Rückhalt aus den eigenen Reihen

US-Wahl 2020: Donald Trump bleibt stur - Republikaner unterstützen ihn: „Geben Sie nicht auf!“

  • vonMirko Schmid
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Prominente Republikaner stellen sich hinter Donald Trump und fordern, das Ergebnis der US-Wahl nicht anzuerkennen. George W. Bush und Arnold Schwarzenegger gratulieren Joe Biden.

  • Donald Trump will den Wahlsieg von Joe Biden nicht anerkennen und juristisch dagegen vorgehen.
  • Aus den Reihen der Partei des Präsidenten war in den letzten Tagen wenig zu hören, jetzt stellen sich erste Republikaner hinter ihn.
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Update, 10. November 2020, 10:55 Uhr: Wer nach der US-Wahl und dem Sieg von Joe Biden gehofft hatte, die Republikanische Partei und ihre ranghohen Vertreter würden auf Donald Trump einwirken, seine Niederlage einzugestehen, der oder die wurde bislang enttäuscht. Keiner der Führer der Partei ist bislang vorgeprescht und hat Druck auf den US-Präsidenten ausgeübt.

Zwar zweifeln führende Republikaner und Trump-Allierte wie Senator Lindsey Graham, dass die Klagen der Trump-Kampagne gegen die US-Wahl von Erfolg gekrönt sein werden. Doch auf die Frage, ob Donald Trump eine Niederlage akzeptieren würde, antwortete Graham nur: „Ich werde es tun.“ Gleichzeitig forderte der gerade zweifelsfrei wiedergewählte Graham in einem Interview mit Fox News: „President Trump sollte die Niederlage nicht eingestehen.“

US-Wahl 2020: Nur wenige Republikaner gratulieren Joe Biden zum Sieg

USA - Um Donald Trump wurde es in den Tagen seit der Bekanntgabe des Wahlsieges des Demokraten Joe Biden einsam. Aus Reihen hochrangiger Republikaner war kaum Rückhalt für die Forderungen des Präsidenten, die Auszählungen abzubrechen, in vielen Staaten neu auszuzählen und „illegale Stimmen“ auszusortieren, zu vernehmen. Auch Trumps Anschuldigung ihm sei die US-Wahl „gestohlen“ worden, wollten außerhalb seines engsten Umkreises, zu dem außer seinem Sohn Donald Trump Jr. auch seine Tochter Ivanka und sein umstrittener persönlicher Anwalt Rudy Giuliani gehören, keine prominenten Republikaner öffentlich bekräftigen.

Die Senatoren Ted Cruz (links) und Lindsey Graham: Sie stellen sich hinter Donald Trump und reden von Wahlbetrug.

Erste hochrangige Republikaner stellen sich hinter Donald Trump

Erste hochrangige Republikaner wagen sich jetzt aus der Deckung und unterstützen Donald Trump auf offener Bühne. Senator Ted Cruz, der Trump im Kampf um die Nominierung 2016 unterlegen war und vom scheidenden Präsidenten auch persönlich angegriffen wurde, verteidigt seinen Parteifreund. Der texanische Senator ließ sich am Sonntag (8.11.2020) live ins Programm von Fox News schalten und nannte die Bekanntgabe von Joe Bidens Wahlsieg in den US-Medien „verfrüht“.

Senator Ted Cruz unterstützt Donald Trump in seinen Anschuldigungen der Wahlfälschung

Ted Cruz zitierte während seine Auftritts die landesweiten Klagen gegen das Wahlergebnis und erklärte: „Ich glaube, Präsident Trump hat noch einen Weg zum Sieg“. Dieser Weg bestünde darin, „jede einzelne abgegebene legale Stimme zu zählen, aber auch keine Stimmen zu zählen, die betrügerisch oder illegal abgegeben“ geworden seien. Damit schert er auf die Linie von Donald Trump ein, wonach es „illegale“ Stimmabgaben gegeben haben solle - eine Behauptung, für die der abgewählte Präsident bisher keine Beweise hat vorlegen können und die in sozialen Medien wie Twitter und Facebook regelmäßig mit Warnhinweisen versehen wird.

