Late-Night-TV gegen Donald Trump

US-Wahl 2020: Donald Trump ist der „schlechteste Privatdektetiv aller Zeiten“

  • Daniel Dillmann
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Donald Trump aus seinem Amt des US-Präsidenten zu entlassen, lassen sich einige Late-Night-Moderatoren nicht nehmen. Und verspotten ihn nach der US-Wahl 2020.

  • Nach der US-Wahl 2020: Late-Night-Moderatoren in den USA machen sich über Donald Trump lustig.
  • Die meisten feiern den Sieg von Joe Biden, alle machen Witze über Donald Trump.
  • Die einen nennen Donald Trump einen „Faschisten“, die anderen den wohl „schlechtesten Privatdetektiv aller Zeiten“.

Update vom Donnerstag, 12.11.2020, 11.30 Uhr: Obwohl seine Niederlage bei der US-Wahl nach Joe Bidens prognostiziertem Sieg in Arizona immer eindeutiger wird, wehrt sich Donald Trump weiter mit Händen und Füßen gegen das Ergebnis. Der noch amtierende US-Präsident folgt damit einer Strategie, die er bereits 2016 angewandt hatte.

Das Archivbild zeigt Donald Trump als „President-elect“ im Januar 2017. Auch damals hatte er schon von Beweisen gesprochen, die er nie vorlegen konnte.

Late Night: Auch 2016 schon konnte Donald Trump keine Beweise vorlegen

Damit beschäftigt sich Seth Meyers in seiner Show „Late Night with Seth Meyers“. Der Moderator zeigt ein Interview von Donald Trump mit dem Nachrichtensender ABC aus dem Jahr 2016. Trump behauptet dabei, er habe nicht nur die Wahl gegen Hillary Clinton gewonnen, er habe auch absolut mehr Stimmen als seine Konkurrentin erhalten, also die sogenannte „Popular Vote“ gewonnen. Das ist nicht der Fall gewesen, weshalb es Donald Trump wohl damals und bis heute nicht gelungen ist, die versprochenen Beweise vorzulegen.

Ähnlich sieht die Sache bislang auch im aktuellen Streit um das Wahlergebnis aus. Das Team von Donald Trump war bislang nicht in der Lage, seine Behauptungen von massivem Wahlbetrug mit Beweisen zu unterfüttern. „Donald Trump wäre der schlechteste Detektiv aller Zeiten“.

Donald Trump ein „Faschist“ - Late Night verabschiedet Lieblingsfeind nach US-Wahl

Erstmeldung vom Dienstag, 10.11.2020, 15.27 Uhr: New York – In den vergangenen vier Jahren war Donald Trump ihr Feindbild Nummer Eins. Wöchentliche Kritik am US-Präsidenten, fast tägliches Entsetzen über sein Verhalten und immer wieder die Feststellung, dass nichts von alledem ihm etwas anhaben kann: das Leben eines Late Night Show-Moderators in den vergangenen vier Jahren. Doch die US-Wahl hat dem ein Ende bereitet.

Der Sieg von Joe Biden über Donald Trump bedeutet für viele Moderatoren der Abendunterhaltung, einen letzten Gruß an den Amtsinhaber zu schicken. Wie die Größen ihre Branche das aber machen, fällt unterschiedlich aus. Manche nutzen die Gelegenheit, um Kritik am Wahlsystem der USA zu üben. Anderen geht die Wahl nicht schnell genug. Wieder andere werden emotional. Ein Überblick:

US-Wahl in den US-Medien: Bill Maher erklärt Joe Biden zum Sieger

Bill Maher reagierte in seiner HBO-Show namens „Real Time With Bill Maher“ mit Luftballons in den Farben der amerikanischen Flagge. Der Late-Night-Moderator bewies außerdem wieder einmal, warum die Dinge auf seinem Sender etwas anders laufen als bei der Konkurrenz. Denn auf HBO darf man nicht nur fluchen, man darf auch Geschlechtsteile zeigen und den Sieger einer US-Wahl vor dem offiziellen Ergebnis ausrufen. Genau das tat Maher. Ihm ging es nicht schnell genug, bis die großen Nachrichtensender Fox News und CNN Joe Biden zum Sieger und Donald Trump zum Verlierer erklärten. Also tat er das einfach selbst und begründete seinen Schritt wie folgt: „Die TV-Netzwerke sind einfach zu ängstlich.“

Late Show Moderator Stephen Colbert verabschiedet sich nach der US-Wahl von Donald Trump (Archivbild).

