US-Wahl 2020

Briefwahl in den USA - Hunderttausende Stimmzettel abgelehnt

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Die chaotische Briefwahl könnte womöglich die US-Wahl am 3. November entscheiden. Bei den diesjährigen Vorwahlen wurden bereits mehr als 550.000 Stimmzettel abgelehnt.

  • Die Briefwahl in den USA verläuft chaotisch
  • Bei den diesjährigen US-Vorwahlen wurden mehr als 550.000 Stimmzettel abgelehnt
  • Abgelehnten Stimmen könnten den Ausgang der Präsidentschaftswahl am 3. November beeinflussen

Die Briefwahl in den USA artet in einem regelrechten Chaos aus. Hunderttausende Stimmzettel für die Vorwahlen wurden abgelehnt. Das ergab eine Analyse des Radiosenders „NPR". Für die anstehende Präsidentschaftswahl Anfang November werden Millionen von Wählern ihre Stimme per Post abgeben.

Bereits bei der US-Wahl 2016 wurden landesweit 318.728 Stimmzettel per Post abgelehnt. Bei den diesjährigen Vorwahlen waren es bereits mehr als 550.000 Briefe, die entweder zu spät ankamen oder bei denen eine Unterschrift fehlte, beziehungsweise sie nicht mit der registrierten Signatur übereinstimmte. Diese Nicht-Stimmen könnten den Ausgang der Wahl entscheiden.

In den USA werden mehr Wähler als je zuvor per Briefwahl abstimmen.

US-Wahl 2020: Hunderttausende Stimmzettel bei Vorwahlen per Post abgelehnt

Vor allem Erstwähler und jüngere Gruppen sollen bei der Briefwahl häufig Fehler machen. „Es ist ein Problem, das einige Teile der Bevölkerung stärker betrifft als andere“, erklärte Rob Griffin von der Stiftung „Democracy Fund“. Verschiedene Gruppen von Leuten seien damit eher vom Wahlrecht augeschlossen. Etwa ein Viertel der Leute, die 2016 ihre Stimme persönlich abgaben, werden es dieses Jahr per Post machen, so Griffin. Das gleiche gelte auch für Erstwähler.

Auch in sogenannten „Swing States“, bei denen oftmals wenige Tausend Stimmen über den Ausgang der Wahl entscheiden, könnten die abgelehnten Stimmzettel einen Einfluss haben. In Wisconsin gewann Donald Trump 2016 mit etwa 23.000 Stimmen. Mehr als 23.000 Stimmen wurden in den Vorwahlen im April abgelehnt. In Pennsylvania lag Trump mit 44.000 Stimmen vorne - 37.000 Stimmzettel wurden dort abgelehnt.

US-Wahl 2020: Donald Trump wirft Demokraten Betrug bei der Briefwahl vor

Auch aufgrund der Corona-Pandemie wird ein gewaltiger Anstieg der Stimmen per Briefwahl erwartet. Daher wird in Swing States mit drei mal so vielen abgelehnten Stimmen gerechnet wie noch 2016. Die tatsächliche Zahl der abgelehnten Stimmen liegt jedoch noch höher als berechnet, denn nur 30 Bundesstaaten machen die entsprechende Statistik öffentlich zugänglich. Zudem fallen weitere ungültige Stimmzettel nicht unter die abgelehnten. Wenn beispielsweise mehrere Kandidaten ausgewählt werden, oder der Name anstatt das Feld daneben angekreuzt oder eingekreist wird, zählt die Stimme nicht und wird auch nicht in der Statistik für „rejected“ („abgelehnt“) aufgeführt. Die Fehlerquote per Post ist deutlich höher als für Stimmen, die im Wahllokal abgegeben werden.

Die Antwort der Republikaner auf diese Probleme ist, die Briefwahl einzuschränken. Donald Trump greift das Verfahren regelmäßig an und unterstellt den Demokraten möglichen Wahlbetrug. Der Post hat der US-Präsident den Geldhahn zugedreht. Zahlreiche wichtige Sortiermaschinen wurden abgebaut, die Betriebszeiten stark gekürzt, um die Ausweitung des Briefwahlsystems zu unterbinden. Die Demokraten behaupten, dass Trump die Post manipuliere, um Wählern das Stimmrecht zu entziehen. Sie fordern, dass Wahllokale leichter zugänglich gemacht und auch die Briefwahl vereinfacht werden soll. Am 3. November wird entschieden, ob Donald Trump eine zweite Amtszeit antritt oder Joe Biden ins Weiße Haus einzieht. (Von Lukas Rogalla)

Donald Trump besucht Shanksville, Pennsylvania, um den Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 zu gedenken. Entführer ließen bei Shanksville ein Flugzeug abstürzen. Auch Joe Biden wird nach Shanksville anreisen. Tags zuvor hatte Donald Trump sich mit Winston Churchill verglichen, um sich gegen die Enthüllungen in Bob Woodwards neuem Buch zur Wehr zu setzen.

Biden will mithilfe der Briefwahl die US-Wahl 2020 manipulieren: Diese Verschwörungstheorie verbreitet Donald Trump immer wieder. Dem US-Präsidenten könnten die Äußerungen um die Ohren fliegen.

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