Cruz ist nicht der einzige prominente Republikaner, der Donald Trump zur Seite springt. Der Vorsitzende des Justizausschusses im US-Senat, Lindsey Graham, forderte den amtierenden Präsidenten vehement dazu auf, „nicht aufzugeben“. In einer Liveschalte des TV-Senders Fox News behauptete Graham, dass es „nie wieder einen republikanischen Präsidenten geben werde, wenn wir das Wahlsystem der USA nicht infrage stellen und ändern.“

Prominente Republikaner, die Bidens Sieg anerkennenProminente Republikaner, die sich öffentlich hinter Trump stellen
George W. Bush (43. US-Präsident)Ted Cruz (Senat)
Mitt Romney (Senat)Lindsey Graham (Senat)
Lisa Murkowski (Senat)Rudy Giuliani (ehem. Bürgermeister New York)
Charlie Baker (Gouverneur)Ivanka Trump (Tochter/Beraterin)
Phil Scott (Gouverneur)
Larry Hogan (Gouverneur)
Arnold Schwarzenegger (ehem. Gouverneur)

Senator Lindsey Graham fordert Donald Trump dazu auf, nicht aufzugeben und „hart“ zu kämpfen

Zuvor wird er gefragt, was er zu den „Hinweisen“ zu sagen habe, dass tote Menschen abgestimmt haben sollen, wie es Trumps persönlicher Anwalt und „Mann fürs Grobe“ Rudy Giuliani in den letzten Tagen immer wieder behauptet hatte. Graham behauptet, dass über einhundert Verstorbene in Pennsylvania abgestimmt hätten, davon hätten sich sechs Wähler:innen erst nach ihrem Tod für die US-Wahl 2020 registriert. Außerdem seien es nicht die Medien, die entscheiden würden, wer Präsident der USA werde. Graham rät seinem Golfkumpel Trump, er solle nicht aufgeben. In Georgia werde noch gezählt, North Carolina werde der amtierende Präsident gewinnen. Einen Rat hat er noch - Trump solle die Ausrufung „der Medien“ des Wahlsieges von Joe Biden nicht akzeptieren und „hart kämpfen“.

George W. Bush gratuliert Joe Biden zum Wahlsieg und nennt die Wahl „fundamental fair“

Doch aus den Reihen prominenter Republikaner kommt nicht nur Zuspruch für die unbewiesenen Wahlbetrugsvorwürfe aus dem Lager von Donald Trump. Trumps Vorgänger als republikanischer Präsident, George W. Bush, gratulierte Joe Biden zu einem „klaren und ehrlichen“ Wahlsieg und widerspricht somit den Vorwürfen des amtierenden Präsidenten.

Auch wenn er Donald Trump und seinen Unterstützer:innen zu einem „hart ausgefochtenen Wahlkampf“ und der Tatsache, dass Trump mehr als 70 Millionen Wähler:innen hinter sich vereinen konnte gratuliert, dürften die Amerikaner:innen Vertrauen in die Tatsache haben, dass diese Wahl „fundamental fair“ gewesen sei. Das Ergebnis der Wahl sei „klar“, so Bush.

Republikanische Senator:innen und Gouverneure widersprechen Donald Trump und gratulieren Joe Biden

Dem Ansatz von Bush, den Wahlsieg von Joe Biden anzuerkennen und den Verschwörungstheorien aus dem Umfeld von Donald Trump keinen Glauben zu schenken, schlossen sich auch die republikanischen Senator:innen Mitt Romney und Lisa Murkowski, die Gouverneure Charlie Baker (Massachusetts), Phil Scott (Vermont) und Larry Hogan (Maryland) sowie bisher acht Abgeordnete der Republikaner im Repräsentantenhaus an. Und auch ein weiterer prominenter Republikaner gratuliert Joe Biden: der ehemalige Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger. (Mirko Schmid)

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