Mahers Kollege Trevor Noah konnte sein Grinsen nicht verbergen, als er Joe Bidens Sieg in seiner Corona-bedingt umbenannten „The Daily Social Distancing Show“ verkündete. Er machte sich vor allem über die Vorwürfe Trumps und der Republikaner lustig und spottete darüber, die Demokraten hätten die Wahl gestohlen und das System der Briefwahl sei korrupt. „Wenn irgendwas an unserem Wahlsystem nicht stimmt, dann ist es die Tatsache, dass Donald Trump vier Millionen Stimmen weniger bekommt und lange eine Chance auf den Sieg hatte“, so Noah.

US-Wahl 2020: Donald Trump bekommt nach Niederlage die ganze Häme zu spüren

John Oliver, mit seiner Show „Last Week Tonight“ ebenfalls auf HBO zu sehen, zelebrierte die Niederlage Donald Trumps auf seine eigene Weise: mit 30 Sekunden, in denen Aufnahmen der feiernden Menschen in Washington D.C. und New York gezeigt wurden, daneben ein Moderator, der seine Lieblingsfakten zu Oktopussen aufzählte. Oliver stellte außerdem Trump-Fans aus Michigan und Arizona gegenüber. Während die ersten „Stoppt die Zählung“ skandierten, riefen die anderen „Zählt alle Stimmen!“ Die bisher vorgebrachten Klagen der Trump-Kampagne könne man nicht ernst nehmen. Das tun noch nicht mal die Gerichte, wie Oliver mit einem Ausschnitt aus einer per Zoom abgehaltenen Verhandlung beweist.

Late Night Shows im Überblick:
SendungModeratorSender
Real Time with Bill MayherBill MaherHBO
Last Week TonightJohn OliverHBO
The Daily (Social Distancing) ShowTrevor NoahComedy Central
A Late ShowStephen ColbertCBS

Doch John Oliver legt auch im Moment der Freude den Finger in die Wunde. Es sei ein alarmierendes Zeichen, dass die US-Wahl überhaupt so knapp geworden sei. „Es muss uns zu denken geben, wenn trotz allem noch so viele Menschen ihre Stimme Donald Trump geben“, so der HBO-Host. Dennoch freute sich Oliver auf die Zeit nach Trump, vor allem aus einem Grund: „Endlich kein Jared Kushner mehr. Verdammt nochmal kein Jared Kushner mehr!“

US-Wahl 2020: Donald Trump weigert sich, Niederlage einzugestehen, Stephen Colbert nennt ihn Faschist

Besonders emotional wurde es bei Stephen Colbert. Noch während die US-Wahl lief, konnte der Moderator der „Late Show“ die Tränen kaum zurückhalten. „Ich dachte nicht, dass es mich so hart treffen würde“, sagte Colbert und sprach dabei über die Weigerung Donald Trumps, seine Niederlage gegen Joe Biden einzugestehen. Der Präsident sei ein „Faschist“ und es sei an der Zeit für alle im Land, eine Seite zu wählen. Gleichzeitig forderte er die Republikaner auf, Donald Trump für seine Aussagen zu verurteilen. „Wenn auf der einen Seite der Faschismus und auf der anderen Seite Demokratie steht, dann gibt es nicht nette Leute auf beiden Seiten“, so Colbert.

Der Moderator der „Late Show“ schloss mit einem flammenden Appell an die Werte der Vereinigten Staaten von Amerika, die Donald Trump mit seinem Verhalten „zu töten“ versucht habe.

Running Gag in den Ausgaben der Late-Night-Shows nach der US-Wahl war eine Szene aus Nevada. Dort war ein Mann im weißen Tanktop mit der Aufschrift „BBQ, Bier, Freiheit“ hinter dem zuständigen Wahlleiter Joe Gloria aufgetaucht und hatte angefangen zu schreien. „Die kriminelle Biden-Familie stiehlt die Wahl. Die Medien decken sie!“ Nachdem keiner ihm wirklich Aufmerksamkeit geschenkt hatte, ging der Mann nach einigen weiteren Versuchen seiner Wege. Gloria schaute ihm nach, drehte sich wieder in Richtung der Mikrofone und machte mit einem lapidaren „Wo waren wir stehengeblieben“ einfach weiter. (Daniel Dillmann)

Rubriklistenbild: © Dominick Reuter/AFP

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