald geprägt von Drohungen und Sanktionen

Kanada hatte sich in den vergangenen Monaten dem Drängen der USA widersetzt, die Grenze wieder zu öffnen und damit Normalität zu signalisieren. Nun nimmt Ottawa mit Erleichterung auf, dass unter Biden der Kampf gegen das Coronavirus eine Priorität haben wird und Wissenschaft über politisches Taktieren dominieren soll.

Die kanadisch-amerikanischen Beziehungen in den vier Trump-Jahren waren häufig geprägt von Drohungen und Sanktionen gegenüber Kanada. Meinungsverschiedenheiten und Reibungspunkte wird es aber auch unter der Präsidentschaft Joe Biden weiter geben. Trudeau unterstützt den umstrittenen Bau einer Pipeline, die Teersandöl aus der kanadischen Provinz Alberta in die USA bringen soll, und hatte dabei Trump auf seiner Seite, während Biden die Pipeline ablehnt. Kanada könnte gezwungen sein, mehr für den Klimaschutz zu tun, denn das Land ist weit von seinen Klimazielen unter dem Paris-Abkommen entfernt. Jede Klimaschutzmaßnahme kann in Kanada aber auf Widerstand der energieproduzierenden Provinzen stoßen. Es war nicht verwunderlich, dass in der Ölprovinz Alberta viele Menschen auf einen Trump-Sieg gehofft hatten.

Auch Joe Biden verfolgt die Politik des „Buy America“

Die USA sind unter Donald Trump protektionistischer geworden, und dies wird sich nicht völlig ändern. Auch Joe Biden folgt einer Politik des „Buy America“. Es werde „kein Zurück zur Vor-Trump-Welt geben“, analysiert Campbell Clark in der liberal-konservativen „Globe and Mail“. Trump habe die US-Führung in der Weltpolitik aufgegeben. Dass die USA sie unter Biden wieder anstrebten, sei nicht zu erwarten. Derek Burney, Kanadas Botschafter in den USA in den 1980er Jahren, kommt zu der Erkenntnis: „Wir können nicht mehr auf eine besondere Beziehung zu den USA setzen.“

Kanada geht gerne auf Distanz zu den USA, um Eigenständigkeit zu demonstrieren, aber die Bevölkerung beider Staaten fühlt sich doch eng verbunden. Als Klassiker gilt das Zitat von Robert Thompson, des Vorsitzenden einer kleinen konservativen kanadischen Partei aus den 1960er Jahren: „Die Amerikaner sind unsere besten Freunde, ob wir es wollen oder nicht.“ Das änderte sich laut Umfragen während der Amtszeit Donald Trumps: Hatten Ende 2017 immerhin noch 47 Prozent der Kanadier:innen eine positive Einstellung gegenüber den USA, waren es zuletzt nur noch 29 Prozent. Die Aussichten sind gut, dass sich dies in den kommenden Jahren wieder etwas ändert.

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